Politikverdrossenheit

Eigentlich mag ich über das Thema nicht mehr reden noch nachdenken. Blöderweise zwingen einen die täglichen Schlagzeilen aber dazu, wenn man sich nicht wieder völlig vor der Welt verschließen will.

Was mich an diesem rot-grünen Sauhaufen ankotzt, und zwar täglich mehr, ist die Verlogenheit, die Machtgeilheit und die völlige Inkompetenz in jeder Beziehung. Nicht einmal Partei-Interna können die klären, ohne dass irgendein Depp mediengeil zur nächsten Zeitung hinrennt. Sie verschließen die Augen vor der Wahrheit des täglichen Lebens in diesem Land und rennen blind irgendwelchen eigenen Idealen hinterher, die sie nicht benennen können, über die sie sich nicht einmal einig sind. Nur wenn es darum geht, Buhmänner zu finden, denen sie die Schuld am eigenen Versagen in die Schuhe schieben können, dann sind sie gut.

Und nun auch noch das Hinwegsetzen über unser Grundgesetz, diese Kompetenzüberschreitung des Herrn Bundeskanzlers, der da verkündete, es würde Neuwahlen geben, und sich nicht entblödet, seine Pläne in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Wäre ich Bundespräsident, würde ich den Bundestag schon aus Trotz nicht auflösen. Als einfacher Wähler, der ich ja nunmal bin, fiele mir im Traum nicht ein, diesen Amateurschauspielern mein Kreuzchen zu schenken.

Was ich ihnen wirklich übel nehme, ist, dass sie mir meinen Patriotismus nehmen, dass ich mehr und mehr aufhöre mein Land zu mögen, dass ich vor einigen Monaten (es war noch irgendwann in Berlin) zum ersten Mal in meinem Leben mich ernsthaft mit dem Gedanken befasst habe, diesem meinem Land den Rücken zu kehren. Zuvor war ich stets davon überzeugt, dass ich es nirgendwo so gut hätte wie hier. Heute bin ich mir nicht mehr so sicher, wobei ich nicht einmal genau sagen kann, woran das liegt. Doch macht es mich traurig.

Zwar glaube ich nicht, dass „die anderen“ unbedingt die bessere Politik machen. Offengestanden wäre ich selbst völlig überfordert, teilte man mir die Aufgabe zu, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Dennoch wäre schon geholfen, wenn sich wenigstens die Art änderte, wenn das Gelabere aufhörte und etwas weniger offensichtlich gelogen würde.

Vorsichtshalber werde ich meine Socken bis September nicht mehr wechseln bzw. waschen. Eine davon schicke ich dann per Postpaket durch die Republik, die andere fresse ich selbst. Ich brauche keine Kristallkugel um vorauszusehen, dass mir davon nicht einmal ansatzweise so übel werden wird, wie von dem Anlass dieser Mahlzeit.

5 Kommentare:

  1. Zu dem Entschluss, das Land zu verlassen, sind schon mehr gekommen. Mich überraschte in der Vergangenheit immer, dass es ausgerechnet die „guten“ sind. Solche die nachdachten, die was zu sagen hatten. Ich denke an eine Frisöse, zu der ich gerne ging (ein Novum, weil mich vorm Frisör grauste, egal wie nett er oder sie waren), die mir irgendwann erzählte sie würde weggehen und das auch tat.

    Ich glaube, das sind viel mehr als man das so normalerweise mitbekommt. Erst wenn man selbst darüber nachdenkt rauszugehen, fällt einem das auf, dass hier einer gegangen ist, da eine weg ist.

    Es ist ja nicht nur die Politik, es ist auch die Arbeitswelt, die Behörden und und und.

    • Von dem Entschluss bin ich noch weit entfernt, mit schulpflichtigem Kind wandert man nicht so einfach aus. Ich habe auch keine wirkliche Vorstellung, wo ich überhaupt hin will, ich fand es schon erschreckend genug, überhaupt auf den Gedanken gekommen zu sein.

