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1-Euro-Job

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Im Januar dieses Jahres war Termin fĂŒr meine routinemĂ€ĂŸige 3-Monats-Meldung beim Arbeitsamt, das bekanntlich zwischenzeitlich zur Agentur umgebaut wurde und seither augenscheinlich nur noch mit sich selbst beschĂ€ftigt ist. Ich schaffte es gerade noch, die Sachbearbeiterin zu fragen, wie es sich denn mit den 1-Euro-Jobs verhielte und mich entsprechend vorzumerken. Dann hatte sie keine Zeit mehr fĂŒr mich.

Im April kam dann endlich die Aufforderung der inzwischen mit sich selbst völlig ĂŒberforderten Agentur, mich bei der Stadt Krefeld wegen einer „Arbeitsgelegenheit“ zu melden. Dieser Brief kam wenige Tage vor meiner 3-Monats-Meldung, so hoffte ich, bei der Agentur noch nĂ€heres zu erfahren, bevor ich bei der Stadt vorstellig wurde. Allerdings wurde ich diesmal ganz offensichtlich und deutlich abgewimmelt („Es tut mir leid, dass ich Sie jetzt abwimmeln muss, aber Sie sehen ja selbst, was hier los ist.“), dass es so weit gar nicht kam. Nicht einmal die Frage, ob es sich bei einer Arbeitsgelegenheit tatsĂ€chlich um einen 1-Euro-Job handelt, konnte der junge Mann mir beantworten. Von einer Service-Agentur ist zumindest die Krefelder Außenstelle noch weit entfernt.

Der Termin bei der Stadt verlief entgegen meiner Erwartungen sterbenslangweilig. Was sind 1-Euro-Jobs? Warum gibt es diese? Bin ich dazu verpflichtet? Solche und Ă€hnliche, schon hundertmal durchgekaute Fragen, wurden behandelt. Anschließend bekam jeder Anwesende einen Einzeltermin bei einem Sachbearbeiter der Zentralstelle fĂŒr BeschĂ€ftigungsförderung. Mein Termin war Anfang Mai.

Die fĂŒr mich zustĂ€ndige Sachbearbeiterin in der ZfB ist ausgesprochen nett, freundlich und sympathisch. Das ist zwar nicht entscheidend, macht die ganze Angelegenheit aber erheblich angenehmer und bessert die Laune. Ein polizeiliches FĂŒhrungszeugnis musste ich neben den ĂŒblichen Unterlagen (Zeugnisse, Lebenslauf usw.) vorlegen. Ich fragte nach Teilzeitstellen, da meine Tochter zur Zeit intensive Hausaufgabenbetreuung benötigt. Dies sei kein Problem, man sei bemĂŒht, möglichst individuell auf die Bewerber einzugehen. In Krefeld werden nach wie vor zunĂ€chst die Personen herangezogen, die sich freiwillig melden und auch tatsĂ€chlich bereit sind zu arbeiten. Eine Vorgehensweise, die meines Erachtens auch sehr sinnvoll ist. Nachdem wir alles besprochen hatten, suchte sie im Computer nach fĂŒr mich geeigneten Angeboten. Neben jeglicher BĂŒroarbeit war ich auch an anderen Jobs interessiert. Allerdings konnte ich nicht sagen, was ich machen möchte. Wie in nahezu allen Bereichen des Lebens kann ich stets besser zum Ausdruck bringen, was ich nicht will. Aber auch so kann man filtern. Es blieben ein paar Stellen, die mich durchaus gereizt hĂ€tten.

Eine Musikschule suchte jemanden fĂŒr die Bibliothek der NotenblĂ€tter; eine soziale Einrichtung brauchte Leute, die Obdachlose unterstĂŒtzen und begleiten bei BehördengĂ€ngen und Ă€hnlichem (vermutlich nicht ganz ungefĂ€hrlich); ich hĂ€tte auch FriedhofsgĂ€rtner werden können. Aber dies alles leider in Vollzeit. Im Zoo, wo ich auch sehr gerne gearbeitet hĂ€tte, war bedauerlicherweise keine Stelle mehr frei. Und so blieb nur ein Angebot in Teilzeit im Bereich Verwaltung, fĂŒr das ich mich dann entschied. Ich wies noch darauf hin, dass ich Termine zur Krankengymnastik hĂ€tte, die ich noch wahrnehmen muss und die ich zu beachten bitte.

