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Achterbahnfahrt

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Bisher ist das hier alles, was ich von Schottland gesehen habe. Und kurzfristig sah es so aus, als w├╝rde das vorerst so bleiben.

Schottland

Das Bild entstand, als wir 2018 nach Island fuhren und dabei Schottland passierten. Da dies eine nichthinnehmbare Reisel├╝cke darstellt, haben wir schon im Fr├╝hjahr dieses Jahres beschlossen, diese aufzuf├╝llen und im Juli dann die F├Ąhre von Hoek van Holland nach Harwich gebucht und damit begonnen uns vorzufreuen.

Aber mein Leben w├Ąre ja nicht mein Leben, wenn es sich nicht wie mein Leben auff├╝hren w├╝rde.

Knapp eine Woche nach der Buchung beschloss ich, doch mal die Haus├Ąrztin wegen meines Hustens aufzusuchen. Der Rest der Geschichte ist dem geneigten Leser ja bereits bekannt. Alle anderen k├Ânnen hier nachlesen.

Nach fast zwei Wochen mit den Medikamenten will ich mal kurz berichten.

Am ersten Tabletten-Tag (vorletzten Montag - ich muss den Kram jeweils Montag, Mittwoch und Freitag nehmen) dachte ich, ich sterbe. Normalerweise habe ich ja keine gro├če Angst vor Nebenwirkungen und bin auch nicht verlegen drum, bei Kopfschmerzen, Schnupfen oder Bauchweh die entsprechenden Pillen einzuschmei├čen. Aber so hartes Zeug wie schon die Chemotherapie und jetzt auch das ringt mir durchaus einen gewissen Respekt ab. Daher kann ich nun nicht sagen, ob ich den ganzen Tag halbtot auf der Couch rumlag, weil die Tabletten so heftig wirkten, oder ob das der Psyche geschuldet war. Vermutlich eine Mischung aus beidem. Mir war schummrig wie auf Drogen, die Augen taten weh und flimmerten, mir war ├╝bel, die Beine waren schwer, ich war v├Âllig abgeschossen und pinkelte leuchtend Orange.

Am zweiten Tabletten-Tag blieb ich morgens gleich im Bett. Nach etwas mehr als 30 Minuten setzte die Wirkung ein. Der Kreislauf war down und die Sehnerven waren ziemlich gereizt. Ein wenig ├ťbelkeit trat auch wieder auf den Plan. Den Vormittag ├╝ber blieb ich im Bett, Bettdecke ├╝ber den Kopf gezogen und langweilte mich leidend. Nachmittags torkelte ich ein wenig durch die Wohnung, am n├Ąchsten Tag war ich fix und fertig. Ich hatte schlie├člich am Tag zuvor einen anstrengenden Tag gehabt.

Am dritten Tabletten-Tag war ich am Boden zerst├Ârt. Wenn das nun ein Jahr so gehen sollte, hatte ich doch starke Zweifel, ob ich das durchhalten w├╝rde. Und ob es sinnvoll sei, so in den Urlaub zu fahren? Ich muss nicht durch halb Europa cruisen, um dann die meiste Zeit nur im Camper zu liegen. Ich war kurz davor, die Reise abzusagen. Dann kam mir eine Idee, die ich zuvor noch probieren wollte: Ich k├Ânnte die Tabletten ja abends nehmen. Wenn ich nachts schlafe, bekomme ich nicht mit, ob ich m├╝de, fertig und kaputt bin und die Augen sind sowieso zu. Das probierte ich noch an diesem Freitag aus.

Samstagmorgen war der Urin nicht nur orange, sondern eher rot. Klar, war ja ├╝ber Nacht konzentrierter. Ansonsten f├╝hlte ich mich, als h├Ątte ich zwar eine anstrengende Nacht gehabt und etwas wenig geschlafen, aber nach zwei, drei Kaffee ging es halbwegs. Seither nehme ich die Tabletten abends (nun schon dreimal) und komme ganz gut zurecht damit.

