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Sonnenfinsternis

 ·  ☕ 3 Minuten zum Lesen  ·  ✍️ dark*

Mittwoch war Sonnenfinsternis. Wir überlegten hin und her, gucken oder nicht gucken, aus Gründen dann nicht und dann doch eher zufällig. Und das kam so.

Unser Wohnort ist zum Gucken ja eigentlich Premium-Lage. Wir bräuchten nur an den Strand, da sind wir in 10 Minuten mit dem Fahrrad. Ach ja, warum eigentlich nicht, überlegten wir einerseits, andererseits hatte jeder von uns schonmal eine Sonnenfinsternis gesehen, also alles nix Neues. Aber andererseits kommt das ja nun nicht sooo häufig vor. Also überlegten wir Dienstag ganz kurzfristig, zur Sternwarte zu fahren und uns Sonnenfinsternisbrillen aus zuverlässiger Quelle zu besorgen. Und was soll ich sagen? Überraschung! Wir sind nicht die einzigen, die auf die Idee gekommen waren.

Ja nee, da haben wir jetzt aber keine Lust drauf.

Und überhaupt, das ist doch Mainstream-Mist, da mache ich nicht mit, entschied der Trotzkopf in mir. Wir fuhren unverrichteter Dinge wieder zurück und legten das Thema Sonnenfinsternis zu den Akten.

Und ich hatte sie auch tatsächlich völlig vergessen, als wir gestern Abend in die Küche gingen, um uns Abendbrot zu machen. Ich erspähte am Himmel über dem Park zwei Ballons und ging auf den Balkon, um sie zu knipsen. “Der Himmel hat aber ’ne komische Farbe”, meinte ich dabei noch.

Beim Knipsen dämmerte mir dann, woher die komische Himmelsfarbe kommt. Heute ist Sonnenfinsternis! Die Leute da im Ballon haben vermutlich einen Premium-Platz - sofern sie Sonnenfinsternisbrillen und ggf. Filter für die Objektive der Kameras dabei haben.

Ich ging zum Schlafzimmerfenster und checkte, ob man die Sonne von dort aus sehen konnte. Yep, konnte man. Nur ich konnte jetzt nichts mehr sehen, weil ich in die Sonne geguckt habe. Ich hatte nun einen gleißenden Ball vor dem Auge, von dem jemand ein Stück abgebissen hat. Denn das konnte ich noch erkennen, der Schatten schob sich schon über die Sonne.

In sozialen Medien und im Radio war heute den ganzen Tag von nichts anderem als der Sonnenfinsternis die Rede. Stets begleitet von der Warnung, bloß nichts anderes als eine zertifizierte Sonnenfinsternisbrille zu benutzen. Die einzige Alternative wäre eine Lochkamera, die ein umgedrehtes Bild von der Sonne auf eine weiße Fläche projezieren würde. Wir suchten hektisch Bastelanleitung und Bastelmaterial zusammen, um diese Idee zu realisieren. Als ich im Fediverse nach der Anleitung suchen wollte, die ich mittags gesehen hatte, wurde mir ein Beitrag einer Person aus meiner Follower-Liste angezeigt, die ein umgedrehtes Fernglas und eine weiße Fläche nutzte. Der Effekt ist derselbe wie bei einer Lochkamera.

Ui, tolle Idee!

Ich habe mal auf einem Flohmarkt für 5 € ein kleines Fernglas einer bekannten Optikerkette erstanden, das wir nun dafür nutzten. Da der Herr Lebensabschnittsgefährte keine Lust hatte, das Fernglas die ganze Zeit im richtigen Winkel festzuhalten, übernahm eine Tube Holzkleim den Job eines Stativs. Ein Tischkalender diente als Projektionsfläche. Wir hatten jetzt sogar jeder eine Sonne zum Beobachten.

Das ist übrigens der Stand um 19:50 und 19:55 Uhr. Die echte Sonne knipste ich schnell mit dem Smartphone. Die Linsen des Geräts spiegeln so helle Lichtquellen ebenfalls. Wie das technisch funktioniert, weiß ich nicht wirklich; vermutlich reflektiert die Scheibe, die vor den Linsen ist.

Die Sichel wurde noch schmaler. Die folgenden Bilder sind von 19:58 Uhr. Die Sonne ist jetzt schon etwas hinter den Bäumen. Man sieht jetzt auch deutlich, dass die Projektion auf dem Kopf steht.

Die letzten Bilder habe ich um 20:01 Uhr gemacht.

Es ist schon ziemlich krass, wie hell die Sonne am Himmel immer noch aussieht.

Dann hatte der Herr Lebensabschnittsgefährte Hunger. Prioritäten und so. Aber alles gut, vor lauter Grünzeugschatten konnte man die Sichel eh nur noch erahnen.


dark*
geschrieben von
dark*
don't expect a bright light