(-: Weihnachten :-)

Kurz nach 14:00 Uhr. Scheiße, verpennt! Und das am heiligen Abend. Aufgewacht, weil’s Handy geklingelt hat, Schatzi wollte wissen, wann sie und ihr Dad denn kommen sollen. „Jetzt nicht!“, knurre ich ins Telephon und nuschele noch ein: „So gegen vier“, hinterher. Ob dann auch das Essen fertig sei, will sie von mir wissen. „Du hast Nerven! Ich bin noch gar nicht wach und kann jetzt noch nicht kochen. Wir essen heute Abend.“ Wie ich es hasse, nach dem Aufwachen so viel reden und auch noch denken zu müssen!

Aber heute ist (-: Weihnachten :-)

„Bis später, Schatzi!“ Erstmal Kaffee trinken und online gehen … ich fühle mich elend … ’ne SMS von 12.41 Uhr, ich soll mal anrufen. Jetzt ist es zu spät, leider, aber mag eh nicht telephonieren, mag gar nichts gerade.

Ich hinterlasse einen virtuellen Gruß, den einzigen, dann muss ich unter die Dusche, schon 14:30 Uhr. Ich hasse diese Hetze!

Aber heute ist (-: Weihnachten :-)

Nach dem Duschen muss ich in den Keller, meinen 60-cm-Plastikbaum samt Kugeln, Watte-Schnee und Lichterketten rauskramen. Der kleine Koffer mit diversen Briefen und Karten fällt mir auf und irgendetwas veranlasst mich, ihn aus dem Regal zu nehmen. Ich stöbere darin herum um etwas zu finden, von dem ich nicht einmal weiß, ob es überhaupt existiert. Unangenehmes überfliegen und schnell weglegen. Warum bewahre ich eigentlich jeden Scheiß auf? Bei seltenem Angenehmen kurz mit einem müden Lächeln (Ich fühle mich schließlich immer noch elend und bade im Selbstmitleid, da ist mehr als ein müdes Lächeln nicht drin!) verweilen. Da! Der Brief! Eigentlich mag ich ihn gar nicht lesen, aber vielleicht … Ja! Strike! Diese Schlacht vom Rosenkrieg habe ich gewonnen. Vielleicht sogar den ganzen Krieg.

Halleluja! (-: Heute ist Weihnachten :-)

Ich stehe im Keller und trällere Weihnachtslieder. Das ist das schönste Weihnachtsgeschenk, was mein Mann mir jemals gemacht hat. Und wieder einmal stellt er sich ohne es zu merken selbst ein Bein.

Mittlerweile ist es kurz nach vier und mein Plastikbäumchen will nicht so recht seine glanzvolle Form vergangener Jahre annehmen. Ich stöbere in dem Karton mit Kugeln und Figuren und noch mehr Dekokram herum, als Schatzi klingelt. Mit meiner Weihnachtsmütze auf dem Kopf präsentiere ich ihr das schiefe Häufchen Weihnachts-Elend. Wir überlegen, ob wir nicht doch die Vorjahres-Tanne aus dem Garten wieder ausbuddeln sollen, verwerfen diesen Gedanken jedoch wieder aus Mitleid mit dem grünen Kunststoff-Klumpen, der uns schon seit Jahren dekorative Dienste leistet (naja und aus Faulheit). Der arme, kleine Kerl wird mit einer 20er-Lichterkette, Mini-Kugeln und -Glocken, diversen Holz-Bärchen, Keramik-Schlitten und Watte-Schnee überladen; die rote Spitze obendrauf – Fertig ist unser Meisterwerk.

Anschließend werden das Aquarium samt Unterschrank und Elch, der Kerzenständer und der Türrahmen mit Watte eingeschneit. Schatzi hat Spaß und ich mag Kitsch; obwohl es eigentlich gar nicht kitschig wirkt. Codo und Katerchen kommen, wir trinken Kaffee, mampfen selbstgebackene Plätzchen und das nervige Kind kann endlich die Geschenke auspacken.
Abends nach dem Essen kommt J. zu Besuch. Eigentlich wollte sie heute gar nicht vorbeikommen, weil sie meinte, dass sie ja schließlich nicht zur Familie gehören würde. Aber Schatzi und ich sagten wie aus einem Mund: „Doch!“.

(-: Ich mag Weihnachten :-)

Ich weiß gar nicht, warum so viele Leute Probleme mit diesem Fest haben. Endlich ist der Tag da, an dem die konsumgesteuerte Hektik und der kommerzielle Stress, den die Menschen sich in der Vorweihnachtszeit machen, vorbei sind. Es ist so wunderbar ruhig draußen, dass man den Eindruck bekommen kann, die ganze Welt steht still. Es sind Tage, an dem ganz sicher keine unerwünschten Besucher oder Anrufer nerven, an denen man die Füße hochlegen und die Seele baumeln lassen kann ohne komisch oder lustlos oder was auch immer zu wirken, an denen man sich ausschließlich mit Dingen beschäftigen kann, die man gern macht und an denen man sich nur mit Menschen abgeben muss, die man gern hat.
Wir sitzen zusammen, quatschen, Internet läuft nebenbei, wir machen Spiele, trinken Tee und futtern Plätzchen. Der Abend ist wie er sein soll: ruhig und harmonisch. Probleme wurden heute mit der Jacke an der Garderobe abgegeben; man muss auch mal vergessen können, wenigstens für ein paar Stunden. Einmal im Jahr kann ich das ganz sicher und deswegen mag ich

(-: Weihnachten :-)

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