Y2K – Rückblick

Letztes Jahr Silvester, 1999/2000, Jahrhundertwende, Jahrtausendwende, das Millennium steht bevor. Große Sache gewesen, sagte man, muss man dabei gewesen sein, sagte man, damals, vor einem Jahr. Damals … wie sich das anhört, nicht einmal 12 Monate her, damals … Ich habe mit ein paar Leuten zusammen „gefeiert“, nichts Großes, einfach nur über mich ergehen lassen, ueberstehen, mehr wollte ich nicht. Viel ist seither passiert.

Die Hochzeit im Januar, eine Parodie eigentlich, denn eigentlich wollte ich gar nicht heiraten. Ich hab’s als Scherz aufgefasst, den Kopf schon in der Schlinge, ging nichts mehr, konnte ich nicht mehr nein sagen. Irgendwie war ich auch nicht wirklich dabei auf dem Standesamt. Alles kam mir so fremd, so unwirklich vor, als wäre es nicht ich gewesen, dumpf wie durch einen Schleier, Worte wie durch Watte, pflichtgemäß „Ja“ gesagt.

Die Anwaltstermine, der Psychoterror meiner ehemaligen Arbeitgeberin, scheiße war das, extrem scheiße. Ich hatte keinen Bock mehr, scheiß auf die Kohle, soll sie sich ihr Geld sonstwo hinschieben.

Im April der erste Zoff mit meinem Mann. Er ist ausgezogen (ist schließlich meine Wohnung). Naja, allein alleine sein ist eh besser als zu zweit alleine sein. Er wollte wieder zurück nach zwei Tagen, hat mich unter Druck gesetzt, terrorisiert, ich gab nach, also zog er wieder ein.

Im Juli dann einen guten Bekannten, einen Teil der Familie, in die Psychiatrie eingewiesen, geschlossene, jenseits von Gut und Böse der Arme, redet wirres Zeug, nicht mehr zurechnungsfähig. Seit was-weiss-ich-wieviel Jahren ist er in Therapie. Tolles Ergebnis.

Im August brennt die Wohnung ab, komplett, nichts mehr brauchbar, alles weg, alles. Nichts Altes, Vertrautes, Gewohntes noch da, nichts. Alles, was mich am Leben hielt auf einem Container, einem schlecht lackierten, angerosteten Container, alles.

Im September hab ich ihn dann rausgeschmissen, endgültig, hatte genug von ihm.

Oktober … Geburtstag … noch älter … Ich schenke mir die Registrierung und somit eine gewisse Zugehörigkeit in einem Suizid-Chat.

Dezember. Vor zwei Tagen habe ich mein Auto geholt. Es war stehen geblieben vor zwei Wochen oder so. Und jetzt? Scheiben eingeschlagen, Boxen geklaut, Sitze zerstört, Inneneinrichtung demoliert, teilweise demontiert. Die Schweine!

Ach ja, gerade fällt mir noch ein, dass ich letztes Jahr kurz vor Silvester eine CD geschenkt bekommen habe: Fuck The Millenium! von Scooter.

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