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Seltsam

 ·  ☕ 4 Minuten zum Lesen  ·  ✍ dark*

Ich wurde wach und fĂŒhlte mich irgendwie seltsam. Einen ekligen Geschmack im Mund und zu kaputt, um etwas zu trinken. Ich öffnete die Augen und versuchte mir einen Überblick zu verschaffen, wie lange ich geschlafen hatte, ob ich noch Zeit hatte, etwas zu erledigen und ob ich die dafĂŒr nötige Motivation aufbringen wĂŒrde. Mein Kopf fĂŒhlte sich irgendwie schwammig an, ich hatte Magenschmerzen und mein rechtes Knie tat höllisch weh. Ein Blick auf die Uhr half auch nicht wirklich weiter, es war viertel nach sechs. Der Hauch von Licht, der durch die Rollos zu erkennen war, konnte sowohl auf Abend- als auch auf MorgendĂ€mmerung schließen lassen. Ich trank erstmal einen Schluck Wasser um den ekligen Geschmack runterzuspĂŒlen und legte mich wieder hin, grĂŒbelnd, ob ich nun tatsĂ€chlich dabei war, den Bezug zur RealitĂ€t völlig zu verlieren. Außerdem hatte ich beschlossen abzuwarten, ob ich wieder einschlafen oder langsam wacher werden wĂŒrde. Aber es Ă€nderte sich an meinem Zustand nichts, rein gar nichts und so beschloss ich, die Augen wieder zu öffnen und einen weiteren Versuch zu starten, die Tageszeit zu ermitteln. Mittlerweile war es halb sieben und weder heller noch dunkler als zuvor. Das Licht schien ebenso stehen geblieben zu sein wie meine Gedanken. Ich ĂŒberlegte einen kurzen Moment, den Rechner hochzufahren, aber dies erschien mir dann doch zu aufwendig.

Ich zĂŒndete mir erstmal eine Zigarette an und betrachtete meine Fische im Aquarium. An ihrem Verhalten fand sich auch nichts, was mich irgendwie weiterbrachte, sie waren wie immer. Mein Blick wanderte ĂŒber das Durcheinander auf dem Tisch, das gerade hinter dem Rauch der Zigarette verschwinden wollte, als mir die Fernbedienung des Fernsehers auffiel. Das schien eine hilfreiche Methode zu sein, mir endlich Klarheit zu verschaffen und so schaltete ich den Fernseher ein. Auf RTL liefen Nachrichten, umschalten war zu anstrengend. Ich starrte einige Minuten auf die Bilder im TV, die sich mit dem Gesicht der blonden Frau abwechselten, ohne davon irgendetwas wahrzunehmen, ohne dass die Worte, die gesprochen wurden, ĂŒber den Gehörgang hinaus mein Gehirn erreicht hĂ€tten. Nach diesem minutenlangen Starren fiel mir auf, dass in der oberen rechten Ecke die Uhrzeit eingeblendet war: 06:34:29. Na bitte, das war doch was. Es war also Morgen, ich hatte gerade mal 45 Minuten geschlafen und war hellwach. Wieder ĂŒberlegte ich, ob ich etwas erledigen wollte, ob ich es auch schaffen wĂŒrde und wenn ja, was ich mir alles vornehmen sollte.

„Duschen“ dachte ich, „du solltest mal wieder duschen, damit du nicht schon zu Lebzeiten riechst als wĂ€rst du schon lange tot.“ Ich stellte fest, dass gleiches fĂŒr meine BettwĂ€sche galt, sie roch schon recht intensiv nach mir, zu intensiv. AufrĂ€umen und Staubsaugen wĂ€ren auch mal wieder dringend nötig, wurde mir bewusst, als ich mich halb aufrichtete und meinen Blick durch den Raum gleiten ließ. In der Vitrine blieb mein Blick hĂ€ngen. Das kleine Licht, welches die Vitrine beleuchtet und immer an ist, betont den dicken Staub auf den Glasplatten enorm. „Naja. AufrĂ€umen ok, aber wir wollen ja nicht ĂŒbertreiben.“

Ich legte mich wieder hin, zĂŒndete mir eine weitere Zigarette an, kuschelte mich in meine Bettdecke und wartete darauf, dass mich irgendetwas veranlassen wĂŒrde, aus dem Bett zu klettern. Ich lag da, starrte an die Decke in der Ecke ĂŒber der Vitrine. Ich kenne jeden Quadratmillimeter dieser Ecke, nichts hatte sich dort verĂ€ndert in den letzten Monaten. Sie ist auch nicht schöner als die ĂŒbrigen Ecken, nur fĂŒr meine Blicke leichter zu erreichen und so habe ich mich an sie gewöhnt. Manchmal liege ich andersrum im Bett, starre in die Ecke ĂŒber dem Kopfende, aber dort fĂŒhlen sich meine Blicke nicht so wohl, ist irgendwie nicht „meine“ Ecke.

Ich spielte an meinen FingernĂ€geln herum. Sie sind schon wieder viel zu lang und mĂŒssen dringend geschnitten werden, was den positiven Nebeneffekt hĂ€tte, dass sich die Anzahl der Tippfehler reduzieren wĂŒrde. Ich hasse FingernĂ€gel bzw. den unpraktischen Umstand, dass sie wachsen. Warum können sie nicht - Ă€hnlich wie Wimpern beispielsweise - bis zu einer gewissen, ebenso brauchbaren wie Ă€sthetischen LĂ€nge wachsen und gut? Falls dann doch mal einer, aus welchen GrĂŒnden auch immer, ausfĂ€llt oder gezogen werden muss, wĂ€chst er halt bis zur LĂ€nge x nach und alles ist ok. Lange FingernĂ€gel sind eh hĂ€sslich und außerdem unpraktisch, rot lackiert wirken sie darĂŒber hinaus auch noch aufdringlich.

Ich sinnierte noch eine Weile ĂŒber praktische und unpraktische Funktionen und Gegebenheiten des menschlichen Körpers, bis mich eine weitere, Ă€ußerst lĂ€stige Körperfunktion aus dem gemĂŒtlich warmen Bett zwang: Ich musste zur Toilette.

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