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Ei(n)Leben

 ·  ☕ 2 Minuten zum Lesen  ·  ✍ dark*

In dem Ei, in dem er lebte, fĂŒhlte er sich einigermaßen wohl. Zwar war die Schale, die ihn von der Außenwelt trennte, recht dĂŒnn, aber dennoch stark genug, um nicht allzu viel von der Welt um ihn herum mitzubekommen. NaturgemĂ€ĂŸ drang auch das Licht nur sehr gedĂ€mpft durch die Schale von seinem Ei. Aber auch dies empfand er als sehr angenehm, fĂŒhlte sich in dieser diffusen Beleuchtung beschĂŒtzt und geborgen.

Auf einer Seite der Eierschale befand sich ein winziges Loch. Dadurch drangen die GerĂ€usche der anderen Welt zu ihm herein, die er sich aber im Laufe der Zeit angewöhnt hat zu ignorieren. Außerdem konnte er gelegentliche Blicke in diese Welt werfen. Dies tat er aber nur höchst ungern und ausgesprochen selten. Einerseits blendete ihn das helle Licht und schmerzte in den Augen, andererseits wollte er von dieser Welt gar nichts sehen. Er wandte sich dann voll Abscheu und Ekel ab, blickte zufrieden in sein Ei und war froh, an diesem Außenleben nicht teilnehmen zu mĂŒssen.

Durch dieses musste er sich aber auch hindurch zwĂ€ngen, wenn er etwas Dringendes zu erledigen hatte. Das kam eher selten vor, war ihm jedoch jedes Mal Ă€ußerst unangenehm. In den NĂ€chten zuvor hatte er dann bereits AlptrĂ€ume von Schlangen, deren Körper nur aus Speiseröhre bestanden, mit einem riesigen Schlund, der das Ei aufnahm, zerdrĂŒckte und die Schale wieder ausspuckte. Sobald er sich außerhalb von seinem Ei befand, quĂ€lten ihn Gedanken daran, dass es bei der RĂŒckkehr zerbrochen, vielleicht sogar mutwillig zerstört oder gar geraubt worden war.

Er mochte dieses Loch nicht, hĂ€tte es am liebsten dicht verschlossen. An guten Tagen trĂ€umte er, nie wieder sein Ei verlassen zu mĂŒssen, was regelmĂ€ĂŸig ein zufriedenes LĂ€cheln auf seinem Gesicht erscheinen ließ.

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