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 ·  ☕ 3 Minuten zum Lesen  ·  ✍ dark*

Heute vor einem Jahr bekam ich meine zweite Chemo, die letzte im Oktober letzten Jahres. Und wenn ich mich nicht verzĂ€hlt habe, bekomme ich heute die 11. von insgesamt 17 Trastuzumab-Infusionen. Da ist es mal wieder an der Zeit, ein wenig ĂŒber die Nebenwirkungen zu berichten.

Wenn ich morgens aufstehe, tun mir immer noch die Fußsohlen weh. Das GefĂŒhl ist etwas schwer zu beschreiben, es fĂŒhlt sich in etwa so an, als wĂŒrde ich ĂŒber ein Feld aus Glasscherben laufen. Zumindest stelle ich mir das so vor, bisher bin ich ja noch nicht ĂŒber ein Feld aus Glasscherben gelaufen. Es ist aber nicht der Schmerz alleine, der die ersten Schritte am Morgen so unangenehm und auch schwierig macht, sondern die fehlende „DatenĂŒbermittlung“ von meinen Fußsohlen ans Gehirn. Dadurch habe ich leichte Probleme damit, das Gleichgewicht zu halten und halbwegs geradeaus zu laufen.

Hinzu kommen Knochen- und vor allem Gelenkschmerzen. Meine Fußgelenke, meine Kniegelenke und die HĂŒftgelenke schmerzen fĂŒrchterlich. Das tun sie morgens, nach dem Aufstehen, aber auch den restlichen Tag ĂŒber, nachdem ich lĂ€ngere Zeit gesessen habe. Nach ein paar Schritten habe ich mich meist eingelaufen. Lediglich die Probleme in den Knien sind sehr hartnĂ€ckig. Ich kann mich nicht hinknien, das schmerzt. Und wenn ich in die Hocke gehe, komme ich aus eigener Kraft nicht mehr hoch. Im Kniegelenk ist ĂŒberhaupt keine Kraft mehr und es schmerzt beim Strecken. Wenn ich dann irgendwann mit AufstĂŒtzen und Hochziehen wieder auf meinen zwei Beinen stehe, lassen die Schmerzen wieder nach.

Hocken und Knien lassen sich ja noch vermeiden. Ein weiteres Problem sind meine Finger und meine Handgelenke. In den Fingerkuppen habe ich nicht mehr so viel GefĂŒhl wie vorher. Auch habe ich in den Fingern und Handgelenken fast kein Kraft und die Handgelenke schmerzen hĂ€ufig. Ein Marmeladenglas öffnen kann zur unlösbaren Herausforderung werden.

Meine FingernĂ€gel sind immer noch brĂŒchig und die Haut an meinen Fingerkuppen ist trocken wie sau. Ganz schlimm ist es, wenn sie nass werden. SpĂŒlen, putzen etc. geht nur noch mit Handschuhen, sonst bröseln mir die FingernĂ€gel weg und die Haut löst sich. Das Problem habe ich auch nach dem Duschen, wo es sich naturgemĂ€ĂŸ nicht vermeiden lĂ€sst, dass meine HĂ€nde mit Wasser in BerĂŒhrung kommen. Ohne Nagelfeile kann ich nirgendwo hingehen und stĂ€ndig feile ich an den NĂ€geln herum, um Kanten und Ecken zu glĂ€tten, die das Gebrösel hinterlassen hat.

Meine Augen sind mittlerweile so schlecht, dass ich diese Woche zum ersten Mal das GefĂŒhl hatte, auch nicht mehr ohne Brille Fahrrad fahren zu können. Im oberen linken Quadranten meines Gesichtsfelds habe ich außerdem eine trĂŒbe Stelle. Ich muss dringendst mal zum Optiker.

Meine Haare wachsen nicht besonders schnell und total ungleichmĂ€ĂŸig. Gesundes Haar wĂ€chst ca. 15 cm pro Jahr, also etwas mehr als einen Zentimeter im Monat. Meine Haare sind seit der letzten Chemo etwa 4 cm am Hinterkopf und ca. 2 cm an der Stirn, wo einst der Pony war, gewachsen. Als wĂŒrde das allein nicht schon bescheuert genug aussehen, sind sie jetzt wellig, was total beschissen aussieht. Auch die Struktur der Haare hat sich verĂ€ndert. Ich mag meine neuen Haare ĂŒberhaupt nicht. Meine Augenbrauen wachsen eher spĂ€rlich, breiten sich dafĂŒr nach oben und unten weiter aus. Keine Ahnung, was ich mit denen machen soll. Um sie in Form zu zupfen, sind es zu wenig. Meine Wimpern sind viel kĂŒrzer als vorher. Der morgendliche Blick in den Spiegel macht mich todunglĂŒcklich. Gepaart mit einer weitere Nebenwirkung, einem ausgesprochen filigranen NervenkostĂŒm mit Null-Belastbarkeit ist das eher unpraktisch.

Neulich hatte ich wieder wochenlang mit Gandolf, meiner zickigen Gallenblase zu kĂ€mpfen. Oft habe ich Sodbrennen und ĂŒberhaupt ist mein ganzes Verdauungssystem recht empfindlich und instabil.

So. Und da ich nicht nur Haar verloren habe, darf ich mir mit diesen Voraussetzungen jetzt auch noch einen neuen Nebenjob suchen. Ich könnte dann auch mal ein kleines QuĂ€ntchen GlĂŒck gebrauchen 


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dark*
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