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Mit dem Gewehr zur Post

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Am Mittwochmorgen klemmte ich mir das Gewehr unter den Arm und fuhr zur Post. Das Gewehr war nat√ľrlich in einem Karton verpackt, sonst w√§re ich wohl niemals dort angekommen. Unterwegs dachte ich bei nahezu jedem Passanten: “Wenn du w√ľsstest, was ich hier unterm Arm trage …” Und ich hatte das Gef√ľhl, jeder starrt mich an und wei√ü, was ich unterm Arm trage. Das k√∂nnte allerdings auch an dem d√ľmmlichen Grinsen gelegen haben, welches mir die absurde Situation ins Gesicht gemei√üelt hatte. Als dann an der Kreuzung auch noch die Polizei an mir vorbei fuhr und der Beifahrer gewohnheitsgem√§√ü einen Blick in die Seitenstra√üe, in der ich mich befand, warf, der dann nat√ľrlich mich traf, fiel ich vor Lachen fast vom Fahrrad.

Ich stellte mir vor, wie sie mich in sch√∂nster Hollywood-Manier mit vollem K√∂rpereinsatz und bewaffnet bis an die Z√§hne unter lautstarkem Protest meinerseits zu Boden streckten, w√§hrend die angeforderte Verst√§rkung mit Blaulicht und heulenden Sirenen von allen Seiten gleichzeitig auf mich zugerast kam und wenige Zentimeter vor mir stehen blieb … Aber hier drifte ich nun ab ins Reich der Phantasie und weg von dem, was ich eigentlich erz√§hlen wollte.

Der Innenfilter in einem meiner Aquarien gab neulich den Geist auf, weswegen ich einen neuen √ľber eine wenig bekannte Internetplattform bestellt hatte. Anschlie√üend verga√ü ich den Vorgang sofort wieder. Am Dienstag rief meine Tochter im B√ľro an: “Was hast du denn schon wieder bestellt?” Was hei√üt hier schon wieder? “Nichts, wieso?” Da sei ein riesiges Paket angekommen. Es ratterte im Gehirn und mir fiel der Filter wieder ein. Das k√∂nne nicht sein, das Paket ginge ihr ungef√§hr bis zur Brust. Hm? Sonst hatte ich aber nichts bestellt. Es war eh schon kurz nach Feierabend und so raste ich neugierig nach Hause.

Das Paket war wirklich gro√ü, viel zu gro√ü f√ľr einen Nano-Filter, der gerade 15 cm hoch ist. Und es war schwer, viel zu schwer f√ľr einen Aquarienfilter. Der Absender war allerdings korrekt, es musste sich um eine Verwechslung von Paketen handeln. Ich schoss erst einmal ein Photo von dem Paket und dem neugierigen Kater:

Das mysteriöse Paket

Mit einer geh√∂rigen Portion weiblicher Neugier machte ich mich ans Auspacken. Im ge√∂ffneten Karton kamen Unmengen von Zeitungspapier und Pappe zum Vorschein, die einen in Zeitungspapier eingewickelten Gegenstand sch√ľtzten. Der Gegenstand war lang, d√ľnn und schwer, am einen Ende viel d√ľnner als am anderen. Ich hatte nicht die geringste Vorstellung, was die Zeitpungspapier- und Paketklebeband-Konstruktion in meiner Hand beinhalten konnte. So riss ich sie am breiteren Ende auf und starrte auf …

“Das ist ein Gewehr!” Tats√§chlich, ich starrte auf einen Gewehrkolben! In meinen k√ľhnsten Tr√§umen h√§tte ich eine solche Fehllieferung nicht erwartet! Eine Mischung aus Entsetzen, Fassungslosigkeit und Belustigung machte sich breit, wobei letztere √ľberwog. Das war zu grotesk!

Unter lautem Gel√§chter packte ich die Waffe vollst√§ndig aus und begutachtete sie von allen Seiten. Tausend - teilweise absurde - Gedanken schossen mir durch den Kopf. Sollte ich die Polizei rufen? Das Gewehr sah eher aus wie ein Sportgewehr und weniger nach terroristischen Aktivit√§ten. Es ist auch nicht neu, das konnte man sehen. Ist das √ľberhaupt noch erlaubt, so etwas zu besitzen und per Paketdienst durch die Republik zu senden? Mache ich mich jetzt strafbar? Hat vielleicht schon irgendjemand irgendetwas B√∂ses damit angestellt? Mittlerweile war das Teil von oben bis unten √ľbers√§t mit meinen Fingerabdr√ľcken. Munition war nicht dabei, daf√ľr aber eine Typenbezeichnung ins Metall gestanzt. Ich warf den Rechenknecht an und forschte im Internet, was Murphy mir da geschickt hatte: Ein Druckluftgewehr.

‘Mein’ Gewehr

Das beruhigte mich etwas, ein Luftgewehr ist ja eher harmlos. Ich versuchte, den Verk√§ufer telephonisch zu erreichen, nat√ľrlich ohne Erfolg. Wie verhalte ich mich denn jetzt? Das Gewehr lag immer noch zwischen Karton und Zeitungspapier auf meinem Wohnzimmerboden, der Kater rannte und sprang unentwegt um das Ding herum, jagte und fing das herumliegende Zeitungspapier. Dort konnte es nicht bleiben. Ich machte ihm ein Pl√§tzchen in meinem Bettkasten frei und verstaute es dort.

Etwas sp√§ter erreichte ich zun√§chst die Ehefrau des Verk√§ufers, “Meine G√ľte, was hat er denn da gemacht?!” und abends dann den Verk√§ufer selbst, dem die Situation h√∂chst peinlich war. Wir einigten uns darauf, dass ich das Gewehr direkt an den eigentlichen Empf√§nger schicken w√ľrde und er mir im Gegenzug meinen Filter sowie die Kosten f√ľr den Gewehrversand zukommen l√§sst. Und so kam es, dass ich mir am Mittwochmorgen “mein” Gewehr unter den Arm klemmte und zur Post fuhr …

Eigentlich sollte die Geschichte an dieser Stelle enden, h√§tte nicht Murphy am Postschalter gestanden. Ich hatte n√§mlich urspr√ľnglich vor, dem Verk√§ufer die Paketnummer mitzuteilen, damit er die Sendung verfolgen k√∂nne. Aber die Idee gefiel Murphy wohl nicht und er begleitete mich und “mein” Gewehr zur Post. Dort bekam ich wie gew√ľnscht meinen Einlieferungsbeleg mit Paketnummer. Allerdings behauptet die Sendungsverfolgung von DHL, dass mein Paket seit 17.12.2010 in Hamburg verweilt …

Einlieferungsbeleg

Sendungsverfolgung

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dark*
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