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Insolvenz 2002

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Manchmal brauche ich einen Auslöser, um mich aufzuraffen. Heute war jedenfalls einer da, in Gestalt der Seite Insolvenz2002 (gibt es nicht mehr) kam er daher und löste diesen Text aus:

Die 84.428 Insolvenzen des vergangenen Jahres sind auch an mir nicht spurlos vorbeigegangen. Jedenfalls 3 davon.

Die erste betraf die vieldiskutierte ELSA AG. Mein angeblich unkaputtbares 5-Jahres-Garantie-Modem hielt nicht einmal 1 Jahr durch und wurde von mir zwecks Inanspruchnahme der Garantie im Februar 2002 an die ELSA AG in Aachen eingesandt. Drei Tage spaeter wurde dort das Insolvenzverfahren beantragt. Mir wurde per Formbrief vom 19.04.2002 mitgeteilt, dass ich mein Eigentum entweder persönlich in Aachen in der Zeit vom 26.04.2002 bis 30.04.2002 abholen oder gegen Zahlung von 20 € bis 26.04.2002 zusenden lassen könne, danach sei “… eine Identifikation genau des in Ihrem Eigentum stehenden Gegenstandes (…) Ă€usserst problematisch und im Einzelfall undurchfĂŒhrbar.” Alternativ konnte ich besagtes Schreiben mit dem Vermerk “verschrotten” zurĂŒckschicken. Meine Anfrage, ob das GerĂ€t denn repariert sei, und mein Einwand, dass ich die GerĂ€tenummer notiert habe und somit sehr wohl mein Eigentum identifizieren kann, und darĂŒber hinaus der Betrag von 20 € völlig ĂŒberzogen sei, wurde mit dem gleichen Formschreiben, lediglich geĂ€nderter Fristsetzung bis zum 04.06.2002, beantwortet. Sehr fragwĂŒrdiges Vorgehen des vorlĂ€ufigen Insolvenzverwalters Rechtsanwalt Georg.

Diverse Online-Diskussionen bestĂ€tigten mir, dass es anderen ebenso erging. Stellenweise konnte ich lesen, dass Verbraucher Monate nach Zahlung der 20 € noch nichts weiter von dem Herrn Georg oder der ehemaligen ELSA AG gehört hatten. Aufgrund der Internetlosigkeit ab Juli 2002 konnte ich die Sache nicht weiter verfolgen. Mein Modem habe ich abgeschrieben. Mit einem kaputten GerĂ€t kann ich eh nichts anfangen, ausserdem besitze ich noch ein weiteres Modem und zeitgemĂ€ss sind diese Dinger ja auch nicht mehr.

Im September meldete sich die Firma ELSA als ELSA GmbH zurĂŒck. Allerdings ist die Internetseite der ELSA GmbH zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes nicht erreichbar. Ob es etwas mit den finanziellen Schwierigkeiten, unter denen wohl besonders die Mitarbeiter zu leiden haben, zu tun hat, war nicht herauszufinden.

Meine zweite unfreiwillige Teilnahme an einem Insolvenzverfahren betrifft die Autovermietung Arndt. Dort hatte ich fĂŒr meinen Umzug nach Berlin am 25./26.07.2002 einen Transporter ausgeliehen. Die Konditionen entsprachen der ĂŒblichen GeschĂ€ftspraxis, nach der eine Anzahlungssumme in Höhe der zu erwartenden Kosten (inklusive voraussichtliche Kilometer) bei Anmietung verlangt und nach RĂŒckgabe verrechnet wird. Durch einen Computer-Fehler wurden mir allerdings 999 gefahrene Kilometer (entspricht 159,84 € zuzĂŒglich 16 % MwSt) zuviel berechnet, weswegen die Sache nicht ganz so reibungslos ĂŒber die BĂŒhne ging, wie es normalerweise der Fall ist. Ich sandte also Anfang August 2002 meine diesbezĂŒgliche Beschwerde nebst beweisenden Papieren an die Arndt AG und erhielt Mitte Oktober eine am 08.10.2002 ausgestellt und auf den 10.09.2002 rĂŒckdatierte, korrekte Abrechnung, aus der sich ein Guthaben von 21,45 € zu meinen Gunsten ergibt - mit dem Hinweis: “Sie verpflichten sich, den sich aus diesem Vertrag ergebenden Betrag vollumfĂ€nglich zu bezahlen. (Bankverbindung) Sie verzichten ausdrĂŒcklich darauf, mit möglichen AnsprĂŒchen aus der Zeit vor dem 11.09.2002 aufzurechnen.” Hm? Ich schrieb zurĂŒck, dass ich mein Guthaben innerhalb der nĂ€chsten 14 Tage auf meinem Konto erwarten wĂŒrde. Anfang November erhielt ich ein Schreiben der Metzler - van Betteray, ich soll meine AnsprĂŒche beziffern, was ich auch umgehend tat. Seither hĂ€lt man mich seitens der Anwaltskanzlei auf dem Laufenden, meine AnsprĂŒche wurden auch am 31.03.2003 festgestellt, eine Auszahlung ist bisher jedoch nicht erfolgt.

Die dritte und unspektakulĂ€rste Pleite in meinem direkten Umfeld betraf den Tabak-Laden, bei dem ich regelmĂ€ssiger Abnehmer war. Im September stand ich dort unvorbereitet vor verschlossenen TĂŒren. Eine Woche spĂ€ter war zwar wieder eröffnet, aber mit weit geringerem Warenangebot. Am 1. April diesen Jahres meldete die Presse, dass 6 von 19 GeschĂ€ften bereits verkauft werden mussten.

Auch der sinnloseste und unglĂŒckseligste Tag scheint am Ende gut verbracht, wenn man durch den blauen, wohlriechenden Rauch einer Havanna auf ihn zurĂŒckschaut.
Diese Aussage der englischen Schriftstellerin Evelyn Waugh ist auf der InternetprÀsenz der Firma Wolff Tabac & Cigars zu lesen.

Insolvenz 2002 - Ich war dabei!

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