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Urlaub ohne Kaffee

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Seit 2011 leide ich unter einem Reizdarmsyndron. Es passiert bei mir in Sch√ľben, Stress ist oft, aber nicht immer ein Ausl√∂ser. Zwischen den Sch√ľben kann ich alles in mich hineinstopfen, wonach es mich gel√ľstet. Ich habe keinerlei Lebensmittelunvertr√§glichkeit. Und dann geht pl√∂tzlich gar nichts mehr …

Na ja, ganz so pl√∂tzlich passiert das nicht. Meist f√§ngt es an mit schrecklichem V√∂llegef√ľhl und Bauchgrummeln nach manchem Essen oder eben auch nach Kaffee. Es tut nur wenig weh, gerade stark genug, um es zu bemerken, aber noch nicht zu stark, um es nicht zu ignorieren zu k√∂nnen. Und weil ich meist genau das tue, n√§mlich ignorieren, steigern sich die Schmerzen und die Kr√§mpfe, bis sie sich nicht mehr ignorieren lassen.

Das Fatale: Ich habe trotzdem noch Appetit auf alles, was mir nicht gut tut. Und so folgt eine Phase, in der ich etwas esse und anschlie√üend mit Fencheltee, Buscopan, Paracetamol und warmen K√∂rnerkissen meine Eingeweide bes√§nftige. Das funktioniert auch eine Weile, bis die n√§chste Phase folgt: Magenschmerzen. Bisweilen werden sie begleitet von Gallenblasenschmerzen. Und direkt unterhalb vom Magen f√ľhlt es sich an, als w√§re ein Knoten im Darm. Mit diesen Schmerzen setzt mein K√∂rper mich auf Di√§t. Sehr erfolgreich.

Der letzte Schub begann irgendwann Ende August oder Anfang September, genau kann ich es nicht mehr sagen. Jedenfalls war ich auf der Reise Anfang September nach S√ľdhessen schon ziemlich daneben, habe auf Kaffee eher verzichtet und da der Lebensabschnittsgef√§hrte ohnehin im Rahmen der Veranstaltung, an der er teilnehmen musste, versorgt wurde, gab ich mich mit Schonkost zufrieden.

Nach der Reise wurde es dann langsam wieder etwas besser. So sehr, dass ich mich bei der Oktoberreise in tr√ľgerischer Sicherheit w√§hnte und sowohl Reiseapotheke als auch Schonkostvorr√§te auf ein Minimum beschr√§nkte - was ich bitter bereute. Wir waren nur wenige Tage unterwegs, als es so schlimm wurde, dass ich kaum noch etwas essen konnte. Die Reise wurde zur Qual.

Ein Paket Kamillentee kostet in Norwegen fast sechs Euro im Supermarkt, Zwieback gibt es dort gar nicht, jedenfalls habe ich nirgendwo welchen gefunden, also gab’s f√ľr mich Toast und Kakao. Aber immerhin Haferflocken und Kakao. Denn zu den wenigen Dingen, die mein Magen auch dann noch vertr√§gt, wenn er schmerzhaft entz√ľndet ist, geh√∂rt lauwarmer Kakao, Zwieback oder Toast und an etwas besseren Tagen ein d√ľnnes Haferflockens√ľppchen.

Buscopan gibt es in Norwegen nur auf Rezept, aber leider war das in der Gegend, wo wir gerade unterwegs waren, √ľberhaupt nicht zubekommen wegen Lieferschwierigkeiten. Also sparte ich mir den Gang zum Arzt. Funfact am Rande: Die bekommen das aus Deutschland geliefert. Und auch hier bei uns war Buscopan lange Zeit knapp.

Hier zuhause habe ich meine Kakao-und-Toast-Di√§t noch einige Zeit fortgesetzt. Als wir Anfang Dezember erneut in Hessen waren, konnte ich immer noch nicht mehr essen als eben das. Erst seit ungef√§hr einer Woche bin ich wiederhergestellt. Langsam habe ich die Nahrung von der sp√§rlichen Di√§t √ľber Schonkost auf normales Essen gesteigert und mittlerweile kann ich wieder alles in mich reinstopfen, wonach es mich gerade gel√ľstet.

ABER

Ich trinke immer noch keinen Kaffee. Ich habe vorgestern eine Tasse aus meinem Kaffeevollautomaten probiert und sie schmeckte scheusslich. Nach der H√§lfte habe ich sie weggesch√ľttet. Heute habe ich noch einmal Kaffee aus der Espressokanne, die ich im Camper verwende, probiert. Igitt! Auch die habe ich weggesch√ľttet. Also entweder schmecken meine Kaffeebohnen mittlerweile nicht mehr oder ich kann keinen Kaffee mehr trinken.

Kaffee schmeckt mir nicht mehr!

Und so passiert √ľbermorgen etwas, was ich nie f√ľr m√∂glich gehalten h√§tte: Ich fahre ohne Kaffee in den Urlaub! Ohne Kaffee!

Als Ersatz gibt es wahlweise Tee, Kakao, Caro-Kaffee oder Zaubertrank.

Caro-Kaffee mag ich sehr gerne. Vielleicht sollte ich mich da mal nach einer Nicht-Nestlé-Variante umsehen. Und den Zaubertrank, wie ich den löslichen 2in1-Kaffee nenne, den es in Portionsbeuteln von verschiedenen Herstellern gibt, mag ich nicht nur, sondern vertrage ich auch viel besser als richtigen Kaffee.

Tja, also ohne Kaffee in den Urlaub. Das muss ich erst einmal verkraften.

“Ich brauche einen Therapeuten”, sagte ich im Scherz zum Lebensabschnittsgef√§hrten, verlie√ü die K√ľche und ging ins Wohnzimmer zu meinem “Therapeuten”:

Teller mit Weihnachtsplätzchen

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dark*
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dark*
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