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Nebenwirkungen

 ·  ☕ 3 Minuten zum Lesen  ·  ✍️ dark*

Ich hatte ja beim ersten Versuch, die Bakterien zu bekämpfen, schon unter den Nebenwirkungen zu leiden. Seinerzeit habe ich auf abendliche Einname umgestellt, empfand das aber stets als Quälerei. Trotzdem werde ich vermutlich dahin zurück gehen.

Schon während der Chemo-Therapie 2014 hatte ich ja immer wieder mit nahezu allen Nebenwirkungen zu kämpfen, die Zytostatika so zu bieten haben. Ganz so dolle ist es mit den Tuberkulose-Medikamenten zwar nicht, aber umhauen tun sie mich doch.

Mir wird schwindelig und ich bekomme Kopfschmerzen. Die Augen tun weh und bisweilen sehe ich kleine helle Pünktchen tanzen. Ich bin ziemlich müde und völlig schlaff, meine Körperspannung schwindet regelrecht dahin, wenn die Wirkung der Tabletten einsetzt. Der Magen ist trotz Pantoprazol nicht gut auf das Zeug zu sprechen. Ich muss ständig aufstoßen und habe ein ziemliches Völlegefühl. Mund und Augen sind komplett trocken und das Gehirn ist Matsch. Alles in allem nichts lebensbedrohliches, setzt mich aber dreimal in der Woche bis in den Nachmittag matt, so dass ich an diesen Tagen fast nichts erledigen kann. Ein bisschen aufräumen (nicht zu anstrengend), ein wenig putzen und kochen geht. Das ist aber nicht gerade das Leben, das ich mir immer erträumt habe.

Letzte Woche hatte ich schon das Gefühl, dass es immer schlimmer wird, je öfter ich die Tabletten nehme. Und ich bin noch im ersten Monat, wie soll ich das denn zwei oder mehr Jahre durchhalten?

Heute war es besonders schlimm. Heute Morgen nach der Einname als die Wirkung einsetzte, wurde ich mit einem Schlag so furchtbar müde, dass ich mich ins Bett legte. Dort fror ich fürchterlich trotz Top, T-Shirt und Longsleeve, trotz Wollsocken und meiner geliebten Weihnachtsschlafanzughose. Ich zitterte und schlotterte regelrecht unter der Bettdecke. Der Herr Lebensabschnittsgefährte kam und legte noch eine Wolldecke oben drauf, dann ging’s.

Ich guckte die Sendung mit der Maus, von der es über einen Zeitraum von sieben Jahren eine Reihe von sieben Folgen zum Bau der Autobahnbrücke in Leverkusen gibt. Sehr spannend. Nachdem die Folgen zuende waren, schlief ich ein. Und ich schlief - mit kurzen Unterbrechungen - bis etwa 14 Uhr. Zwischendurch stand ich einmal kurz auf, als der Mann Mittagspause hatte. Er musste sich einen Döner holen, weil nichts vorbereitet und ich auch gar nicht dazu in der Lage war. Ich kaute auf einem trockenen Toast rum, dann ging ich wieder ins Bett und schlief weiter.

Kurz vor 16 Uhr stand ich auf. Ich machte mir einen Kaffee und ein Toast und setzte mich an den Esstisch. Das Gehirn war immer noch extrem matschig. Um 16 Uhr machte der Mann Feierabend. So langsam normalisierte es sich in meinem Kopf. Ganz klar ist der immer noch nicht. Aber schon am Nachmittag hatte ich einen Entschluss gefasst: So geht es nicht weiter!

Ab nächste Woche werde ich die Tabletten wieder abends nehmen. Man muss sie auf nüchternen Magen nehmen, weswegen ich vorher mindestens zwei Stunden nichts essen und bis auf ein wenig Wasser auch nicht trinken darf. Aber vermutlich ist das das kleinere Übel. Im Gegensatz zum letzten Mal werde ich sie diesmal aber vor dem Abendbrot nehmen, damit der Magen auch noch was zu tun hat und mich nicht wieder nächtelang quält. Morgen habe ich einen Termin beim Arzt und werde das mit ihm besprechen.

Als ich vor drei Jahren die Diagnose bekommen habe, haben mehrere Menschen in meinem Umfeld aufgeatmet: Wenigstens kein Krebs! Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher, ob das wirklich besser ist oder nur anders.


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geschrieben von
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