down.depressed.lonely

Gestern Morgen unter der Dusche hatte ich endlich die Erkenntnis, lange genug hat es gedauert. Bereits in den Osterferien habe ich mich immer wieder gefragt, woher diese Änderungen kommen. Allerdings habe ich sie allesamt darauf geschoben, dass ich nicht mehr rauche und einen die Bewältigung einer Sucht ja nunmal ändert. Aber mittlerweile ist die erste Euphorie, die alles andere überdeckte, über mein neues Nichtraucher-Dasein verflogen und der Blick auf das, was darunter liegt, wird klarer.

Nicht verflogen sind die Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit, Schlaflosigkeit und ein paar weitere -losigkeiten. Und gestern Morgen unter der Dusche, nachdem das erste Wasser über meinen Schädel lief, stand es dann auf einmal in ganz großen Lettern vor mir: DEPRESSION! Mädel, du steckst mitten in einer Depression. Und mir war schleierhaft, dass ich es nicht schon vorher erkannt hatte.

Auch war ich in den letzten Wochen wieder in einem Suizid-Chat, natürlich nur aus Neugier, wie ich mir einredete. Lange war ich um den Eingang herum geschlichen, bis ich endlich zwei mir (nicht nur vom Hören-Sagen) bekannte Nicks entdeckte und den Chat betrat. Nach Hause kommen – war eines der Gefühle, die ich dort hatte. Vor allem, nachdem nur ein kurzer Dialog nötig war, um mich wieder zu erkennen:

shadow: *dark anguck*
dark: ja, shadow, ich bin’s tatsächlich.

Mehr war nach acht Jahren nicht nötig zur Erkennung. Es folgte seinerseits die Erklärung, dass ich mich zu benehmen hätte, und meinerseits, dass man die Einstellungen mittlerweile dergestalt geändert hat, dass mein Sternchen nicht mehr geht.

Aber trotz des Gefühls, nach Hause zu kommen, ist da auch der Beigeschmack des Anachronismus. Während die anderen, die dort chatten, über die Jahre mehr oder weniger regelmäßig dort waren, habe ich die ganze Zeit gefehlt und irgendwie anders vegetiert. Es ist eigenartig und schwer zu beschreiben. Jedenfalls bin ich zwar nicht regelmäßig dort, aber es ist tröstlich zu wissen, das es da noch Gleichgesinnte gibt.

Gleichgesinnte … hm. Was für ein wunder Punkt, der meine Gedanken auf Reisen schickt in Sphären, die mir nicht sonderlich bekommen. Zwar rede ich mir immer wieder ein, dass ich die Suche aufgegeben hätte, aber dann gibt es immer wieder Situationen, die mir klar vor Augen halten, dass es nicht so ist. Ich bin nur froh, dass diese Situationen relativ selten sind, da ich relativ selten (seit Monaten gar nicht mehr) privat mit Menschen zu tun habe.

4 Kommentare:

  1. öhm, das ist dann jetzt der Punkt, der mein schlechtes Gewissen wachrüttelt und mich tun lässt, was ich schon vor Wochen versprochen, jedoch aufgrund meines eigenen privaten Chaos völlig aus den Augen verloren hatte. Ich wechsel dann jetzt mal das Programm …

    • Oh, nein, bitte kein schlechtes Gewissen haben! Hätte dringender Bedarf bestanden, hätte ich mich schon gemeldet, keine Sorge. :)

      • Neinnein, nicht dass ich mich verantwortlich fühlte für Deinen aktuellen Zustand. DAS NICHT! :o) Nur eben, dass ich vor Wochen etwas versprochen hatte, was ich kurzfristig meinte und dann doch fast langfristig nicht gehalten habe.

  2. Ei, jetzt muss ich sagen, Du erschreckst mich. Aber ich glaube, Dich selbst auch. Deine Selbstdiagnose ist allerdings löblich. Und war auch das erste, was ich nach dem Lesen Deiner ersten Worte hier dachte. Denn mir ist folgendes Synonym für Depression bekannt: „Die Krankheit der -losigkeit“ – und auf den Punkt genau das schreibst Du ja.
    Nun, noch davor hatte ich den Gedanken ‚Hej, wenn das Ablegen der Sucht zu neuer Erkenntnis führt, ist das doch prima. So kommst Du an tiefere Schichten.‘ Und wenn ich an dieser Stelle meinen Gedanken freien Lauf lasse, komme ich zu folgendem: In „meiner Denke“ werden die zuletzt aufgetretenen Symptome zuerst behandelt um dann Schicht für Schicht die tiefer liegenden und älteren aufzuarbeiten. Das scheint Dir gerade zu passieren. Auch wenn Du sicherlich schon weit früher viel geraucht hast. Und dass Du durch etwas ggf. nochmal durch musst, um es aufzuarbeiten, ist ja nicht ganz unlogisch. Also würde ich mal sagen, hab keine Angst vor dem, was wie ein Rückschritt aussieht! Es könnte auch sein, dass das nur ein nochmal anschauen vor dem endgültigen Ende des Themas sein könnte. Schließlich hast Du in den letzten acht Jahren ja auch gelebt und Dich (u. U. ;o)) weiterentwickelt. Es muss nicht sein, dass Du in das alte Schema zurückfällst.

    Ansonsten frage ich mich, seit wann Du Dich so fühlst. Es liest sich so akut, aber eigentlich kenne ich Dich fast nicht anders und war zwischenzeitlich äußerst positiv überrascht, als ich den Eindruck hatte, es würde deutlich heller in Deinem dunklen Leben. Ich wundere mich, dass diese Erkenntnis/Diagnose neu für Dich sein sollte. Allerdings habe ich selbst auch nicht früher dran gedacht. Lass uns doch wirklich mal wieder telefonieren. Langsam hab ich auch wieder den Kopf frei. Am besten ists bei mir tagsüber. Nur nicht gerade morgen.

    Und dann wär da noch ein Buchtipp. Allerdings steht auch darin, dass typischerweise die, die es lesen, die Falschen sind. Die, die es lesen sollten, werden es eher nicht tun. Vielleicht ist es bei Dir aber anders. Dann würde mich Deine MEnung dazu interessieren.

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