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Mir ist meine Haut zu groß geworden

 ·  ☕ 5 Minuten zum Lesen  ·  ✍️ dark*

Vorgestern war ich zum ersten Mal nach zwei Wochen mal wieder unter der Dusche. Meine Arme und Schultern zu waschen, fühlte sich extrem merkwürdig an. Nur noch Haut und Knochen, kaum Muskeln, ein paar Sehnen noch, das war’s. Was ist passiert? Es gab hier eine Störung im Betriebsablauf inkl. ein paar Tagen Krankenhaus, einer Operation, wenig Essen und wenig Bewegung. Ein kurzer Abriss.

Am letzten Donnerstag im Februar ging es los. Der Plan sah vor, dass ich morgens unter die Dusche hüpfe und wir dann in den Park gehen. Aber irgendwie war mir nicht so. Ich fühlte mich die Tage zuvor schon etwas unwohl. Mein Morgenritual aus Kaffee und Joghurt, damit meine Verdauung einigermaßen funktioniert, fand noch statt. Unwohlsein inklusive. Dann hatte ich kurz Durchfall, mir wurde schlapp und schwindelig und speiübel und ich legte mich ins Bett, vorsorglich mit einem Eimer ausgestattet. Den würde ich auch brauchen. Oberbauchschmerzen, Magenschmerzen und Endzeitstimmung aus der Hölle. Im Laufe des Tages übergab ich mich mehrfach, erbrach Unmengen von Magensaft. Danach ging es mir kurzfristig besser, ich konnte mich einigermaßen erholt hinlegen, dann begann es von Neuem. Im Sitzen schmerzte der Oberbauch unaushaltbar, das Liegen machte der Reflux zur Hölle. Teilweise war der ganze Körper schweißnass, die Temperatur betrug 35,8 °C.

Auf diese Weise verbrachte ich den kompletten Donnerstag und den überwiegenden Teil des Freitags. Ich kann mich nur noch schemenhaft erinnern, hatte die ganze Zeit im Kopf, doch etwas trinken zu müssen, aber es blieb ja nichts drin. Und ich hatte das unbestimmte Gefühl, dass mein Magen nicht das Problem ist. Und dass ich eigentlich dringend einen Arzt bräuchte. Aber für die Hausarztpraxis war ich viel zu krank und zu schwach und einen RTW wegen Bauchschmerzen rufen, klang absurd. Ich war ein bisschen verzweifelt und wusste nicht, was ich tun sollte.

Freitagabend wurde es ein kleines bisschen besser. Erstmals konnte ich zwei Schlucke Wasser trinken ohne anschließend druch die Hölle zu gehen. Ich hatte die Hoffnung, mich am Wochenende zumindest so weit zu erholen, dass ich Montag zum Arzt gehen könnte. Insgeheim wusste ich ja schon lange, dass meine Eingeweide mal einer professionellen Begutachtung bedurften. Über das Wochenende vegetierte ich mit Wasser im Bett vor mich hin. Ich litt zwar noch fürchterlich, musste mich aber wenigstens nicht mehr übergeben. An Aufstehen war allerdings auch nicht zu denken. Ich wollte auch nicht in die Notaufnahme oder zum ärztlichen Notdienst, weil es mir zu schlecht ging, um mich überhaupt anzuziehen und zum Auto zu laufen.

Der Montagmorgen war da, es musste etwas passieren. In die Arztpraxis schaffte ich es aber immer noch nicht. Ich rief dann die 112 an. Dort sah man sich aber für mich nicht zuständig. Allerdings erfuhr ich dort, dass der Kassenärztliche Notdienst (Telephon 116117) auch Hausbesuche macht, was ich nicht wusste. Außerdem meinte der Typ am Telephon, ich soll doch mal in der Hausarztpraxis nachfragen, ob die auch Hausbesuche machen. Mir war nicht klar, dass es überhaupt noch Ärzte gibt, die Hausbesuche machen.

Der Herr Lebensabschnittsgefährte rief in der Hausarztpraxis an. Die Mitarbeiterin notierte sich alles und sagte, die Ärztin würde sich melden. Morgens ist da offene Sprechstunde, da lässt Frau Doktor natürlich nicht alles fallen, um mir zur Hilfe zu eilen. Gegen 11:30 Uhr rief sie dann zurück und ließ sich mein Leid schildern. Schon am Telephon seufzte Sie: “Frau dark*, Sie müssen doch ins Krankenhaus”, dann kam sie vorbei.

Sie hatte gleich den Verdacht auf Darmverschluss und schrieb eine Einweisung in die Klinik. Außerdem rief sie einen RTW, der mich dorthin bringen sollte. Die waren gerade alle unterwegs und wir mussten noch ein bisschen warten. Das System war gerade etwas überlastet. Allzu lange dauerte es aber nicht. Der Rettungssanitäter war zwar nicht wirklich überzeugt, dass ich ein Notfall sei, nahm mich aber dennoch mit.

Noch am Montagabend wurde ich operiert, der Verdacht auf den Darmverschluss wurde durch Ultraschall und CT bestätigt. Ich blieb bis Samstag in der Klinik und bin seither wieder zuhause. Ich hatte eine Woche lang gar nichts gegessen, der Kostaufbau erfolgte mit Brühe und Joghurt. Ich bin acht Tage lang nur für den Gang zur Toilette aus meinem Bett aufgestanden. Ich hatte bis Freitag die PDA mit Lokalanästhetikum und Fentanyl im Rücken. Ich bin durch einige Maschen eines stellenweise sehr grobmaschigen Netzes gefallen. Aber das sind Geschichten, die ich in einzelnen Beiträgen festhalten möchte.

Seit Samstag bin ich nun schon zuhause aber irgendwie immer noch nicht ganz angekommen. Mein Bauch funktioniert noch nicht so, wie er soll, aber es geht aufwärts. Ich bin extrem schwach auf den Beinen, wenn ich zu lange stehe und gehe, werde ich gangunsicher und muss mich erstmal ausruhen. Meine Arme sind so dünn und schwach, einen Liter Milch in die Hand zu nehmen fühlt sich an wie Gewichte stemmen. Der Körper baut so schnell ab und nur so langsam wieder auf. Aber irgendwann werde ich hoffentlich wieder in meine Haut passen.

Darmverschluss kann ich nun auch auf der Liste der lebensbedrohenden Krankheiten eintragen. Langsam wird es anstrengend, dem Tod immer wieder von der Schippe zu springen. Ach ja und es droht bereits neues Ungemach, nächster CT-Termin am 18. März. Das Arschloch ist wieder da bzw. war nie ganz weg und feiert ein Comeback.

Ich habe keinen Bock mehr. Ich werde langsam echt zu alt für diesen Scheiß.


dark*
geschrieben von
dark*
don't expect a bright light