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Mobil mit Hindernissen

 ·  ☕ 5 Minuten zum Lesen  ·  ✍ dark*

Als ich neulich beim darkinchen zu Besuch war, ließ ich ihr unter anderem Geld fĂŒr eine dringend erforderliche Reparatur des Rollers da. Das Licht funktionierte nicht mehr. Außerdem sprang das Teil schlecht an und die Bremsen könnten auch mal ĂŒberholt werden. Soweit, so gut. Ein paar Tage spĂ€ter fuhr das darkinchen in die Werkstatt, womit die Probleme erst begannen 


Der freundliche Mechaniker sprach das Todesurteil fĂŒr den Roller aus. Die Lampen fĂŒr die Beleuchtung ließen sich nicht austauschen, da irgendjemand die Fassungen entfernt und die Leuchtmittel direkt am Roller festgelötet hatte. Die Bremsscheibe am Vorderrad ist total verbogen und muss mit den BelĂ€gen ausgetauscht werden und irgendetwas war mit der hinteren Bremse nicht in Ordnung, sodass auch hier eine Reparatur aufwendig wĂŒrde. Im jetzigen Zustand sei der Roller lebensgefĂ€hrlich, eine Reparatur wĂŒrde sich allerdings nicht lohnen, das darkinchen solle das Teil möglichst umgehend verschrotten. Sie musste ihm versprechen, keinen Meter weiter als bis Zuhause zu fahren.

Tief durchatmen!

Seither steht der Roller ungenutzt vor der TĂŒre herum. Das darkinchen ist viel zu Fuß und mit den zwar flĂ€chendeckend aber leider nur stĂŒndlich verkehrenden Viersener Buslinien unterwegs, wĂ€hrend ich versuche, mein Kind wieder etwas mobiler zu machen. Angesichts des nahenden Winters hatten wir uns entschieden, erst einmal ein Fahrrad zu kaufen. Nach einigem Rumgesurfe und der erneuten Erkenntnis, von FahrrĂ€dern eh nicht allzu viel Ahnung zu haben, entfernte ich mich von der Idee, ein gebrauchtes Rad zu kaufen und verglich Preise von neuen FahrrĂ€dern. Nachdem ich auch damit zwei oder drei Tage verplempert hatte, bewahrheitete sich Goethes Warum in die Ferne schweifen, sieh das Gute liegt so nah mal wieder. So landete ich auf der Webseite des Fahrradladens, der schrĂ€g gegenĂŒber unserer alten Wohnung war. Dort gibt es das Objekt der Begierde zu einem angemessenen Preis, etwas teurer als bei den Online-HĂ€ndlern, aber dafĂŒr komplett montiert und mit nettem Service.

Gestern Abend schrieb ich eine E-Mail mit der Anfrage, ob das Rad vorrĂ€tig sei und einfach so abgeholt werden könne. Heute Morgen kam die Information, dass das Fahrrad zurzeit nur in der kleineren AusfĂŒhrung da sei, wir aber wegen der KörpergrĂ¶ĂŸe besser auf die grĂ¶ĂŸere Variante warten sollen, diese mĂŒsste in den nĂ€chsten Tagen eintreffen. Wir Ă€rgerten uns ganz kurz, fanden uns damit ab und warteten. Dann ĂŒberschlugen sich die Ereignisse ein wenig.

Mittags waren zwei FahrrĂ€der eingetroffen, ob wir eines haben wollten. Ich rief um 15 Uhr das darkinchen an, das gerade auf dem Weg zum Stall war. Um 17 Uhr könne sie dort sein, was ich dem HĂ€ndler mitteilte. Dann ging ich unter die Dusche, denn ich musste noch dafĂŒr sorgen, dass meine Tochter das nötige Kleingeld hatte. Da ich die Karte von ihrem Sparkonto habe, gestaltet es sich etwas kompliziert mit der Geldbeschaffung. Mein Plan war, am Automaten Geld mit der Karte zu holen und dieses am Schalter einzuzahlen.

