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Usability

 ·  ☕ 4 Minuten zum Lesen  ·  ✍ dark*

Auf der Seite der BA findet man die Vordrucke fĂŒr den Antrag auf Arbeitslosengeld II im PDF-Format zum Ausdrucken und AusfĂŒllen. Soweit recht löblich. Dass der gesamte Internetauftritt der Agentur trotz der vielen Millionen, die er verschlungen hat, jeglichen Usability-Regeln spottet und fernab von Barrierefreiheit ist, darĂŒber wurde bereits ausreichend an anderen Orten geschrieben. Was sich aber derjenige denkt, der die Seite mit Inhalten fĂŒllt, ist mir angesichts des folgenden Absatzes schleierhaft:

„Weitere Informationen zum Arbeitslosengeld II erhalten Sie ĂŒber: Startseite -> INFORMATIONEN -> Arbeitnehmer -> Geldleistungen -> Arbeitslosengeld II -> Link- und Dateiliste.“

Man muss tatsĂ€chlich fĂŒnfmal klicken, sich dabei natĂŒrlich merken, welchen Link man als nĂ€chstes anklicken muss, und zudem den letzten Verweis auch noch suchen, da sich dieser nicht in der Navigationsleiste befindet. Klar, als Arbeitsloser hat man schließlich Zeit. Wozu soll sich also der Webmaster die MĂŒhe machen, ein simples a-tag einzufĂŒgen?

Dieses Beispiel spiegelt die gesamte Arbeitsweise dieser maroden Behörde in erschreckender Deutlichkeit wider. Um meinen Antrag auf ALG II endlich abzugeben, musste ich insgesamt dreimal vorsprechen.

Im ersten Termin wurde ich wieder weggeschickt, da ich die Formulare nicht ausgefĂŒllt hatte. Ich gab an, dass mir dies zu kompliziert war, weil ich nicht wusste, wie ich meinen Mitbewohner dort ordnungsgemĂ€ĂŸ einzutragen hatte, da wir keine Lebensgemeinschaft im ĂŒblichen Sinne fĂŒhren. Der Mitarbeiter erklĂ€rte mir, dass er fĂŒr das AusfĂŒllen der Fragebögen keine Zeit hĂ€tte, das solle man doch bitte zuhause machen, erlĂ€uterte mir dann Schritt fĂŒr Schritt, wo ich was einzutragen hĂ€tte, erkundigte sich bei einem weiteren Kollegen, ob er mir alles richtig erklĂ€rt hatte und rannte ins nĂ€chste BĂŒro, um mir einen neuen Termin zu besorgen. Dauer insgesamt: ca. 25 Minuten - In dieser Zeit hĂ€tten wir auch das Formular ausfĂŒllen können. Den Termin bekam ich ĂŒbrigens nicht sofort, sondern am nĂ€chsten Tag per Post zugeschickt, was unnötige Kosten verursacht.

Der zweite Termin fand bei einer anderen Sachbearbeiterin statt. Mein Formular war weitgehendst ausgefĂŒllt, die Unterlagen hatte ich soweit alle dabei. Lediglich die Krankenkassennummer und Sozialversicherungsnummer meines Mitbewohners fehlten. Ich schlug ihr vor, diese doch im Computer rauszusuchen, da er schließlich auch als Arbeitsloser erfasst ist. „Das gehört nicht zu meinen Aufgaben.“ Aha. Zu meinen Aufgaben gehört es nicht, in den Unterlagen eines (wĂ€hrend des AusfĂŒllens nichtanwesenden) WG-Mitglieds rumzuschnĂŒffeln. Nun gut, dann musste sie eben warten, bis ich meine Formulare erneut vorbeigebracht hatte. Gleichzeitig war in den Zeitungen zu lesen, dass man sich darĂŒber beschwere, dass die AntrĂ€ge nur sehr schleppend bei den Agenturen eingehen wĂŒrden. Selbst Schuld. Im weiteren Verlauf meinte sie, dass unsere Wohnung zu groß sei, da wir nur drei Personen sind, denen so viel Platz nicht zusteht. Ich versuchte ihr zu erklĂ€ren, dass wir halt nur eine WG sind, getrennt von Tisch und Bett, dass jeder sein eigenes Zimmer brĂ€uchte, jeder sein eigenes Leben fĂŒhre, mit unterschiedlichen Hobbys, Freudeskreis, Beziehungen usw. „Wem wollen Sie das denn erzĂ€hlen?“, kam die unverschĂ€mte Frage von einer Frau, unter deren zu kurzem Kleid wĂ€hred des GesprĂ€chs immer wieder der weiße Slip hervorblitze. Ich war nahe dran, meine Faust im Gesicht der Schlampe zu parken. Das GesprĂ€ch war ziemlich schnell beendet, ich packte meine Unterlagen samt Antragsformulare zusammen und verließ den Laden, bevor ein UnglĂŒck geschah.

Einige Wochen spĂ€ter wurde ich zu einem dritten Termin geladen, wieder bei einem anderen Sachbearbeiter, was mir nur recht war. Jede Einladung war ĂŒbrigens mit dem rechtlich Ă€ußerst fragwĂŒrdigen Hinweis versehen, dass ein Nichterscheinen eine Sperre der laufenden Leistung nach sich ziehen wĂŒrde. Wie bitte?! Wer will mich denn zwingen eine Geldleistung in Anspruch zu nehmen? Meine Meldepflicht bezieht sich lediglich auf die laufenden Leistung, nicht jedoch auf eine völlig neue oder andere Leistung. Im ĂŒbrigen ist im Sozialgesetzbuch nachzulesen, dass der Antrag auf eine Leistung bei jeder x-beliebigen Behörde abgegeben werden kann und von dieser unverzĂŒglich an die zustĂ€ndige Stelle weiterzuleiten ist. Da jedoch nicht nur mein Wohl von meiner Cooperation abhĂ€ngt, habe ich meine revolutionĂ€ren Gedanken aufgegeben und pflichtschuldig den Termin wahrgenommen, konnte es mir allerdings nicht verkneifen, meiner Wut ĂŒber die Kollegin Audruck zu verleihen.

Wie auch immer, ich habe mich gefĂŒgt und meinen Antrag brav abgegeben. Mittlerweile liegt der Bescheid vor und hat mein Blut schon wieder in Wallung gebracht. Ausschließlich an meinen Mitbewohner gerichtet, ist dort nachzulesen, dass man davon ausgeht, er wĂ€re bevollmĂ€chtigt im Namen aller Mitglieder unserer sogenannten Bedarfsgemeinschaft den Antrag zu stellen. Spinnen die denn?! Ich habe ĂŒberhaupt niemanden bevollmĂ€chtigt und im ĂŒbrigen einen eigenen Antrag gestellt. Wo ist mein Bescheid? Auch der Hinweis, dass die Miete von meinem Konto abgebucht wĂ€re und daher natĂŒrlich sinnvollerweise eine Auszahlung auf mein Konto erfolgen soll, wurde unberĂŒcksichtigt gelassen, stattdessen wird an ihn ausgezahlt - per teurer Postanweisung.

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