Geschmacklos

Das ist wohl eine Nebenwirkung von der Chemo. Zytostatika, die schnellwachsende Zellen bekämpfen sollen, machen keinen Unterschied zwischen gut und böse. Ob die jetzt die ganzen 24 Wochen anhält, weiß ich nicht. Jedenfalls ist das ziemlich krass, das meiste schmeckt ziemlich beschissen.

In der Praxis haben sie mir geraten, beim Kochen nicht selbst abzuschmecken, sondern das jemand anderen machen zu lassen, das könnte sonst schief gehen. Ich befürchte, sie haben Recht. Meine Geschmacksnerven sind total im Eimer, manches schmeckt scheußlich, wie beispielsweise der Kaffee gestern Morgen, manches ist eher geschmacksneutral und bei manchen Sachen fehlen ein paar Geschmacksrichtungen.

Vornehmlich gilt das für Dinge, die aus mehreren Geschmacksstoffen zusammengestellt sind. Da fehlt dann einiges, besonders bei chemisch zubereiteter Nahrung, wie z.B. Gummibärchen. Die Gummibärchen schmecken original wie Seife. Die sind vom Speiseplan gestrichen und den Rest der Tüte hatte ich gestern großzügig dem Lebensabschnittsgefährten überlassen.

Und auch Maggi-Zeugs ist betroffen, aber nur teilweise. Vorgestern haben wir Ofen-Tortellini mit Maggi-Fix gemacht. Das ist mit einer Schinken-Sahne-Soße und Käse überbacken. Es schmeckte schon, aber irgendwas „fehlte“. Ob ich noch Fünf-Minuten-Terrinen mag, die oftmals nach der Arbeit zusammen mit einem Salat, einem Glas Ananassaft, einer Tasse Kaffee und einem Teilchen (aka Stückchen) vom Bäcker mein Mittagessen bildeten, wage ich gar nicht auszuprobieren. Der Ananassaft steht seit Tagen ungeöffnet im Schrank. Orangensaft wird stark verdünnt (1:4), da die Fruchtsäure gerade nicht so gern gesehen wird im schleimhautgeschädigten Verdauungstrakt. Aber immerhin schmeckte das und für mich sogar relativ intensiv nach Orange. Und es ist mal eine Alternative zum Wasser, das auch irgendwie merkwürdig schmeckt. Die Cookies von Milka, die es gestern Nachmittag gab schmecken zwar, aber ich habe gerade keinen Vergleich, weil ich die schon ewig nicht mehr gegessen habe.

Auf ganz viele Sachen habe ich gar keine Lust. Beispielsweise esse ich nur Toast, Graubrot schau ich nur an und habe schon genug. Normalerweise gehörte ein Brot mit Remoulade, gekochtem Schinken und Gouda zu meinem Standard-Repertoire. Das gab’s morgens auf der Arbeit und zum Abendbrot. Nun habe ich das schon seit Tagen nicht mehr angerührt. Milchprodukte wirken überwiegend auch ziemlich bäh auf mich.

Nachdem heute Morgen der Kaffee wieder nicht schmeckte, habe ich mir eine Darth-Vader-Backform bestellt (Frustkauf), ich hoffe ja, dass wenigstens Kuchen einigermaßen genießbar geblieben ist!

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