Dort allerdings sollte ich auf die geballte Inkompetenz der Postbank stoßen. Ich war eh schon genervt, als ich an die Reihe kam. Die Schlange war ziemlich lang und ausgerechnet hinter mir stand die Tussi mit dem Kinderwagen. Sie tippte die ganze Zeit in ihrem Handy rum. Dadurch etwas unaufmerksam trat sie immer dicht hinter mich, wie so viele unangenehme Zeitgenossen es zu tun pflegen.

Glauben diese Leute eigentlich, dass es schneller geht, wenn der Vordermann ihren Atem im Nacken spĂŒren kann? Ich finde es so widerlich, wenn Fremde so nahe kommen. Gerade in der Enge einer Warteschlange an der Supermarktkasse oder eben auch bei der Post, wo ja mittlerweile auch alles mit Regalen vorgestellt ist. Ein Fluchtweg ist in einer solchen Situation praktisch nicht vorhanden. Ich pflege dann immer etwas zur Seite zu treten und mich mit dem RĂŒcken zur Wand bzw. zum Warenregal zu drehen, damit wenigstens keiner dicht hinter mir stehen kann. Leider verstehen die wenigsten diesen dezenten Hinweis und rĂŒcken noch nĂ€her auf. Das ist der Moment, in dem mir der Kragen zu platzen droht und ich aufpassen muss, nicht die Beherrschung zu verlieren.

Aber zurĂŒck zur Post-Tussi, die so dicht hinter mir stand und deswegen zwangslĂ€ufig ihren Kinderwagen neben mich schieben mĂŒsste. Geht’s noch?! Nach jedem meiner missbilligenden Blicke zog sie die Blagenkutsche fĂŒnf Zentimeter zurĂŒck, um sie Sekunden spĂ€ter wieder vorwĂ€rts zu schieben. So war ich dann schon Schweiß gebadet - die Contenance bei so viel RĂŒcksichtslosigkeit nicht zu verlieren ist sehr anstrengend -, als ich endlich an der Reihe war.

Ich fuchtelte mit meinem Geld herum und erkundigte mich, ob meine Tochter das Geld denn auch sofort abheben könne. „Das kann bis zu drei Tage dauern“, wurde mir erklĂ€rt, sofort ginge nur, wenn ich die Karte dabei hĂ€tte. Was?! Schlechter Witz! Und wie sollte das darkinchen Geld abheben, wenn ich die Karte habe? Könnte ich sie ihr anschließend ĂŒberbringen, könnte ich ihr ja auch das Geld in die Hand drĂŒcken. Allerdings sah er so aus, als meine er dies ernst, und weigerte sich, meiner Logik zu folgen. Ich versuchte es anders: „Und wenn ich das Geld auf mein Konto einzahle und es ihr ĂŒberweise?“ Dann stĂŒnde es ihr spĂ€testens morgen zur VerfĂŒgung. Das war zuviel! Ich wurde ein wenig ungehalten und auch etwas lauter. Es mĂŒsse doch möglich sein, hier bei der Postbank Geld auf ein Konto einzuzahlen und es dem EmpfĂ€nger - bei der Postbank - unverzĂŒglich zur VerfĂŒgung zu stellen! Jede andere Bank sei schließlich auch dazu in der Lage!

Ich hatte den alten Mann verschreckt, er verschwand im hinteren, fĂŒr Kunden nicht zugĂ€nglichen Bereich der Filiale. Nach einer Weile kehrte er zurĂŒck und brachte auch seine Selbstsicherheit wieder mit. Er hatte in Hamburg angerufen und dort hatte man ihm zugesichert, dass das Geld sofort verfĂŒgbar sei, wenn ich es auf mein Konto einzahlte und dann am Automaten auf das darkinchen-Konto ĂŒberweise. So geschah es dann auch und noch wĂ€hrend ich die SMS SMS darkinchen tippte, dass sie nun Geld auf dem Konto hatte, kam auch schon die Nachricht von ihr, dass das Geld eingetroffen sei. Donnerwetter!

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