L(ust/aut/eb)los

Seit Tagen schon das gleiche Einerlei. Zu nichts Lust, ein grauenvoller Zustand.

Früher pflegte ich in solchen Phasen oft Stunden damit zu verbringen, auf dem Sofa oder auf dem Fußboden rumzusitzen, manchmal auch am Fenster rumzustehen oder umherzulaufen und dabei nichts weiter zu tun als den Gedanken freien Lauf zu lassen. Manchmal Musik dabei hörend, völlig in eine Phantasiewelt versunken dümpelte ich vor mich hin. Erstaunlich, wie schnell die Zeit dabei vergehen konnte. Damals mochte ich diese Phasen sehr.

Heute geht das nicht mehr. Den ganzen Tag so tun als ob, vor dem Laptop sitzen und leer auf irgendwelche Internetseiten starren. Ab und an mal eine Seite anklicken oder eine URL via Tastatur eingeben. Damit es so aussieht als ob. Damit die anderen es nicht merken. Verstehen würden sie es eh nicht. Sie begreifen es schon nicht, wenn ich versuche davon zu erzählen.

Überhaupt nicht erzählen kann ich von den geheimen Wünschen, die mir so oft im Kopf rumgehen. Von der Ruhe einsamer Inseln, von der Geborgenheit abgeschiedener Klöster, vom entbehrungsreichen Leben in sibirischen Dörfern handeln diese Tagträume oft. Und meistens enden sie gleich, am Tisch sitzend mit 1000-Meilen-Blick oder am Fester stehend die Welt beobachten wie sie vorbeizieht und stumm den Wunsch formulieren nie wieder sprechen zu müssen.

Eine seltsame Zeit.

Ein seltsames Leben.