11 von 17

Heute vor einem Jahr bekam ich meine zweite Chemo, die letzte im Oktober letzten Jahres. Und wenn ich mich nicht verzählt habe, bekomme ich heute die 11. von insgesamt 17 Trastuzumab-Infusionen. Da ist es mal wieder an der Zeit, ein wenig über die Nebenwirkungen zu berichten.

Wenn ich morgens aufstehe, tun mir immer noch die Fußsohlen weh. Das Gefühl ist etwas schwer zu beschreiben, es fühlt sich in etwa so an, als würde ich über ein Feld aus Glasscherben laufen. Zumindest stelle ich mir das so vor, bisher bin ich ja noch nicht über ein Feld aus Glasscherben gelaufen. Es ist aber nicht der Schmerz alleine, der die ersten Schritte am Morgen so unangenehm und auch schwierig macht, sondern die fehlende „Datenübermittlung“ von meinen Fußsohlen ans Gehirn. Dadurch habe ich leichte Probleme damit, das Gleichgewicht zu halten und halbwegs geradeaus zu laufen.

Hinzu kommen Knochen- und vor allem Gelenkschmerzen. Meine Fußgelenke, meine Kniegelenke und die Hüftgelenke schmerzen fürchterlich. Das tun sie morgens, nach dem Aufstehen, aber auch den restlichen Tag über, nachdem ich längere Zeit gesessen habe. Nach ein paar Schritten habe ich mich meist eingelaufen. Lediglich die Probleme in den Knien sind sehr hartnäckig. Ich kann mich nicht hinknien, das schmerzt. Und wenn ich in die Hocke gehe, komme ich aus eigener Kraft nicht mehr hoch. Im Kniegelenk ist überhaupt keine Kraft mehr und es schmerzt beim Strecken. Wenn ich dann irgendwann mit Aufstützen und Hochziehen wieder auf meinen zwei Beinen stehe, lassen die Schmerzen wieder nach.

Hocken und Knien lassen sich ja noch vermeiden. Ein weiteres Problem sind meine Finger und meine Handgelenke. In den Fingerkuppen habe ich nicht mehr so viel Gefühl wie vorher. Auch habe ich in den Fingern und Handgelenken fast kein Kraft und die Handgelenke schmerzen häufig. Ein Marmeladenglas öffnen kann zur unlösbaren Herausforderung werden.

Meine Fingernägel sind immer noch brüchig und die Haut an meinen Fingerkuppen ist trocken wie sau. Ganz schlimm ist es, wenn sie nass werden. Spülen, putzen etc. geht nur noch mit Handschuhen, sonst bröseln mir die Fingernägel weg und die Haut löst sich. Das Problem habe ich auch nach dem Duschen, wo es sich naturgemäß nicht vermeiden lässt, dass meine Hände mit Wasser in Berührung kommen. Ohne Nagelfeile kann ich nirgendwo hingehen und ständig feile ich an den Nägeln herum, um Kanten und Ecken zu glätten, die das Gebrösel hinterlassen hat.

Meine Augen sind mittlerweile so schlecht, dass ich diese Woche zum ersten Mal das Gefühl hatte, auch nicht mehr ohne Brille Fahrrad fahren zu können. Im oberen linken Quadranten meines Gesichtsfelds habe ich außerdem eine trübe Stelle. Ich muss dringendst mal zum Optiker.

Meine Haare wachsen nicht besonders schnell und total ungleichmäßig. Gesundes Haar wächst ca. 15 cm pro Jahr, also etwas mehr als einen Zentimeter im Monat. Meine Haare sind seit der letzten Chemo etwa 4 cm am Hinterkopf und ca. 2 cm an der Stirn, wo einst der Pony war, gewachsen. Als würde das allein nicht schon bescheuert genug aussehen, sind sie jetzt wellig, was total beschissen aussieht. Auch die Struktur der Haare hat sich verändert. Ich mag meine neuen Haare überhaupt nicht. Meine Augenbrauen wachsen eher spärlich, breiten sich dafür nach oben und unten weiter aus. Keine Ahnung, was ich mit denen machen soll. Um sie in Form zu zupfen, sind es zu wenig. Meine Wimpern sind viel kürzer als vorher. Der morgendliche Blick in den Spiegel macht mich todunglücklich. Gepaart mit einer weitere Nebenwirkung, einem ausgesprochen filigranen Nervenkostüm mit Null-Belastbarkeit ist das eher unpraktisch.

Neulich hatte ich wieder wochenlang mit Gandolf, meiner zickigen Gallenblase zu kämpfen. Oft habe ich Sodbrennen und überhaupt ist mein ganzes Verdauungssystem recht empfindlich und instabil.

So. Und da ich nicht nur Haar verloren habe, darf ich mir mit diesen Voraussetzungen jetzt auch noch einen neuen Nebenjob suchen. Ich könnte dann auch mal ein kleines Quäntchen Glück gebrauchen …

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