Teenie zu Pferd

Seit knapp einer Woche nenne ich ein Expemplar dieser Spezies mein eigen, bisher ohne nennenswerte Probleme. Aber ich harre der Dinge, die da noch kommen werden. Gerüchten, eigenen Erfahrungen und Berichten anderer Teenager-Halter zufolge, sind selbige bisweilen ungenießbar, unausstehlich, unansprechbar, unberechenbar, unbelehrbar, unerziehbar, oft ungepflegt, manchmal sogar unauffindbar. Es gibt bestimmt noch mehr UNs, die auf Teenager passen würden. Und vermutlich werde ich sie alle noch herausfinden in den nächsten sechs Jahren.

Um diesen neuen Status quo meines Teenagers gebührend zu feiern, habe ich ihm nicht nur eine ganz persönliche und extrem leckere Torte gezaubert, sondern auch noch reichlich beschenkt. Das Highlight hierbei: Reitunterricht! Seit Jahren quasselt mich diese Laberbacke nun schon voll, dass sie reiten lernen möchte. Aber wie es im Leben oft so ist, gab es genug Widrigkeiten, die davon abhielten. Nun aber ist es endlich so weit, und am Freitag war die erste Reitstunde.

Den Stall ließ ich mir von einer Bekannten, deren Tochter dort ebenfalls das Reiten gelernt hat, empfehlen und habe ihn im Vorfeld bereits unter die Lupe genommen. Ein Freizeitstall, in dem es nicht gar so hochnäsig zugeht und der Spaß mit und auf dem Tier im Vordergrund steht, erschien mir als geeignet. Außerdem ist der Preis gerade noch bezahlbar und das Outfit des Reiters steht nicht im Vordergrund. Eine Kopfbedeckung ist selbstverständlich Pflicht, aber für den Anfang reichen auch Jeans und fest Schuhe, man muss nicht gleich eine komplette Ausrüstung kaufen. Schließlich weiß ich nicht, ob Schatzi noch Spaß an der Sache hat, wenn sie erstmal runter gefallen ist.

Ich liebe die Atmosphäre in einem Pferdestall, den Geruch und die neugierige und freundliche Art dieser so großen und kräftigen, aber dennoch sanftmütigen Tiere. Stundenlang könnte ich mich dort aufhalten, was ich Freitag auch zwangsläufig tun musste, da wir nicht nur viel zu früh dort waren, darüber hinaus wurde auch noch der Unterricht um eine Stunde verlegt, da bedingt durch die Ferien sowieso einige Reiter fehlten und ein paar weitere nicht erschienen ohne abzusagen.

Nach einer Stunde Wartezeit bekam meine Tochter immerhin schonmal Gelegenheit, zusammen mit einem anderen Mädchen zwei Pferde von der Weide zu holen, in den Stall zu bringen und zu putzen. Einer der wenigen Momente, in denen sogar mir warm ums Herz wird. Auch ich hatte als Kind Reitunterricht und im Alter von 14 Jahre sogar ein paar Monate das Glück, einen Haflinger mein eigen zu nennen (dann kam ich ins Internat und er zum Abdecker…). Seither habe ich allerdings nur noch ein einziges Mal auf einem Pferd gesessen und bezweifle daher stark, diese hohe Kunst noch zu beherrschen.

Wie funktioniert ein Pferd? Ein Mädchen half meiner Tochter beim Aufsteigen und Einstellen der Steigbügel, und dann durfte sie schon im Schritt rumreiten. Das Pferd, Pascha mit Namen, welches ihr zugewiesen wurde, ist schon recht alt und sehr gemütlich; es bleibt lieber stehen statt einen Schritt zu viel oder zu schnell zu gehen. So dauerte es nicht einmal eine Minute, bis Pascha dann auch stehen blieb und sich nicht mehr vom Fleck rührte. Tja, was nun? Verzweifelte Blicke zur Mutter und alles Einreden auf Pascha halfen nichts.

Erlösung brachte die Reitlehrerin, die in diesem Augenblick erschien und die Stunde begann, die – wie alle Anfängerstunden – natürlich langweilig für den Betrachter verlief. Schatzi ritt direkt in der Abteilung mit (nicht, wie anderswo üblich, an der Longe) und machte ihre Sache ganz gut, sogar das Traben.

Anschließend war sie ganz hin und weg, restlos begeistert und fiebert nun dem nächsten Freitag entgegen. Offensichtlich hat das Geschenk genau den richtigen Nerv getroffen. Jetzt habe ich nicht nur einen Teenager, sondern auch noch eine Pferde-Zicke. Aber eben auch etwas, worauf ich mich freuen kann: Freitage mit Stallduft.