Gerade im Nachrichten-Podcast wurde daran erinnert, dass morgen Nikolaus ist - als kleiner Reminder für Eltern, den Stiefel nicht zu vergessen. Und falls sich jemand fragt, ob es solche Rabeneltern gibt, die das eigentlich zelebrieren wollen aber dann das Datum vergessen; hier ist so eine Rabenmutter. Randnotiz: Den Ruf der Rabenmutter habe ich mir hart erarbeitet, aber das ist eine andere Geschichte. Hier ist eine Episode von dieser harten Arbeit.
Die Geschichte ist schon eine Weile her. Meine Tochter war drei Jahre alt und noch nicht im Kindergarten. Daher war ich in diesem für Kinder so wichtigen Terminplan noch nicht drin. Am Morgen rief mich eine Bekannte an, ich nenne sie mal Karla, ob ich Lust hätte, mit ihr ins Möbelhaus zu fahren, sie brauchte irgendetwas für ihre Wohnung. Kind und ich hatten Zeit und Lust, wir fuhren mit.
Im Möbelhaus guckten wir uns um, meine Tochter guckte sich die allgegenwärtige Weihnachtsdeko und anderes Zeug an. Plötzlich hörte ich eine Frauenstimme: “Möchtest du einen kleinen Schokoladen-Nikolaus?” Was ist denn da los? Ich fand es unfassbar, dass jemand einer völlig fremden Dreijährigen ganz unverholen Schokolade anbietet und stapfte sichtlich erbost dorthin.
“Wie kommen Sie dazu, meiner Tochter Schokolade zu geben?!”, fragte ich entsprechend vorwurfsvoll und wütend. Die Frau wurde verlegen und stammelte: “Ja, aber, heute ist doch Nikolaus. Darf das Kind denn keine Schokolade ?” Ich sah, dass es sich um eine Verkäuferin des Geschäfts handelte, und in mir kamen Zweifel an der Richtigkeit meines Tuns auf.
Ich drehte mich um und rief: “Karla, ist heute Nikolaus? Die Frau hier behauptet das.” Die so angesprochene bestätigte dies. “Ach du Scheiße!”, entfuhr es mir, “Ich habe Nikolaus vergessen!” Ich entschuldigte mich mehrfach bei der Verkäuferin. Selbstverständlich hat meine Tochter die Schokolade annehmen dürfen. Ich entschuldigte mich ein weiteres Mal und musste mittlerweile über mich selbst lachen: “Oh mein Gott, ich habe Nikolaus vergessen! Das erhöht mal wieder meinen Rabenmutter-Score!”
Die Verkäuferin wusste nun endgültig nicht mehr, was sie von mir halten sollte. Karla und ich haben uns die ganze Rückfahrt über noch köstlich über diese Szene amüsiert.
Was ich vor dem Kind nicht laut sagte: Es gab natürlich auch ein Nikolaus-Geschenk und Schokolade bei uns zuhause, was ich wegen meiner Vergesslichkeit ja ebenfalls nicht rausgelegt hatte. Und weil mein Kind noch nicht im Kindergarten war, war es über diesen für Kindergartenkinder so wichtigen Termin, an dem sich ein vor die Tür gestellter Stiefel wie von Zauberhand mit Leckereien füllt, noch nicht im Bilde. Meine eigene diesbezügliche pseudo-christliche Erziehung war praktisch nicht vorhanden.
Nikolaus fand bei uns in diesem Jahr einen Tag später statt. Und ich bin mir sicher, dass sich die Tochter am 7. Dezember nicht weniger über Geschenk und Schokolade gefreut hat.