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Tiergeschichten

 ·  ÔśĽ 4 Minuten zum Lesen  ·  ÔťŹ´ŞĆ dark*

Ich will die letzten Tage zusammenfassen, und im gedanklichen R├╝ckblick ergab sich kein besserer Titel als eben dieser.

Der Freitagnachmittag begann wie immer. Wenn wir am Stall ankommen, werden die Schulpferde von der Weide geholt, gef├╝ttert, geputzt und f├╝r die Stunde fertig gemacht. Schon seit Monaten versorgen Schatzi und ich immer dasselbe Tier, eine braune Stute, die uns mittlerweile trotz ihrer Macken und regelm├Ą├čigen Zickigkeit sehr ans Herz gewachsen ist. Nachdem Schatzi sie in die Box gestellt und das Futter gegeben hatte, verhielt sie sich irgendwie merkw├╝rdig. Pl├Âtzlich lief Schleim aus dem Maul und sie h├Ârte auf zu fressen. Schlundverstopfung! Ein Zustand, der f├╝r Pferde nicht nur extrem unangenehm ist, sondern lebensbedrohlich werden kann. Schatzi rief S. herbei, ebenfalls Reitlehrerin und festes Inventar des Stalls, um zu erfragen, was nun zu tun sei. Die Stute wurde in die Reithalle gebracht, wo sie im Schritt herumgef├╝hrt und gleichzeitig der Schlund massiert wurde. Als die Stallbesitzerin auftauchte, wurde dem Tier au├čerdem noch ├ľl ins Maul gespritzt. Ein Hausmittel, das schon vielen Pferden die unangenehme Prozedur der Sp├╝lung durch den Tierarzt erspart hat.

Als die Reitstunde begann, musste S. nach Hause fahren und so ├╝bernahm ich das Pferd und versorgte und beruhigte es weiter so gut es eben ging. Ich f├╝hrte sie auf dem Hof herum, streichelte sie, redete ruhig auf sie ein und kraulte ihr den Nacken, wenn sie sich nach vorne beugte um den Schleim aus N├╝stern und Maul ablaufen zu lassen. Aber es n├╝tzte alles nichts, nach einer halben Stunde ging ich mit ihr zur Halle zur├╝ck, um der Stallbesitzerin, die dort die Reitstunde gab, zu sagen, dass es dem Tier noch schlechter gehe und es mittlerweile ziemlich ersch├Âpft sei. Ich stellte die Stute wieder in die Box und blieb bei ihr, w├Ąhrend die Stallbesitzerin den Tierarzt anrief. Das Tier legte sich ins Stroh und sah einfach erb├Ąrmlich aus. Ich setzte mich daneben und versuchte weiterhin durch Nackenkraulen und beruhigendes Reden dem Tier das Gef├╝hl zu geben, nicht alleine gelassen zu werden. Als die Stute ihren schweren Kopf auf meinen Scho├č legte, wurde mir ganz flau im Magen.

Endlich war der Tierarzt da! Warmes Wasser und Handt├╝cher lagen schon wie angeordnet bereit. Die Stute bekam eine Spritze und die Nasenbremse angelegt. Dann wurde ihr ein Schlauch durch eine N├╝ster in den Schlund eingef├╝hrt um selbigen zu sp├╝len. Da die gefressenen Pellets mittlerweile aufgequollen waren, entwickelte sich das schwieriger als zun├Ąchst gehofft. Aber nach etwa 30 Minuten war der Schlund frei. Ich war erleichtert, h├Ątte den Hof nicht eher verlassen, bevor nicht sicher gewesen w├Ąre, dass es dem Tier wieder gut geht. Zwar sah es mit seinem Nasenbluten, das von verletzten Adern durch das Einf├╝hren des Schlauches entsteht, ziemlich bemitleidenswert aus, aber es ging ihm wieder gut genug, um den Futtertrog auf Inhalt zu untersuchen und jeden anzubetteln, der an der Box vorbei ging. Schlie├člich hatte es fast nichts gefressen.

Nun musste noch die Box ausgemistet und das Stroh durch S├Ągesp├Ąne ersetzt werden. Schlie├člich darf ein Pferd unmittelbar nach einer Schlundverstopfung nichts fressen. Da das dumme Tier jedoch nichts Besseres zu tun hatte, als sich gierig auf die S├Ągesp├Ąne zu st├╝rzen um diese - ein wenig verwundert ob des seltsamen Geschmacks - zu verschlingen, musste es die Nacht mit einem Maulkorb verbringen.

Nach diesem anstrengenden Nachmittag sa├čen Schatzi und ich in meinem Zimmer am Computer und spielten im Internet, als das Telephon klingelte: J., meine beste weil einzige Freundin. Sie habe sich den Finger gebrochen, erkl├Ąrte sie mir, und br├Ąuchte daher jemanden, der sie zum Arzt und anschlie├čend zum Hundeverein fahre. Wie das denn passiert sei, wollte ich wissen. Nachdem sie mir berichtet hatte, lag ich erstmal lachend auf dem Boden.

In einer ├ťbungsstunde mit Hera, dem Hund, der meinen treuen Lesern von unserem Helgoland-Urlaub bekannt ist, hatte diese einen kleinen Wutanfall, weil J. ihr den Ball wegnehmen wollte. Binnen h├Âchstens einer Sekunde ereignete sich das Folgende: J. entri├č Hera den Ball, diese schnappte w├╝tend nach J.s Hand, woraufhin J. reflexgesteuert ausholte um Hera eins auf die Schnauze zu geben. Blitzschnell zog Hera den Kopf weg und J. traf den Ringfinger ihrer linken Hand. Dieser ist nun gebrochen.

Jetzt braucht J. einen Chauffeur, der sie regelm├Ą├čig zum Arzt und zum Hundeplatz, wo K. die Ausbildung von J.s Zweithund Aggi ├╝bernimmt, f├Ąhrt. Im Gegenzug hat sie mir f├╝r die Dauer ihrer Arbeitsunf├Ąhigkeit ihr Auto ├╝berlassen. Schatzi, hauptberuflich verw├Âhntes Einzelkind, erkl├Ąrte mir sogleich am Freitagabend, dass ich sie ja nun jeden Tag zur Schule fahren k├Ânnte. Ihr Wille geschehe - zur Verwunderung des Katers, der ├Ąu├čerst nerv├Âs wurde, als ich gestern Morgen meine Jacke anzog und das Haus verlie├č, bevor er Fr├╝hst├╝ck hatte. Das war noch nie da.

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