Ticketkauf

J., meine beste weil einzige Freundin, holte mich gestern Mittag ab, um mit mir am Bahnhof die Fahrkarte zu kaufen. Nach kurzer Diskussion, welcher Weg kürzer sei (mein Vorschlag wurde natürlich angenommen), ging es los. Auf der Fahrt dorthin fiel mir auf, dass auf den Grünflächen vereinzelt Schnee lag. „Hat’s geschneit?“ J. lacht: „Ja, gestern und vorgestern. Du solltest wirklich öfter das Haus verlassen.“ Im selben Moment blieb ihr das Lachen auch schon im Hals stecken – Polizeikontrolle. Und ich natürlich nicht angeschnallt. Wozu auch, was habe ich schon zu verlieren?

Wir wurden an den rechten Fahrbahnrand gewunken, ich ließ das Fenster runter. „Warum sind Sie nicht angeschnallt?“ J. ließ ebenfalls ihr Fenster runter und wird nach den Papieren gefragt. „Oh fuck! Hab ich ganz vergessen“, lüge ich, J. suchte derweil ihre Papiere, hatte sie aber nicht dabei. Na super!

Nachdem wir uns den Vorwurf anhören mussten, wir würden die Fahrbahn blockieren (tz, wollten wir hier stehen bleiben?), sollten wir ein Stück weiter fahren. Wir parkten den Wagen also weisungsgemäß auf dem Gehweg und stiegen aus. „Fuck! Ist das kalt! Ham die nix besseres zu tun? Solln doch morgen kontrollieren, das lohnt sich wenigstens.“ Ein böser Blick der grünen Obrigkeit liess mich verstummen und J. rot anlaufen. Mir doch egal! Was muss sie auch ihre Papiere vergessen?!

Nachdem sie dem Polizisten dreimal ihren unaussprechlichen Nachnamen buchstabiert hatte und das Vorhandensein der Fahrerlaubnis per Funk bestätigt wurde, war ich dran. Wieso ich denn nicht angeschnallt gewesen wäre. Will der mich verarschen? Hab ich doch schon gesagt. „Vergessen“, knurrte ich. „Ja, wissen Sie, ich kann da aber keine Ausnahme machen, blablabla …“ – „Laber nich, stell mir endlich das Ticket aus. Du wirst – im Gegenteil zu mir – schließlich dafür bezahlt, dass du dir hier den Arsch abfrierst.“ Das habe ich lieber nicht laut gesagt, nur gedacht. Ob ich denn sofort bezahlen könne? Kurzer Finanzcheck „Nein, nur 20 Mark.“ Dann könnte ich J. ja das Geld leihen, sie muss exakt 20 Mark bezahlen. „Ja, mach ma, dann brauchen die nich zu schicken!“ Also rücke ich meine letzte Barschaft raus und – oh Wunder! – ein Aufhellen im Gesicht der sonst recht unfreundlichen staatlichen Exekutive. Es folgten 10 Minuten Oberlehrer-Standpauke, die wir frierenderweise über uns ergehen ließen – das sparte uns immerhin 60 Mark – mit der abschließenden Aufforderung, dass ich fahren solle, nach meinem Führerschein wurde nicht gefragt.

Die Freude über die gesparten 60 Mark war Alibi genug für einen Imbiss bei McDonald’s. Anschließend gingen wir zum Bahnhof, nur leider war das DB-Reisezentrum schon geschlossen. Das Ticket musste ich laut Auskunft der freundlichen Dame an der Information im Zug kaufen. Grmpf! Wieso habe ich nicht angerufen? Ich mache doch sonst auch alles, was irgendwie möglich ist, telephonisch. Wir fuhren also rund 40 Mark ärmer ohne Ticket nach Hause, d. h. ich fuhr, J. hatte ja keinen Führerschein dabei; dass ich keine Kontaktlinsen trug, stattdessen Restalkohol vom nicht vertragenen Wein der vergangenen Nacht war eher nebensächlich; der Polizist hob die Hand zum Gruß, als wir auf der Gegenfahrbahn vorbeifuhren. Ich war ja angeschnallt…

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