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Diese vier Buchstanden standen auf meiner Einweisung in die Klinik. Zu deutsch nennt man das Sentinel-Lymphknoten-Biopsie. Auch diese gilt – wie alles, was bisher mit mir geschah – nur der Diagnostik und der Vorbereitung zur Behandlung.

Damit diese überhaupt durchgeführt werden kann, muss der zu entfernende Lymphknoten sichtbar gemacht werden. Hierfür kommt wieder DerGerät zum Einsatz. Am Donnerstagmorgen soll ich um 07:45 Uhr beim Radiologen sein. Nach einer beschissenen Nacht bin ich viel zu spät dran und muss entsprechend warten, bis die Ärztin endlich kommt und mir mit mehreren Einstichen rund um den Tumor radioaktives Zeug injiziert. Auf dem Monitor von DerGerät ist danach ein farbenfroher Fleck zu sehen. Radioaktivität kann sehr hübsch aussehen. „Die Aktivität“ lautet übrigens der euphemistische Fachterminus für die böse Strahlung. Schließlich kann es ja nicht sein, dass dieses Teufelswerk dabei hilft, Menschen zu heilen, immerhin fällt hier Atommüll an!

Mir ist das herzlich wurscht, ich habe Hunger. Als ich fertig bin, hole ich Brötchen, bringe noch schnell die OP-Einwilligung zum Doc und gehe nach Hause frühstücken. Dann muss ich noch ein paar Sachen packen und diverse Telephonate erledigen. Ich habe nämlich noch gar keinen Termin für die Porteinlage und das Herzecho. Blöderweise ist der Chirurg für die Porteinlage nächste Woche nicht da, so dass ich nach Ostern noch einmal ins Krankenhaus muss, wie sich nach mehreren Telephonaten heraussstellte. Bei der Gelegenheit erfahre ich auch, dass der Beginn für die Chemo-Therapie für den 29.04.2014 geplant ist.

Wir fuhren zur Klinik, wo ich zunächst das Aufnahmeprozedere über mich ergehen lassen musste. Der Verwaltungsaufwand, den Ärzte und Klinik leisten müssen, nimmt immer kafkaeskere Ausmaße an. Dasselbe gilt für die wiederkehrenden Anamnese-Fragen. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich in den letzten Wochen dieselben Angabe runterleiern musste. Die Datenschützer, die sich immer wieder gegen die Speicherung solcher Angaben wehren, sollten das Prozedere selbst einmal durchmachen. Vielleicht bekommen sie dann mal einen etwas klareren Blick auf Realität.

Die Station, der ich zugewiesen wurde, glich einem Ameisenhaufen. Etliche Leute wuselten hektisch herum, diskutierten, hingen zu dritt am Telephon, rannten in Krankenzimmer usw. Typischer Stationsalltag in hoher Potenz. Für mich hatte gerade niemand Zeit, so saß ich noch eine Weile auf dem Gang herum und beobachtete das alles, bis mein Bett endlich aus dem einen Zimmer geholt, frisch bezogen und in mein künftiges Kurzzeitdomizil gebracht werden konnte. Im Zimmer lagen eine schwerhörige Oma, die gerade Besuch von ihrer Enkelin hatte, und eine Frischoperierte, die aber kurz darauf nach Hause ging. Ich trabte erst einmal zurück zur Anmeldung und besorgte mir WLAN-Zugang. Außerdem hatte ich ein paar Fragen zu dem Aquarium, das im Eingangsbereich steht.

Danach musste ich beim Anästhesisten vorstellig werden. Natürlich ließ ich meine Allergie gegen Schmerzmittel nicht unerwähnt. Ein Umstand, der im Zusammenhang mit einer Operation etwas ungünstig ist. Mit Paracetamol alleine kommt man da nicht weit, da müssen harte Drogen her. Ebenfalls etwas ungünstig ist die fette Erkältung, die ich mir sinnigerweise für diese Woche zugelegt habe, und die dem Anästhesisten ein wenig zusätzlich Arbeit (Schleim absaugen) beschert. Aber das ist alles nichts, was nicht in den Griff zu kriegen wäre.

Den Rest des Tages langweilte ich mich, trank Kaffee auf Vorrat und spielte auf meinem Handy herum.

