Die erste Nacht

Gestern Abend habe ich zum ersten Mal eine zweite Tablette nehmen müssen. Geschlafen habe ich recht gut, von Einschlafproblemen abgesehen – aber diese führe ich nicht auf die Tabletten zurück, die waren vorher schon da. Ich glaube, ich habe tief und fest geschlafen, habe weder Hagel noch Regenguss mitbekommen, was hier in der Dachwohnung sonst eigentlich immer der Fall ist.

Eine unangenehme Nebenwirkung hat sich mittlerweile überdeutlich herausgebildet: Insbesondere morgens wird mir nach der Tabletteneinnahme extrem übel. Das hält etwa 15 Minuten an, in denen ich kurz davor bin, mich zu übergeben. Danach geht es wieder. Schwindelig ist mir nach wie vor über einen längeren Zeitraum, aber das ist auszuhalten.

Auffallend ist, dass ich nur noch ungefähr halb soviel rauche wie zuvor. Das Verlangen ist kaum noch da. Die meisten Zigaretten werden aus Gewohnheit oder Langeweile geraucht.

Ich werde ein paar meiner Gewohnheiten ändern müssen. So rauche ich z.B. immer noch eine mit der Arbeitskollegin, bevor ich nach Hause fahre. Das hat sich in den letzten zwei Jahren zum festen Ritual entwickelt. Wir brauchen ein neues Ritual. Seltsam war es auch heute Morgen, als der Kaffee fertig war. Für gewöhnlich gehe ich nach dem ersten Schluck Kaffee auf den Balkon eine Zigarette rauchen. Heute Morgen kam ich erst nach einer guten halben Stunde überhaupt auf die Idee.

Größtenteils bin ich dazu übergegangen, dem Rauchverlangen nicht wie sonst sofort nachzugeben. Ich zwinge mich dann, noch etwas zu warten. Auch das fällt mir nicht schwer und meist habe ich schnell wieder vergessen, dass ich eine Zigarette wollte. Das geht mitunter zwei- bis dreimal, bevor ich dann doch rauche.

Für mich als Hardliner, der noch nie ernsthaft versucht hat aufzuhören, sind diese Fortschritte enorm. Es gibt eine Menge Leute, die von meinem aktuellen Experiment noch gar nichts wissen, die aber vermutlich aus allen Wolken fallen werden, sollte es gelingen. Kaum jemand, der mich gut kennt – mich eingeschlossen – kann sich vorstellen, dass ich nicht rauche.

Ein Kommentar:

  1. Das liest sich ja schonmal ganz gut. Bis auf die Nebenirkungen, die ich – auch wenn sie erträglich seien – für bedenklich halte. Da protestiert der Organismus schon recht heftig gegen das Zeug. Aber das hat er am Anfang auch gegen Zigaretten getan. Und man hört deshalb nicht auf. Bei diesen Fortschritten bin ich besonders gespannt, wie es nach den 120 Tagen weitergeht.

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