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strange

 ·  ÔśĽ 2 Minuten zum Lesen  ·  ÔťŹ´ŞĆ dark*

Ich musste meine USt-Voranmeldung machen. Seit dem Feuer im August hab ich alle Papiere in einen Schuhkarton geschmissen, nichts sortiert, nichts geordnet, ohne Nachdenken, ohne Interesse - entgegen fr├╝herer Gewohnheiten. Ich musste diesen Schuhkarton komplett ausr├Ąumen und durchsehen inwieweit er steuerrelevante Unterlagen enthielt. Und bei diesem W├╝hlen in meinen eigenen Papieren, was ich schon seit drei Monaten nicht mehr tat, ├╝berkam mich das gleiche eigenartige Gef├╝hl wie damals, als wir die Papiere von M.A.G. nach seinem Tod durchgesehen haben. Das Gef├╝hl, die Privat-Angelegenheiten eines Toten zu durchst├Âbern. Ein merkw├╝rdiges Gef├╝hl, begleitet von dem Gedanken, etwas Unrechtes zu tun. Schwer zu beschreiben wie alle Gef├╝hle.

Gefangen in meinem eigenen Gedankenkreis ohne Ausweg, bewegungsunf├Ąhig, wie gel├Ąhmt sa├č ich da, w├Ąhrend im Hintergrund Musik lief, die ich gar nicht mochte, die aber eigenartigerweise zu meiner seltsamen Stimmung passte. Ich durchw├╝hlte den Papierkram einer Toten. So f├╝hlte ich mich jedenfalls, aufgeschreckt, durch ein Ger├Ąusch im Treppenhaus, f├╝hlte ich mich wie ertappt, fiel aber gleich darauf wieder in die Lethargie zur├╝ck, die sich zuvor eingeschlichen hatte. Wie mechanisch sah ich alle Schriftst├╝cke und Belege durch, robotergleich sortierend, nicht dar├╝ber nachdenkend, was ich tat, sondern lediglich erstaunt und verwundert, was f├╝r Interessen die Person hatte, deren Kram ich durchsah. Nichts mit dem ich mich h├Ątte identifizieren k├Ânnen, absolut nichts, alles erschien mir fremd irgendwie, als w├╝rde es nicht mir geh├Âren. Schriftst├╝cke, die auf ein arbeitsreiches Leben hinweisen, Zettel mit Telephon-Nummern diverser Bekannter, deren Namen mir teilweise sogar fremd erscheinen, Papiere von Schatzis Schule - Oh, die Person ist Klassenpflegschaftsvorsitzende, das hatte ich v├Âllig vergessen. Eine Menge Quittungen ├╝ber neu gekauften Hausrat, M├Âbel, K├╝chenger├Ąte, etc. Alles noch sch├Ân verpackt, unber├╝hrt im Schrank, dieser Tatsache wurde ich mir bewusst, fragte ich mich, ob ich jemals diese Dinge w├╝rde nutzen, w├╝rde nutzen wollen, w├╝rde nutzen k├Ânnen, oder ob bis dahin jemand anders - vielleicht mit ├Ąhnlichen Gef├╝hlen wie ich heute - in meinen Papieren st├Âbern w├╝rdeÔÇŽ

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dark*
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dark*
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