Letztes Jahr Silvester, 1999/2000, Jahrhundertwende, Jahrtausendwende, das Millennium steht bevor. Große Sache gewesen, sagte man, muss man dabei gewesen sein, sagte man, damals, vor einem Jahr.
J., meine beste weil einzige Freundin, holte mich gestern Mittag ab, um mit mir am Bahnhof die Fahrkarte zu kaufen. Nach kurzer Diskussion, welcher Weg kürzer sei (mein Vorschlag wurde natürlich angenommen), ging es los.
Ja ja, bin schon fein aufgewachsen – teilweise zumindest. Klavierunterricht, Reitunterricht, humanistisches Gymnasium, Theaterbesuche … Zum kotzen!
Zu Weihnachten schön einen auf heile Familie machen (ice würde das Rama-Familie nennen) und die niedlichen kleinen Kaninchen aufessen, die Klein-darki mit soviel Sorgfalt gehegt und gepflegt hat und die mich erkennen ließen, dass mein Großvater ein brutaler Mörder war.
Heute Morgen klingelte die Polizei bei mir und fragte, wo mein Auto sei. Ich nannte ihnen den Parkplatz und sie teilten mir mit, dass der Wagen beschädigt sei, somit die Sicherheit gefährde und noch heute von mir dort entfernt werden müsse, weil er sonst kostenpflichtig abgeschleppt werde.
Wie jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit saß der Weihnachtsmann in dem großen Sessel vor seinem Schreibtisch und war damit beschäftigt, die Weihnachtswünsche auf ihre Durchführbarkeit zu kontrollieren.
Stundenlang habe ich rumgefummelt, umgestöpselt, gestartet, wieder ausgemacht, nochmal versucht, Batterien gewechselt, wieder umgestöpselt … Bin ich zu blöd eine Tastatur zu wechseln?
Nachdem mir heute Morgen auch schon aufgefallen ist, dass in vier Tagen Weihnachten ist und ich immer noch kein Geschenk fuer meine Tochter hatte, habe ich mich muehevoll aufgerafft und bin in die City gegangen.
Schatzi braucht Schuhe, also fahren wir ins Schuhgeschäft. 400 DM sind nichts wert, die Batterie meines Autos auch nicht. Die Scheißkiste springt nicht an, es ist saukalt und regnet.
Ich Depp habe Nikolaus verpennt und weder Geschenk noch Schokolade für Schatzi, dafür ein schlechtes Gewissen, welches ich zu kompensieren versuche, indem ich ihr ein Handy kaufe.
Es ist wieder einmal früh morgens (5:02 Uhr MEZ) und in Ermangelung einer sinnvolleren Tätigkeit mache ich mir wieder einmal intensiv Gedanken darüber, wie es wohl sein mag, von einem zwölfstöckigen Gebäude in den Tod zu springen.