Letzte Woche rief die Sachbearbeiterin mich an um mir mitzuteilen, dass ich donnerstags ein VorstellungsgesprĂ€ch hĂ€tte. Dort ging ich natĂŒrlich hin, fĂŒhlte mich aber ausgesprochen unwohl. Die beiden Herren, mit denen ich zu tun hatte, wirkten irgendwie seltsam, schmierig und aalglatt zugleich. GlĂŒcklicherweise stellte sich aber heraus, dass ich mit diesen gar nicht zusammenarbeiten sollte, sondern sie nur fĂŒr die Verteilung der 1-Euro-Jobber in verschiedenen Bereichen und Organisationen zustĂ€ndig seien. Die beiden Herren wiederum hatten zwei Stellen zur Auswahl, von denen ich mich fĂŒr eine entscheiden musste. Es handelt sich dabei um eine paritĂ€tische Einrichtung, die mir vom Namen bekannt und den AktivitĂ€ten halbwegs gelĂ€ufig ist sowie eine mir völlig unbekannte Einrichtung. Ich entschied mich fĂŒr erstere und sollte mich dort am Freitag vorstellen. Als ich erwĂ€hnte, dass ich montags drauf den letzten Termin zur Krankengymnasitk hĂ€tte, wirkte man etwas distanziert, man wolle so schnell wie möglich mit der Maßnahme beginnen. Da sich daran aber nichts Ă€ndern ließ, einigte man sich widerwillig darauf, dass ich Dienstag beginnen könnte.

Mittlerweile bin ich zu der Einsicht gekommen, dass sich mit nichts so gut Geld verdienen lĂ€sst, wie mit den Arbeitslosen. Ich kam mir rumgeschubst vor, hin- und hergeschickt von A nach B, scheißegal, Hauptsache das faule Pack ist irgendwie beschĂ€ftigt. Mit solchen Frustgedanken fuhr ich wieder heim und hatte relativ geringe Erwartungen an den nĂ€chsten Tag.

Das FreitagsgesprĂ€ch verlief demnach auch besser als erwartet. Das BĂŒro gefiel mir beim Betreten auf Anhieb und auch der Chef dort machte einen netten, wenn auch nordisch-distanzierten Eindruck. Mit einem guten GefĂŒhl verließ ich ihn nach etwa 30 Minuten, montags sollte ich wieder anrufen. Dem Chef war es ganz Recht, dass ich Montag keine Zeit hatte. Er hĂ€tte den Arbeitsbeginn lieber auf die nĂ€chste Woche verschoben, da man zur Zeit an dringenden Terminarbeiten sitzt und gar keine Zeit hat mich einzuarbeiten. Aber der TrĂ€ger des ganzen, die Organisation, der die beiden Herren angehören, die ich so unsympathisch finde, hat darauf bestanden sofort anzufangen. Ein Begehren, welches nicht einmal die Sachbearbeiterin bei der ZfB nachvollziehen kann.

So kam es, dass ich heute meinen ersten Arbeitstag hatte. Zwei Stunden lang hatte ich nichts Wichtigeres zu tun, als möglichst intelligent aus der WÀsche zu gucken. Danach habe ich einige Kopien angefertigt und bei der Terminarbeit mitgewirkt, indem ich Korrektur gelesen habe.

Es handelt sich um eine paritĂ€tische Einrichtung, die sehr viele Dinge anbietet: Hausaufgabenbetreuung, Mutter-Kind-Kurse, Deutschkurse fĂŒr AuslĂ€nder, verschiedene Gymnastikkurse (Schwangere, Rentner, RĂŒckbildung usw.) Töpfer, Malerei sowie dieverse Ferienprogramme fĂŒr Kinder. In diesem Bereich bin ich in der Verwaltung beschĂ€ftigt, wo die Kursprogramme geschrieben und Anmeldungen entgegen genommen werden. Das BĂŒro ist Anlaufstelle fĂŒr Kursteilnehmer und Kursleiter gleichermaßen. Was genau ich spĂ€ter machen werde, weiß ich zwar noch nicht, aber höchstwahrscheinlich gehört auch die Umgestaltung und Pflege der Webseite dazu.

Die AtmosphĂ€re ist locker und angenehm, die Leute, mit denen ich zu tun habe, scheinen alle ganz nett zu sein. Die Hauswirtschafterin ist Russin, so dass ich sogar die Möglichkeit habe, meine neu erworbenen Sprachkenntnisse auch einmal anzuwenden - sobald ich die Hemmschwelle ĂŒberwunden habe. Meine Arbeitszeit beginnt um 9:00 Uhr. Auf meinem Schreibtisch steht ein Rechner mit Internetanschluss. Was will man mehr?

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