Abschied

Ich sitze zwischen Kartons und Farbeimern auf der Matraze im Wohnzimmer, der Geruch von Farbe hängt in der Luft, in irgendeinem Karton tickt eine Uhr. Der Rücken und die Hände tun mir weh vom vielen Packen, Tragen, Streichen und Putzen. Morgen noch die letzten Kleinigkeiten einpacken, Behördenkram erledigen und einkaufen gehen; Freitag die Zeit absitzen bis ich den LKW holen kann und dann geht es los.

600 Kilometer durch die Nacht nach hoffentlich gutem Schlaf. 600 Kilometer in der Nacht Zeit den Abschied zu realisieren, sich Gedanken zu machen über das, was war, und das, was kommt – so von mir nicht gewollt. Ich verlasse Berlin. Es gefällt mir hier, ich mag die Stadt und wohne gerne hier. Ein Gefühl, das ich bisher nur in Hamburg hatte, aber auch dort musste ich weg, die Umstände verlangten es so.

Eine reine Kopfentscheidung, was – zugegeben – Seltenheitswert hat, getroffen aus reinem Verantwortungsbewusstsein. Die meisten Entscheidungen habe ich eher nach … tja, nach was eigentlich? Gefühl? Keine Ahnung … jedenfalls sehr spontan und danach getroffen, wozu ich gerade Lust hatte. Bedauert habe ich diese nur selten, bereut gar nichts, außer vielleicht, dass ich ein Kind bekommen habe. Aber das darf ich nicht laut sagen, zu oft schon habe ich mir den Vorwurf anhören müssen, ich sei eine Rabenmutter. Bullshit!

Aber diesmal ist es anders, diesmal ist es ein Schritt zurück. Es fühlt sich an wie aufgeben, verlieren, versagen. Alles Dinge, die ich nicht gut kann, nicht will und nicht verkrafte, Wörter, die in meiner Welt eigentlich nicht vorkommen, nicht vorkommen dürfen. Meinetwegen kann man das jetzt als falschen Stolz, dummen Trotz oder irgendein Defizit bezeichnen, all das ändert nichts an der Tatsache, dass es ein Teil meiner Persönlichkeit ist und ich damit überhaupt nicht zurecht komme. Dabei kann ich mir die ganze Aktion schönreden wie ich will, größere Wohnung, eigenes Zimmer, mehr Ruhe usw., eines bleibt Fakt: Es fühlt sich an wie ein Schritt zurück, und das Innere und das Äußere passen nicht zusammen. Ich kann mich damit nicht abfinden. Und ich habe niemanden, mit dem ich darüber reden kann.

I’m lonelier now than ever been.