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Weihnachtszeit - Horrorzeit

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Der Beitrag f├Ąngt an wie andere Weihnachtsbeitr├Ąge von mir auch, harmlos und ganz okay. Und bis gestern war es das irgendwie auch. Aber dann …

Anfang Dezember war es soweit, die Vorweihnachtszeit wurde eingel├Ąutet. Den Anfang machte mein K├╝chenkalender.

Kalenderblatt

Am ersten Dezember-Wochenende haben wir auch ein wenig geschm├╝ckt.

Da wir auch in diesem Jahr wieder geplant hatten, die Weihnachtstage selbst irgendwo in Norwegen zu verbringen, wollten wir den gro├čen Tannenbaum nicht aufstellen. Zur Deko stellten wir aber mein kleines, ├╝ber 20 Jahre altes 60-cm-Weihnachtselend auf, geschm├╝ckt mit den selbstbemalten Kugeln. Die Entstehung der R2D2-Kugeln habe ich in diesem Blogbeitrag aufgeschrieben.

Selbstverst├Ąndlich backten wir auch eine Menge Pl├Ątzchen, wir machten leicht deformierte Zimtsterne, Schwarz-Wei├č-Geb├Ąck, Vanillekr├╝pperl, Marzipankartoffeln, von denen die meisten gar nicht bis zum Sch├Ąlchen ├╝berlebt haben, Rumkugeln, Spekulatius und Schmalzpl├Ątzchen nat├╝rlich.

In der Woche vor Weihnachten stellte sich dann heraus, was wir zuvor schon bef├╝rchtet hatten: Die Werkstatt kann die Probleme, die unser Auto hat, nicht beheben. Am Donnerstag kam dann die endg├╝ltige Absage und es war klar, dass wir ├╝ber Weihnachten in Rostock sein w├╝rde.

Am Freitag und am Samstag backte ich dann nochmal Pl├Ątzchen und versuchte, mich mit der Situation abzufinden, was mir eigentlich auch ganz gut gelang. Und f├╝r das Fr├╝hst├╝ck an den Weihnachtstagen machten wir uns am 23. Dezember sogar noch einen leckeren Hefezopf.

Hefezopf

Der Heiligabend war eigentlich ein Tag wie jeder andere auch, nur mit Pl├Ątzchen und Schweinebraten.

Pl├Ątzchenteller

“It’s dangerous to go alone! Take this.”, schrieb ich dazu im Sozialen Netzwerk. Allerdings war dies kein Zelda-Tag, sondern wir spielten, wie es eine zeitlang Tradition bei uns war, eine Runde Worms am heiligen Abend, wof├╝r ich mich nach drei Jahren mal wieder bei Steam angemeldet habe.

Worms

So weit, so gut, ein ganz normales Weihnachtsfest bisher. Aber gestern Nachmittag kippte dann die Stimmung und irgendwann war sie auf dem Tiefpunkt.

Fr├╝her habe ich Weihnachten gehasst. Als meine Tochter auf der Welt war, war es auch immer stressig: Familie hier, Familie dort, jeder hat Anspr├╝che und jeder ist beleidigt, wenn die nicht erf├╝llt werden. Typisches Weihnachtsged├Âns halt, zum Kotzen. Dann die Trennung vom Kindsvater, die schonmal etwas Stress rausnahm, und sp├Ąter auch von meiner Familie. Endlich konnte ich meine Zeit ├╝ber Weihnachten einteilen, wie ich wollte, ohne auf irgendjemanden R├╝cksicht nehmen zu m├╝ssen. Weihnachten wurde sch├Ân. Meine Tochter und ich machten uns ruhige Tage, luden Leute ein, gingen zu anderen zu Besuch usw. Ich fand’s sch├Ân. Dann trat der Herr Lebensabschnittsgef├Ąhrte in mein Leben und brachte eine Familie mit. Dann gr├╝ndete meine Tochter eine eigene Familie. Und pl├Âtzlich waren sie wieder da, die Anspr├╝che und das Weihnachtsged├Âns. Meine Tochter mochte unsere Weihnachten anscheinend nicht so sehr oder vermisste irgendwas, denn sie fing auch mit dem schei├č Weihnachtsstress an, tagelang die Wohnung zu putzen und zu schm├╝cken und drei Tage lang irgendeinen Schei├čdreck f├╝r etliche Leute zu kochen, die dann alle an einem Tisch zu Besuch kommen sollten. Auch noch unter erschwerten Bedingungen, weil die Protagonisten mehrere Hundert Kilometer voneinander entfernt wohnen. Meine Lust, die Weihnachtstage auf bundesdeutschen Autobahnen zu verbringen, um nur ja jeden zufrieden zu stellen, h├Ąlt sich in engen Grenzen.

Deswegen finde ich Weihnachten mittlerweile wieder ziemlich Schei├če und will jedes Jahr wegfahren, um mir all das nicht antun zu m├╝ssen. Auch wenn es jetzt gar nicht mehr so stressig w├Ąre, denn der Kontakt zu meiner Tochter ist schon lange abgebrochen. Und seit Ausbruch der Pandemie sind wir auch nicht zu Weihnachten zur Familie des Herrn Lebensabschnittsgef├Ąhrten gefahren. Auch jetzt nicht, wo doch alle das Virus krampfhaft als “nicht mehr so gef├Ąhrlich” deklarieren. Unter den Folgen des “Nicht mehr so gef├Ąhrlich”-Virus leide ich seit Juni 2022, ich habe aktuell bereits zwei Lungenkrankheiten, ich brauche keine zus├Ątzlichen Viren oder sonstige Erreger. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

Da das Auto Weihnachten in der Werkstatt feiern muss, fiel Wegfahren dieses Jahr auch flach.

Ein Weihnachten wie fr├╝her, das ich stets mit Leuten verbracht habe, mit denen ich die Zeit auch verbringen will, f├Ąllt schon lange flach, denn es gibt - vom Herrn Lebensabschnittsgef├Ąhrten abgesehen - in meiner Umgebung keine Leute mehr, mit denen ich Weihnachten verbringen will. Und das ist vielleicht eines meiner gr├Â├čten Probleme. Als ich aus NRW wegzog, habe ich schon einige Leute hinter mir gelassen, was sich durch die Distanz auch zwangsl├Ąufig so ergibt, der Rest ist eingeschlafen. In Darmstadt haben sich kaum Kontakte ergeben und hier in Rostock kenne ich ├╝berhaupt niemanden. Was ich aber auch gar nicht so sehr beklage, denn ich habe eigentlich gar keine Lust bzw. kein Interesse mehr daran, mich n├Ąher auf Menschen einzulassen.

Und so sitze ich hier mit dem Herrn Lebensabschnittsgef├Ąhrten. Klar, wir machten uns etwas Leckeres zu essen, wir haben Pl├Ątzchen gebacken und sogar die Wohnung ein wenig geschm├╝ckt. Aber mit am Tisch sitzt halt immer diese Leere und die Ideenlosigkeit, wenn es darum geht, die Leere mit irgendetwas aufzuf├╝llen.

Deswegen wird’s jetzt am Ende des Beitrags sogar noch ein wenig christlich:

Thank God, it’s over.

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