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1 Jahr leben mit dem Virus

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Ein paar Worte aus dem Lockdown.

Heute vor einem Jahr wurde hier in Mecklenburg-Vorpommern der erste Fall einer Coronavirus-Infektion im Labor bestÀtigt. Der Rest der Republik lebt schon ein bis zwei Wochen lÀnger damit, aber wir hinken hier ja immer hinterher.

Endlose Pandemie

Endlich mit dem Virus leben - Eine oft vernommene Forderung in diesem Jahr. Dabei tun wir doch seit einem Jahr nichts anderes. Bis auf 70.881 Menschen, die es leider nicht ĂŒberlebt haben, mit dem Virus zu leben. Auch heute und in den letzten Tagen ist dies wieder vielfach gefordert worden. Es seien ja noch Intensivbetten frei. Scheiß drauf!

Wir, und damit meine ich “wir” als Staat und/oder als Gesellschaft, als Gesamtkonstrukt Deutschland, teilweise sogar Europa, haben viel versĂ€umt. Zum Beispiel die Chance auf No-Covid im letzten Sommer, als wir kurz davor waren. Oder die Chance auf schnelle und sinnvolle Impfkonzepte, die man sich aber hĂ€tte ausdenken mĂŒssen, bevor der Impfstoff da ist. Und vielleicht hĂ€tte man auch nicht zu Weihnachten schon so viel Zuversicht und “is’ ja bald alles vorbei” verbreiten sollen. Denn dass ĂŒber 80 Millionen Menschen nicht innerhalb von ein paar Woche geimpft sein werden, war abzusehen. Wenn gleich auch ich nichts dagegen hĂ€tte, wenn es ein wenig schneller ginge.

Impfstoff-Nachrichten

Wie in Israel zum Beispiel, wo Zeitungsberichten zufolge bereits mindestens 70 % der Bevölkerung geimpft sind. Aber da sind ja auch Wahlen diesen Monat. Und dann haben sie einen Impfpass, mit dem man ein paar FreizeitvergnĂŒgen wieder nutzen kann. So etwas hĂ€tte die EU ja auch gerne. Ich teile da allerdings die BefĂŒrchtung eines Twitter-Nutzers.

Passierschein A38

Und dann sind da ja noch die, die sich gar nicht impfen lassen wollen, PflegekrĂ€fte und Krankenhauspersonal zum Beispiel. Bei denen denke ich mir, dass Klatschen auf dem Balkon noch zuviel gewesen wĂ€re. Bloß gut, dass ich das nie gemacht habe. Überhaupt hat sich auch dieser Berufsstand in Teilen nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Anfangs durften wir Durchschnitts-Nichtpflegemenschen uns anhören, dass wir zu blöd seien, die Masken richtig zu tragen. Die dĂŒrfe man ja nicht anfassen usw. Von denen, die zu blöd waren, zu verstehen, dass wir die Masken ja nur tragen sollten, um andere vor uns zu schĂŒtzen. Meine eigenen Viren fasse ich so viel an, wie ich will! Dann kenne ich Pflegepersonal, das Covid-19 immer noch fĂŒr “is’ ja bloß ‘ne Grippe” hĂ€lt. Und Berichte ĂŒber einige, die bei der Arbeit am Patienten die Maske abnehmen. Naja und dann das mit der Impfung. Ich hoffe, diese Verweigerer mĂŒssen sich jetzt ganz weit hinten anstellen. UngefĂ€hr da in der Reihe, wo man dran ist, wenn alle anderen bereits wieder Urlaub gemacht haben, Konzerte besuchten und sich auf Festivals im Dreck suhlen durften. Das wĂ€re die gerechte Strafe dafĂŒr, euren Berufsstand in Verruf zu bringen.

Corona oder Astra

Was ist das ĂŒberhaupt fĂŒr eine Denke? Covid-19 ist ungefĂ€hrlich, weil nur wenige und alte Menschen daran sterben. Aber die Impfung ist gefĂ€hrlich - unter anderem ja auch, weil Menschen daran sterben. Den 70.881 von oben (Quelle: RKI, Stand 03.03.2021) stehen 113 kurz nach der Impfung Verstorbene gegenĂŒber (Quelle: Tagesschau, Stand 11.02.2021). Diese persönliche Einordnung der Zahlen eines jeden Einzelnen sagt schon viel ĂŒber den Menschen aus.

Aber die sind nicht die einzigen, die sich vor WidersprĂŒchen kaum noch halten können. Unsere GesundheitsĂ€mter z.B. arbeiteten die ersten Monate in der Krise noch mit Papier, Excel-Tabellen und Fax. MIT FAX! BegrĂŒndet wird dies ja auch ganz gerne mit Datenschutz. Das Internet ist ja böse, da schickt man lieber unverschlĂŒsselte Faxe, von denen man ĂŒberhaupt nicht weiß, wer da am anderen Ende der Leitung vor dem GerĂ€t steht und die Daten in Empfang nimmt.