Ich bin zwar nie voll leistungsf├Ąhig, aber das ist immer noch besser, als jede Woche drei Tage pauschal aus dem pers├Ânlichen Kalender streichen zu m├╝ssen, weil man nur liegt und leidet. Zumindest von meiner Seite stand dem Urlaub damit nichts mehr entgegen.

Daf├╝r kr├Ąnkelte Bert nun rum, die Motorkontrollleuchte geht ab und zu mal an. Am 13. September tauchte das Problem erstmals auf. Wir l├Âschten den Fehler und fuhren weiter, was die Motorkontrollleuchte wenig beeindruckte, sie ging einfach wieder an und wir wurden am 22. September in der Werkstatt vorstellig. Man las den Fehler aus und tauschte einen Sensor. Aber auch das beeindruckte die Motorkontrollleuchte wenig, sie ging wieder an.

Der n├Ąchste Werkstatttermin war am 2. Oktober. Und wir hatten noch ziemlich Gl├╝ck, dass wir diesen Termin sowieso schon f├╝r einen Reifenwechsel gebucht hatte, mittlerweile ist in der Werkstatt n├Ąmlich mehr als die H├Ąlfte der Mitarbeiter wegen Corona ausgefallen. Immerhin, so konnten wir anbieten, k├Ânnen wir die Probefahrt am Feiertag selbst durchf├╝hren und anschlie├čend wiederkommen und entweder die Rechnung bezahlen oder das weitere Vorgehen besprechen. So beschlossen wir es, es gab ein Software-Update f├╝r das Auto und irgendein Potentiometer war voller ├ľl, was gereinigt wurde. Wir fuhren vom Hof und am Dienstag ein wenig in der Gegend herum.

Nat├╝rlich ging die Motorkontrollleuchte wieder an.

Ich war am Boden zerst├Ârt. Wir k├Ânnen doch nicht mit einem Auto in den Urlaub fahren, das offensichtlich defekt ist. Und selbst wenn das Auto am Mittwoch oder Donnerstag noch einmal “repariert” w├╝rde, wie viel Vertrauen habe ich dann in dieses Auto, wenn ich Freitag auf die Autobahn fahre? Genau, null.

Endzeitstimmung machte sich breit. Und die machte sich ziemlich breit. Wir haben ja auch noch Gro├čes geplant, ein Sabbatical zum Beispiel, das ich immer noch in Gefahr sehe, denn meine Therapie geht mindestens ein Jahr. Und ein ganzes Jahr Urlaub will schlie├člich rechtzeitig vorher geplant sein. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

Zu allem ├ťberfluss ging am Mittwochmorgen auch noch mein Laptop kaputt. L├╝fter tut’s nicht mehr, hat er gesagt. Das ist sehr schlecht.

Das war der Punkt, an dem wir geguckt haben, wie die Bedingungen zum Stornieren oder Umbuchen der F├Ąhre sind. Wir gaben uns noch Zeit bis wir nachmittags in der Werkstatt waren, um zu h├Âren, was der Meister nun zum Thema sagt.

F├╝r den Laptop telephonierte der Lebensabschnittsgef├Ąhrte mit einem Teileh├Ąndler in NRW, bei dem man die Ware auf dem Weg nach Holland auch h├Ątte abholen k├Ânnen. Der versprach aber, den L├╝fter sofort abzuschicken und verpackte ihn noch w├Ąhrend des Telephonats. Hoffen wir, dass das klappt.

Der Werkstattmeister meinte, wir k├Ânnten mit dem Auto in den Urlaub fahren. Wir sollen die Fehlermeldung im Auge behalten. So lange es immer derselbe Fehler ist, br├Ąuchten wir uns nicht viele Gedanken machen, wenn ein anderer Fehler ausgegeben wird, sollen wir handeln. In der Zwischenzeit wird er zu Ford Kontakt aufnehmen und nachfragen, ob es zu diesem Problem global einen L├Âsungsansatz gibt. Die Alternative w├Ąre, ein Teil nach dem anderen auszutauschen und zu hoffen.

Okay, wir k├Ânnen also fahren. Und wir m├╝ssen hoffen, dass alles gut geht. Uff.

Jetzt erstmal Kaffee und Reisefieber …

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dark*
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dark*
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