Am Freitagmorgen um 06:15 Uhr steht die Nachtwache bei mir am Bett: „Frau Schröder, das Taxi ist da, ich habe vergessen, Sie zu wecken.“ Na toll! Vergangene Nacht konnte sie mich wecken, um mich zu fragen, ob ich schon abgeführt hätte oder ob ich etwas zum Abführen brauche. Nachts. Ich brummte irgendetwas, drehte mich wieder um und gab mich dem Schlafmittel hin. Das ging jetzt nicht mehr, ich muss schnell in meine Klamotten springen, am Waschbecken vorbeihuschen und dann zum Taxi laufen. Um 06:45 Uhr hatte ich noch einmal einen Termin beim Radiologen, um die zwei Wächterlymphknoten zu markieren, die anschließend entfernt werden sollten. Ich wurde wieder vor DerGerät gesetzt. Die Lymphknoten leuchteten bunt auf, meine Haut wurde mit Edding markiert und ich wurde zurück in die Klinik gefahren, wo man mich bereits erwartete. „Frau Schröder, Sie müssen sich umziehen, sie wurden bereits vom OP abgerufen.“ Meine Güte, machen die hier einen Stress. Immer mit der Ruhe, Schätzchen, die fangen schon nicht ohne mich an!

Ich machte mich OP-fein. Am Dresscode für solche Events hat sich in den vergangenen 20 Jahren nichts geändert. Neben den halterlosen Strümpfen und der zeitlos modischen grünen Mütze gehörte das knappe, am Rücken bis zum Hals geschlitzte Weiße wie immer noch dazu. Und ich stelle fest, dass mir dieser Aufzug noch genso gut wie in den 90ern, als ich noch jung und knackig war, steht. Ich schluckte die Vorbereitugsdrogen und legte mich erwartungsvoll ins Bett. Der Lebensabschnittsgefährte saß mit sorgenvoller Mine daneben und beobachtete mich gleichermaßen fasziniert und ängstlich. Er ist in solchen Dinge weniger routiniert als ich. Der Glückliche. Ein junges Ding, Schüler-Praktikantin oder sowas, jedenfalls noch so jung, dass sie das Stethoskop als „Hördings“ bezeichnet, verteilte Frühstück und fragte mich, ob ich jetzt operiert werden sollte. Ob sie der Meinung sei, ich liefe immer so herum, entgegnete ich scherzhaft, was mit blödem Gekicher quittiert wurde. Dann wurde ich geholt.

Mit Vorbereitungen hielt man sich nicht lange auf, man hatte schließlich schon auf mich gewartet. Ich sollte auf den OP-Tisch klettern, dann wurde ich ein Stück weiter gefahren, wo der Zugang gelegt wurde. Als die Nadel steckt, wurde ich auch schon in den OP geschoben, wo ich mit den Worten: „Na, gut gefrühstückt?“, empfangen wurde. „Nein, es gab ja keinen Kaffee“, beschwerte ich mich, „Aber ihr habt Glück, dass die Tabletten so gute Laune machen!“ Eine Schwester grinste breit genug, dass man es trotz Mundschutz sehen konnte. „Das Zeug ist gut, gell?“ Ich nickte. Dann informierte ich sicherheitshalber jeden noch einmal über meine Schmerzmittelallergie. Meine einzige Angst gilt eigentlich nur einer versehentlichen falschen Medikation. Den Horror muss ich nicht noch einmal mitmachen!

Als ich wieder wach wurde heulte ich aus irgendeinem Grund vor mich hin und hörte damit auf, als ich mir bewusst wurde, dass ich wieder wach war und heulte. Jemand trat in mein Gesichtsfeld und ich wollte unbedingt wissen, wie lange die OP gedauert hat. Ich bekam zur Auskunft, dass es etwa 30 Minuten gedauert hätte. Oder sagte er 40? Ich weiß es nicht mehr genau, jedenfalls nicht lange. Das war ein gutes Zeichen, bildete ich mir ein. Zumindest bedeutete es, dass mir nicht sämtliche Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt wurden. Zwar kann man ohne die Dinger legen, aber dies wäre mit erheblichen Einschränkungen verbunden.

Später kam der Doc zur Visite. Er streckte mir die Hand zum High Five entgegen: Beide Schnellschnitte ohne Befund!

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