Shopping mit dem Nikolaus

Meine diesjährigen Nikolausvorbereitungen am 5. Dezember bestanden darin, die Kreditkarte des Lebensabschnittsgefährten auf Hochglanz zu polieren. Als Mitarbeiter des Möbelhauses bekam ich an diesem Tag 20 % Rabatt in einem namhaften Bekleidungshaus und da „Jeans Kaufen“ immer noch ganz oben auf meiner Lifetime-To-do-Liste stand, wollten wir hier einen neuerlichen Versuch wagen.

Bereits zu Wochenbeginn waren wir in der Jeans-Mission in der Darmstädter Innenstadt und in meiner Verzweiflung versuchte ich sogar in der Herrenabteilung mein Glück. Dort gibt es den Klassiker Levi’s 501, an den ich mich noch einmal heranwagte. Während meine Hüften sich in den vergangenen 15 Jahren leicht ausbreiteten, hat die Jeans-Industrie beschlossen, die Größen stetig kleiner ausfallen zu lassen. So war ich einigermaßen entsetzt, als der Verkäufer nach einem fachmännischen Blick auf mein Fahrgestell verkündete, ich bräuchte die Weite 30. Meine letzten 501 Anfang des Jahrtausends hatten Weite 27!

Mir wurde übel, aber da die Optionen übersichtlich waren, ergab ich mich meinem Schicksal und zwängte mich in das äußerst enge Modell W30/L34. Die saß eng, aber nicht schlecht. Blöderweise gefiel mir die Farbe nicht. Ich hätte gerne ein helles Blau gehabt, so hell wie möglich. Diesen Herbst trägt man aber ausschließliche in mittleres Allerweltsblau. Es gab noch ein Modell etwas heller als die von mir anprobierte, aber die war natürlich nicht in meiner Größe vorrätig.

Ich war jedoch nicht bereit, für zweite Wahl 90 Euro auszugeben, und so versprach der Verkäufer, sich um Nachschub in der gewünschten Farbe zu kümmern und mich anzurufen, wenn er erfolgreich war. Leider erfolgte dieser Anruf nicht, weswegen wir gezwungen waren, der Mission „Jeans kaufen“ auf der To-do-Liste wieder höchste Priorität zu verleihen und ihr erneut das Frust-Attribut zuzuweisen.

Natürlich war ich auch durch die Damenabteilungen gegangen. Aber hat sich mal jemand die aktuelle Jeansmoden in den angesagten Geschäften angeschaut? Während die Beine so schmal geschnitten sind, dass man sie selbst dem Lehrskelett im Bio-Saal nur mit Mühe über die Knochen gezogen bekommt, braucht man für das Gesäßteil ein gebährfreudiges Becken, durch das bequem Zwillinge gequetscht werden können. Gleichzeitig. Mit ist es ein Rätsel, was für abstruse Vorstellungen die Designer dieser Klamotten von einem Frauenkörper haben. Und entsprechend schlecht gekleidet rennt das Jungvolk durch die Welt. Ich habe eine solche Hose hier im Schrank liegen, die ich ein paar Mal aus lauter Verzweiflung getragen habe, da ich ja schlecht nackt rumlaufen kann. Aber zum einen ist das Teil extrem unbequem und zum anderen sieht es beschissen aus, wenn die Körpermassen zu Pommespiekern mit Bratarsch geformt werden.

Am Vorabend des 6. Dezember fuhr ich also mit meinem persönlichen Nikolaus aka Lebensabschnittsgefährte zum namhaften Bekleidungshaus. Vielleicht gab es dort die Levi’s 501 ja in der helleren Farbvariante und mit dem Rabatt war der Preis auch erträglicher. Aber zunächst inspizierten wir auch hier die Frauenabteilung mit dem gleichen, frustrierenden Ergebnis wie in der Innenstadt: die aktuelle Mode und meine Figuren waren noch nie so inkompatibel.

Aber als wir bereits auf dem Weg waren, bekleidungsmäßig das Geschlecht zu wechseln, kamen wir an einem Tisch vorbei, auf dem ein paar Hosen auslagen, die meine Neugier weckten. Zunächst kam wieder Frust auf: Länge 30 und Länge 32. Das ist auch ein Umstand, der sich quer durch meine Shoppingerlebnisse zieht. Beinlänge 34 ist kaum zu bekommen. Aber dann erspähte ich auf einem zweiten, niedrigeren Tisch einen weiteren Stapel der gleichen Jeans und konnte mein Glück kaum fassen: Beinlänge 34! Der Schnitt sah gut aus und der Stoff war fest. Die meisten Frauen-Jeans haben diesen Namen ja gar nicht verdient, weil es sich nur um dünne Lappen handelt, die mit Denim wenig zu tun haben.

Ich probierte mein Fundstück an und konnte es kaum fassen! Reinschlüpfen, sitzt! Ich präsentierte mich stolz meinem Lebensabschnittsgefährten, der auch angetan vom ihm gebotenen Anblick war. Die Verkäuferin schleppte zwar noch zwei Alternativen heran, aber diese wiesen das altbekannte Problem auf: Bei der einen war die Farbe einigermaßen ok, aber der Stoff zu dünn, bei der anderen der Stoff ok, aber die Farbe bäh. Die Schnitte habe ich mir gar nicht angesehen, da zu dem Zeitpunkt für mich bereits feststand: die oder keine! Und mein persönlicher Nikolaus spendierte mir DIE.

jeans

Hiermit wird offiziell verkündet, dass Frau dark* nach über 10 Jahren erstmals wieder eine blaue Jeans gekauft hat! Das ist so sensationell, dass Das Erste in Erwägung zog, einen Brennpunkt zum Thema zu senden, was aber aufgrund des Ablebens von Nelson Mandela doch wieder gecancelt wurde. ;-)

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