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Long-Irgendwas

 ·  ☕ 3 Minuten zum Lesen  ·  ✍ dark*

Exakt ein Jahr nach meiner zweiten Impfung, am 14. Juni 2022, habe ich mich vermutlich mit dem SarsCov2-Virus infiziert. Heute vor einem Jahr klopften dann die ersten Symptome an. Manche sind bis heute geblieben.

Ich bin immer noch etwas kurzatmig, manchmal so sehr, dass ich kaum bis oben in die Wohnung komme, manchmal nur ein bisschen. Auch der trockene Husten will nicht verschwinden und meine Nase lĂ€uft stĂ€ndig, meine Nebenhöhlen fĂŒhlen sich immer wieder mal geschwollen an.

Meine Multitasking-FĂ€higkeiten sind stark dezimiert, ich kann mich selten auf mehr als eine Sache konzentrieren. Oft bringt mich schon eine einfache Frage, z. B. ob ich lieber Tee oder Kaffee möchte, völlig aus dem Konzept. Überhaupt fĂ€llt es mir oft sehr schwer, Entscheidungen zu treffen.

Und dann ist da manchmal dieses Freeze im Kopf. Als wĂ€ren da ein paar Synapsen tot. Plötzlich fehlen Worte, manchmal weiß ich mitten im Satz gar nicht mehr, was ich gerade gesagt habe, und noch viel weniger, was ich als nĂ€chstes sagen will oder zumindest könnte. Wie bei einem Computer, der kurz hĂ€ngt, nichts geht mehr, und dann lĂ€uft er weiter.

Diese MĂŒdigkeit. Ich bin so oft und so schnell so schrecklich mĂŒde. Aber keine Schlaf-MĂŒdigkeit, eher erschöpft, Akku leer. Fatigue eben. Die kenne ich von meiner Krebserkrankung. Letztes Jahr gab es lange Zeiten, in denen “auf der Couch rumliegen” fĂŒr mich BeschĂ€ftigung genug war. So schlimm es ist schon lĂ€nger nicht mehr. Aber dennoch ziemlich nervig, ich kann nicht mehr so viel machen. Ziemlich plötzlich ist dann der Akku leer, der Körper schlapp und trĂ€ge, der Kopf ebenso.

Manchmal habe ich so etwas wie Muskelkater - ĂŒberall. Jede Bewegung ist dann von einem Ziehen in den Muskeln begleitet. Nach ein wenig Bewegung geht es wieder weg. Setze ich mich hin und stehe nach einer Weile wieder auf, ist es wieder da. Dann muss ich mich wieder erst “einlaufen”.

Und mein Herz stolpert immer noch durchs Leben.

Ziemlich erstaunlich (fĂŒr mich) auch: Ich fahre seither fast nicht mehr Auto. Das reizt mich nicht, das ĂŒberfordert mich. Völlig ungewohnt fĂŒr mich.

Das Meiste davon ist im Laufe der Monate besser geworden, aber halt immer noch nicht ganz weg. Und manches schrÀnkt immer noch ziemlich ein.

So war es zum Beispiel vor zwei Jahren, als unser Auto neu war, kein Problem fĂŒr mich, vormittags zu arbeiten und nachmittags das Auto zum Camper auszubauen und abends dann noch irgendwas zu machen, Computer, TV, Spielen, whatever. Zurzeit renoviere ich den Camper. Dabei bin ich durchschnittlich zwei bis fĂŒnf Stunden am Tag beschĂ€ftigt - je nach Tagesform. Damit ist mein Tag aber auch ausgefĂŒllt, mehr schaffe ich nicht. Zwischendurch brauche ich einen Ruhetag und abends penne ich oft spĂ€testens um 21 Uhr auf der Couch ein. Dabei lasse ich mir bei der Renovierung Zeit, die zieht sich schon eine Weile hin.

Arbeiten kann ich gar nicht. Das fÀllt nur niemandem auf, weil ich es nicht muss, ich habe bekanntlich Ende 2021 meinen Job hingeschmissen.

Seit einer Weile macht ja die Runde, das sei alles nur psychosomatisch. Guess what? Das ist mir egal. Ob ich jetzt Long-Psycho oder Long-Covid habe, macht auf der Couch keinen Unterschied. FĂŒr mich macht es auch in der Behandlung keinen Unterschied, weil ich eh nicht zum Arzt gehe (ganz anderes Thema).

Deswegen bleibt die Maske auch weiterhin auf und Kontakte bleiben eingeschrÀnkt.

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dark*
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dark*
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