Opfer erscheinen nicht!

Die Presse stellt mit beklagendem Unterton fest, dass die Opfer der aktuell verhandelten vermuteten NSU-Mordserie der Verhandlung fernbleiben. Die Presse führt das auf die „Verschleppungstaktik“ der Verteidigung zurück. Ich würde eher sagen, dass es an den Vitalfunktionen der Opfer liegt. Mordopfer sind eher selten vor Gericht anzutreffen.

Was die Angehörigen der Opfer betrifft, die als Nebenkläger auftreten, so kann deren Fernbleiben viele Gründe haben. Die meisten werden wohl irgendwelchen geregelten Tagesgeschäften wie Broterwerb oder Familiensorge nachgehen müssen. Zudem ist ein deutscher Strafprozess eine ziemlich trockene und unspannende Angelegenheit und hat nichts mit dem zu tun, was wir aus dem amerikanischen Fernsehen kennen. Gerne betont wird auch, dass die Erwartungen der Angehörigen der Opfer enttäuscht würden. Nun, diese Erwartungen in Übereinstimmung mit der Realität zu bringen, wäre Aufgabe der Nebenklägervertreter nicht des Gerichts. Nach Lektüre der Tagespresse könnte man meinen, die Nebenkläger hätten erwartet, dass mit Heugabeln und Schaufeln auf die Angeklagten losgegangen wird. Dies sieht die Strafprozessordnung allerdings nicht vor, sei das Verbrechen auch noch so abscheulich.

Und wo die Presse die wahren Opfer sieht, hat Michael Hochschulte sehr trefflich in einem Cartoon festgehalten.

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