Der Geruch reifer Bananen erinnert mich stets an Granny, die Stute, die meine Tochter und mich 15 Jahre durch unser Leben begleitet hat.
Bevor wir in diesem Stall aufgeschlagen sind, in dem meine Tochter reiten lernte und unser Pferd ungefähr die Hälfte dieser 15 Jahre stand, wusste ich nicht, dass Pferde Bananen mögen. Ich wusste generell nicht allzu viel über Pferde trotz frührer Reitstunden und sogar kurzzeitigen Besitzes eines Haflinger-Wallachs namens Wiggerl.
Wie auch immer, ich stand Banane essend neben der Box, Frau Pferd steckte ihre Nase durch die Öffnung zum Füttern in den Gitterstäben und wirkte äußerst interessiert. “Das ist eine Banane, das magst du bestimmt nicht.” Ich hatte den Satz noch nicht ganz zu Ende gesagt, da verschwand der Rest der Banane nebst Schale im Maul des nun genüsslich kauenden Pferdes. Den ganzen Nachmittag roch das Tier wie ein Baby, es roch nach Bananenbrei. Strange.
Seither erinnert mich der Geruch reifer Bananen an unser Pferd. Eigentlich war es gar nicht “unser”, sondern das meiner Tochter, die das Tier zum 14. Geburtstag von mir und ihrem Vater geschenkt bekam. Aber da ich ständig im Stall dabei war und mich genauso viel kümmerte und Granny als Familienmitglied betrachtete, war und ist sie für mich immer “unser”.
Ich vermisse sie sehr. Gar nicht mal das Reiten, ich bin keine gute Reiterin, war ich nie. Nein, ich vermisse den Stall, den Umgang mit Pferden, sich kümmern, füttern, rausbringen, reinholen ja sogar das Ausmisten.
Als wir Granny gekauft haben, war sie Reitschulpferd, ranghoch in der Herde und entsprechend selbstbewusst, zickig, bissig und trat nach allem, was sich hinter ihr bewegte - bevorzugt nach anderen Pferden. Viele Reitschüler hatten Angst vor ihr. Nicht so meine Tochter, die hat sie vom ersten Tag an geliebt und vergöttert. Durch gemeinsames Lernen, viel Bodenarbeit, Ruhe und Geduld haben wir aus dieser unberechenbaren Zicke eine zuverlässige Partnerin in allen Lebenslagen gemacht, auf die man sich verlassen konnte. Selbstredend hat meine Tochter ihre Partnerin im Mai 2019 in ihrer schwersten Stunde begleitet.
Ich vermisse sie noch heute. Und trinke mal wieder meine Bananenmilch mit einem Kloß im Hals.