Grauen

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Die großen Katastrophen dieser Welt lassen mich meistens völlig kalt. Vermutlich entspricht es nicht der Vorstellung vom heutigen Gutmenschen, so etwas öffentlich zuzugeben, aber es ist leider wahr. Ob nun der 11. September 2001 oder Tsunami – all die schrecklichen Bilder in Fernsehen, in den Zeitungen und im Internet bewirken bei mir kaum etwas. Gleiches gilt für irgendwelche Statistiken über Kinderunfälle, Gewalttaten, Missbrauch, Vergewaltigungen, Krieg und all dieses schreckliche Zeug, das die Menschen im 3. Jahrtausend immer noch wie Barbaren aussehen lässt.

Anders hingegen verhält es sich bei Einzelschicksalen. Ich erinnere mich an die Frau aus dem Fernsehbericht, die noch mit ihrem Mann telephoniert hat, als dieser in den sicher Tod flog am 11. September 2001; oder an einen Mandanten in der Kanzlei, in der ich meine Ausbildung machte, der übersät war mit den Narben seiner Folterer in Pakistan (Oder war es Afganistan? Ich weiß es nicht mehr.), von den seelischen Narben, die er sich wohl zugezogen hat beim Anblick der Verwaltigung seiner Mutter und Schwester, ganz zu schweigen. Das – um nur zwei von vielen Beispielen zu nennen – bewegt mich, der Einzelne und seine Erzählung, die Vorstellung, wie derjenige sich wohl gefühlt haben mag. Die großen Katastrophen im Fernsehen, das sind nur Zahlen.

Dieses Grauen packte mich auch gestern wieder, als ich las, dass sie nur noch 9,5 Kilogramm wog, als sie starb. Was muss sie durchgemacht haben? Heute ist zu lesen, dass sie zum Schluß sogar Teppichfasern und ihre eigenen Haare aß. Mir fehlen die Worte, das ist nur noch grausam.

Aber auch eine Frage lässt mich nicht mehr los: Was um alles in dieser Welt bringt eine Mutter dazu, so zu handeln?

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