Haariges Problem

Meine Haare müssten dringend geschnitten werden. Aber da gibt es ein paar Probleme, die mich davon abhalten.

Ich kann mich immer noch nicht so gut bewegen. Die Muskelschmerzen lassen zwar nach, aber fit ist etwas anderes. Zudem sind beide Arme noch eingeschränkt. Der rechte Arm mag es immer noch nicht besonders gerne, weit nach oben oder nach vorne gestreckt zu werden. Und beim linken Arm schmerzt der Brustmuskel, auf dem der Port liegt, bei jeder Bewegung. Und gleichzeitig zwicken die Fäden, die ja noch drin sind.

Und dann denke ich jedes Mal, wenn ich vor dem Spiegel stehe, dass es sich eh nicht mehr lohnt zu schneiden oder zu färben, die fallen ja eh bald aus. In der Regel fange ich dann an zu heulen. Die Glatze, das Stigma der Krebspatienten. Sie gehört zu den Dingen, mit denen man sich nur schwer abfinden kann.

Neulich fiel mir auf, dass in meiner Wahrnehmung auch stets nur Frauen mit Chemo-Glatze auffallen. Die Chemo-Glatze unterscheidet sich meist ja doch etwas von einer modischen oder politischen Glatze, da mit dem Haupthaar oft auch alle anderen Haare ausfallen, also auch die Augenbrauen und Wimpern. Man wirkt auf eigentümliche weise glatt poliert. Aber trotzdem wird sie bei Männern seltener wahrgenommen, da es genug Kerle gibt, die freiwillig mit einer politischen oder modischen Glatze rumlaufen und dann noch ganz viele, die eher unfreiwillig altersbedingt auf ihre Haarpracht verzichten müssen. Da fällt das eine oder andere Krebs-Stigma wohl nicht so sehr auf.

Die nächste Heul-Orgie setzt ein, wenn mein Blick auf das Perücken-Rezept fällt, das hier noch rumliegt und eingelöst werden will. Bisher drücke ich mich ja noch recht erfolgreich davor, den Perücken-Laden aufzusuchen. Wie soll ich mich mit so einem Wischmop bloß anfreunden? Und apropos Mop: Eine kurze Recherche mit Hilfe von bing ergab, dass Meister Proper seinen Ring im linken Ohrläppchen trägt. So do I. Dann steht der neuen Karriere als Putzfee ja nicht mehr viel im Wege.

Ein weiteres haariges Problem ziemlich akuter Natur ist ein wenig fettig. Operationsbedingt habe ich zuletzt am Dienstagmorgen geduscht, was sich mittlerweile optisch und olfaktorisch deutlich bemerkbar macht. Und bevor die Geruchsnerven meines Tigerkatzitatzis selbigem signalisieren, dass Frau Dosenöffner von uns gegangen und künftig als Futterreservoir zu betrachten ist, werde ich zumindest daran heute noch etwas ändern. Haare waschen lohnt sich ja durchaus noch, immerhin kann es noch ein paar Wochen dauern, bis wir Abschied nehmen müssen.

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