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Das optimale Fischphoto

 ·  ÔśĽ 3 Minuten zum Lesen  ·  ÔťŹ´ŞĆ dark*

Die Scheiben sind von innen und au├čen gereinigt und der Raum ist abgedunktelt. Der alte, wackelige Barhocker aus dem Keller wurde zum Stativ umfunktioniert, Nervennahrung in Form von einer Tasse Kaffee und einer T├╝te Gummib├Ąrchen ist vorbereitet, der Aquarienphotograph ist hochmotiviert, hockt sich hinter die Kamera und wartet auf den g├╝nstigen Augenblick f├╝r das optimale Fischphoto.

Nach zehn Minuten fangen die Augen zu tr├Ąnen an, weil er beim Starren aufs Display das Blinzeln vergessen hat. Kein einziges Exemplar der liebevoll gepflegten Fischsuppe ist bisher durch den 10 x 10 cm Ausschnitt geschwommen. Die armen Kleinen habe sicher Angst vor der Kamera.

Hektische Bewegungen vermeidend nimmt der Photograph die Kamera in die H├Ąnde und schwenkt durchs Becken. Irgendwo m├╝ssen sie ja sein. Da ist ein Guppy! Fokussieren, knippsen und …. auf dem Display ist gerade noch eine verwischte Schwanzflosse zu sehen, die auch nur mit viel Phantasie als solche zu erkennen ist. Dieses Spiel wiederholt sich ungez├Ąhlte Male ohne nennenswerten Erfolg. So geht es nicht. Die dummen Fische halten nicht still.

Das Equipment wird umgebaut, der Stuhl verschoben, die Kamera anders positioniert, der mittlerweile kalte Kaffee getrunken und der Photograph begibt sich wieder hinter der Kamera hockend in Lauerstellung und mampft Gummib├Ąrchen.

Eine Garnele kommt emsig den Bodengrund durchw├╝hlend ins Bild und bleibt stehen. Der Photograph zuckt zusammen, schmei├čt die Gummib├Ąrchent├╝te auf das Sofa und fokussiert die freundlich l├Ąchelnde Garnele. Als diese sieht, dass der Finger den Ausl├Âser langsam durchdr├╝ckt, winkt sie nochmal mit dem linken F├╝hler und flitzt aus dem Bild. Schei├č Vieh!

V├Âllig entnervt beschlie├čt der Photograph sich an einfacheren Motiven zu versuchen um die Session wenigstens mit einem guten Bild abzuschlie├čen. Die Dank guter F├╝tterung so zahlreich vorhandenen Schnecken sind hervorragende Photomodelle und nett aussehen tun sie au├čerdem. Bl├Âderweise habe sie sich ausgerechnet heute v├Âllig unsichtbar gemacht. Wie ├╝berall im Leben sind die, die man gerade braucht, nie da.

Was letztendlich bleibt ist eine Pflanze zu photographieren. Des Photographen Lieblingsmotiv, die Anubias, hat vom letzten Wasserwechsel noch eine dicke Luftblase an der Unterseite eines Blattes h├Ąngen. Die sollte sich doch gekonnt in Szene setzen lassen! Die Kamera in Position, die Luftblase fokussiert, der Ausl├Âser wird durchgedr├╝ckt und … Diese verfluchten Guppys! M├╝ssen die ausgerechnet jetzt durchs Bild schwimmen?!

Dem Photographen reicht’s. Er gibt auf und r├Ąumt seinen Kram weg. Bevor er den Raum verl├Ąsst, schmei├čt er noch eine Futtertablette ins Aquarium. Verdient haben die Mistviecher die Belohnung zwar nicht, aber was soll’s. Beim Anblick des Futterneidgewusels sinnt er auf Rache und z├╝ckt ein letztes Mal die Kamera. Diesmal mit Blitz, das habt ihr nun davon!

So gibt es heute doch noch ein Fischphoto.

Fischphoto

Und auch die Luftblase lie├č sich knipsen.

Fischphoto

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