      Arbeitswelt, Behörden etc. (bzw. die Entwicklung derer) sehe ich als Resultat der Politik, daher habe ich sie nicht extra erwähnt.

      Natürlich sind es die Guten, die gehen (wollen). Der Rest merkt ja nicht, was läuft, oder macht bei dem Scheiß jubelnd mit. Ich bin mir allerdings noch nicht so ganz sicher, welche von beiden Gruppen ich schlimmer finde.

      Was soll’s, ich bleibe jedenfalls vorerst noch, resigniere ein bisschen vor mich hin und hoffe, dass es nicht noch schlimmer wird. (Das ist nicht das erste Mal, dass ich etwas Aussichtsloses tue. ;-)

      • Das kann zur schlechten Angewohnheit werden sich mit aussichtslosen Sachen zu beschäftigen. ;-)

        An dem Gedanken selbst finde ich nichts Erschreckendes. Ganz im Gegenteil. Wie sagten die Bremer Stadtmusikanten so schön „Etwas besseres als den Tod finden wir allemal.“ Wenn man seine Situation nüchtern betrachtet, sieht man allemal Auswege und oft sind ungewöhnliche, die echten Alternativen. Die Zeit vergeht schnell, denkt man grosse Schritte an, schneller als man am Anfang glaubt.

        • Letzteres kann ich nur bestätigen. Auch wenn man vor großen Dingen erst noch denkt, wie viele Monate bis zur Verwirklichung noch bevorstehen, stellt man irgendwann fest, dass die Zeit wie Sand durch die Finger rinnt. Seltsame Sache das mit dem Zeitempfinden.

          Erschreckend fand ich den Auswanderungsgedanken bzw. die Ernsthaftigkeit, die dahinter steckte, weil ich bis dahin ziemlich patriotisch war. Ich liebe mein Land, finde es wunderschön und habe immer gerne hier gelebt. Es kotzt mich an mit ansehen zu müssen, wie es systematisch zugrunde gerichtet wird und empfinde ohnmächtige Wut ob meiner Hilflosigkeit. Als Ratte das sinkende Schiff zu verlassen war noch nie mein Ding, und deswegen erschreckt es mich, weil sie (die Regierung) es geschafft hat, mich zu verändern.

          • Hmm, die Ratten verlassen das sinkende Schiff? „Die“ sind doch froh, wenn sie einen ALGII-Hilfeempfänger loskriegen. Egal wie.

            Aber wesentlich ist doch der persönliche Effekt gerade wenn man Patriot ist (eine Sache mit der ich übrigens nichts anfangen kann). Im Ausland mutierst du für Otto Normalbürger von einem „unnützen Esser“ wieder zu einer geachteten Deutschen. Das ist fürs persönliche Wohlbefinden, ein nicht zu unterschätzendes Gefühl.

            Was das Land zugrunde richten angeht. D. ist reich, das ist vergleichbar dem aus dem geteilten Römischen Reich hervorgegangenen Ostrom, Byzanz. Irgendwann durch und durch korrupt und ein Beamtenstaat erster Güte. Das hielt sich nach der Blüte noch 500 Jahre ehe es endgültig versank. So wird es hier auch laufen, egal ob man sich aufregt oder nicht. Nur der Zeitraum wird kürzer sein, weil die Zeiten schnelllebiger sind.

            Sich über Zeug was hier läuft sich aufzuregen, schadet der eigenen Gesundheit und bremst aus, kenne ich von mir. Augen weg davon und gucken, die eigene kleine Welt in Ordnung bringen, in Ordnung halten, dort vorwärts kommen. Alles andere ist sinnlos, vergeudete Lebenszeit.

            Und woanders ist auch schön. Ich habe mich übrigens im Ausland stets wohler gefühlt, egal wo ich war.

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