Dabei gibt es etwas, in Deutschland entwickelt und seit 2014 fertiggestellt: SORMAS. Wird sogar in Afrika genutzt, das man ja gemeinhin fĂŒr eher rĂŒckstĂ€ndig hĂ€lt, 3. Welt und so. Oder in Nepal, da gibt’s ja nicht nur Schnee und hohe Berge. Aktuell wird SORMAS von 283 GesundheitsĂ€mtern in Deutschland genutzt (Quelle: SORMAS-ÖGD). Fehlen “nur noch” 92, dann sind die im Neuland. Ob die das dann auch nutzen, steht auf einem anderen Blatt … (Spoiler: Manche tun’s nicht.)

Digitalisierung in Deutschland

Und dann schwadronieren die GesundheitsĂ€mter im Rahmen der LockerungsĂŒbungsdebatten in den letzten Tagen doch tatsĂ€chlich davon, dass sie mittlerweile gut in der Lage seien, Kontakte nachzuverfolgen. Ja, KunststĂŒck. Wo haben Sie sich infiziert? Zuhause, auf der Arbeit oder im Lebensmitteleinzelhandel?

Und von der Digitalisierung in den Schulen fangen wir lieber gar nicht erst an. Nach einem Jahr als bahnbrechendes Konzept immer noch “lĂŒften” vorzuweisen, ist fĂŒr den Bildungsbereich … nun ja.

DafĂŒr liest man ĂŒberall, dass die Kinder so sehr unter den Schulschließungen leiden wĂŒrden. Was fĂŒr ein Bullshit. Die leiden bestenfalls darunter, dass sie sich mit ihren Freunden nicht wie gewohnt treffen können. Aber selbst wenn nicht, wenn nach zwei Monaten Schulschließung drei von 10 Kindern eine Therapie brauchen, sollten wir vielleicht mal das Konzept “Sommerferien ĂŒberdenken.

Übrigens war Ende 2019 schon jedes vierte Schulkind psychisch auffĂ€llig, so ganz ohne Pandemie.

KinderĂ€rzte klagen ĂŒber EinnahmeausfĂ€lle – und fordern: Schulen umgehend weit öffnen

Hier mal was fĂŒr echte Bildung:

Weniger als eine Dose Cola, etwa so viel wie ein knapp eingeschenktes Glas Rotwein - das ist das geschÀtzte Volumen aller Sars-CoV-2-Viren, die aktuell auf dem Planeten Menschen befallen. Das hat der Mathematiker Christian Yates von der University of Bath ausgerechnet.

Woanders habe ich gelesen, dass alle SARS-CoV-2 Viren der Welt aktuell zusammen nur zwei Gramm wiegen. Die Quelle weiß ich aber nicht mehr.

Aber das Konzept “Kleine Wirkung - große Ursache” ist ja auch nicht neu.

Es gibt natĂŒrlich auch echte Krisenopfer. KopflĂ€use zum Beispiel. Denen ist nĂ€mlich wegen der Abstandsregeln buchstĂ€blich der Weg abgeschnitten. Laut AOK wurden im Jahr 2020 bis September 30 % weniger AntilĂ€usemittel verschrieben als im Vorjahreszeitraum. Heute ist Tag des Artensterbens, fĂ€llt mir da gerade ein.

Aktuell diskutieren die Herrschaften wieder. Also die Politiker, nicht die LĂ€use. Dann werden sie etwas beschließen. Anschließend tritt jeder MinisterprĂ€sident vor sein Volk. Und dann wird jeder MinisterprĂ€sident die Dinger, die er zuvor noch selbst mitbeschlossen hat, wieder ĂŒber den Haufen werfen.

Öffnungsstrategien

Naja. Das sind meine eher unsortierten Gedanken zum Jahrestag. Es gibt und gab so viel zu schreiben und so wenig Motivation. Eine Reihe kurioser Schlagzeilen habe ich noch gesammelt, werde die aber gesondert veröffentlichen. So viel Humor passt gerade nicht zu meiner Simmung.

PlÀne sind die beste Methode, Gott zum Lachen zu bringen.

Kaum etwas passt so gut in diese Zeit, wie dieser Spruch. Schon fĂŒr letztes Jahr war viel geplant, das nicht stattgefunden hat. Eine runde Geburtstagsfeier, ein ausgiebiger Sommerurlaub, ein Die-Ärzte-Konzert, eine Seereise entlang der norwegischen KĂŒste und viel kleine Dinge, die man geplant, gebucht, bezahlt oder auch nur gedacht und gewĂŒnscht hatte. Auch das Leben am Meer habe ich mir nicht so vorgestellt …

Mensch Àrgere dich nicht

Mensch Àrgere dich nicht - Lockdown-Edition

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