Studiengebühren

Ich will hier nicht über Sinn oder Unsinn der Entscheidung debattieren. Auch nicht über soziale Ungerechtigkeit, schließlich hat die PISA-Studie erst kürzlich wieder offengelegt, dass die sozial Schwachen eh ungebildet sind und daher gar nicht erst vor dem Problem der Gebührenzahlung stehen werden. Aber ich schaue nunmal gerne den Politikern und Entscheidungsträgern in diesem Land auf den Mund. Und der Dreck, den ich dabei oftmals zu sehen bekomme, widert mich an.

SPD-Länder setzen auf gebührenfreies Studium titelt die Financial Times Deutschland. Das war auch gestern mehrfach zu lesen. Einzige Ausnahme macht da wohl der Finanzsenator von Berlin. Wie lange werden sie die Gebührenfreiheit durchziehen? Bis zum ersten Semester nach der nächsten Bundestagswahl – lautet meine Prognose. Volksverarschung als Wahlkampfmittel ist nicht wirklich neu, lief aber zumindest mal subtiler ab.

In der Financial Times wird der bayerische Wissenschaftsminister Thomas Goppel wie folgt zitiert: „Die Betroffenen müssen lediglich jeden Monat für hundert Euro auf etwas verzichten oder zwei Nachhilfestunden geben.“ So meint er seien die Studiengebühren auch für ärmere problemlos zu finanzieren. Zwei Nachhilfestunden für 100 Euro? Ich werde Nachhilfelehrer…

Aber immerhin, man muss ja nur auf etwas verzichten. Mal überlegen … Wenn wir keinen Strom mehr verwenden und den Kater verhungern lassen, könnte ich meiner Tochter die Studiengebühren finanzieren, wenn es soweit ist.

Allerdings habe ich die Rechnung ohne Herrn Claus Zimmermann, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, gemacht. Der meint nämlich (ebenfalls im Financial-Times-Deutschland-Artikel), dass ein Studiengang an einer durchschnittlichen deutschen Universität in fünf Jahren etwa 2500 Euro pro Semester kosten werde.

Wenn ich weiter rechne, wäre das also 2010. Da die Schüler heutzutage ja nicht mehr ganz so viel lernen müssen – worüber sollten wir uns sonst schließlich bei der nächsten PISA-Studie aufregen, und Arbeitslose gibt es ja auch noch nicht genug, also schmeißen wir die Schüler von heute eben noch früher auf den Arbeitsmarkt -, macht meine Tochter, sofern alles nach Plan verläuft, im Jahre 2010 ihr Abitur.

Uff. Ich glaube, ich melde das Kind morgen – ganz standesgemäß – auf der Hauptschule an.

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