Alter

Gestern stieg ein alter Mann in den Bus. „Hallo, Mensch du lebst ja noch.“, begrüßte ihn der Busfahrer. „Na, warum soll ich denn nicht mehr leben?“ kam die verwunderte Frage zurück. Mir fielen spontan ein paar Gründe ein, aber um mich ging es ja nicht. „Das sagt man doch nur so.“, mischt die Alte Frau auf dem Sitzplatz hinter dem Fahrer sich ein. Wie auf Bestellung steigt an der nächsten Haltestelle ein junges Pärchen mit einem Kranz ein. „In tiefer Trauer“ steht auf der Schleife. Der alte Mann erklärt wie gut er sich fühle und das sei das Wichtigste. „Was man einmal hat, kann einem keiner mehr nehmen.“ Ich wünschte, ich könnte seine Einstellung teilen. Es folgt Rentner-Smalltalk über das Wetter und so. Ich muss an die Bresso-Werbung denken „Können Sie nicht lesen, Gnädigste? Während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen! Das gilt auch für Senioren! Und jetzt raus!“ und muss lachen. Man macht einen leicht irren Eindruck, wenn man schweigend im Bus sitzt und plötzlich anfängt zu lachen.

Gestern schon nur äußerst mühsam aus dem Bett gekrochen, habe ich heute verpennt, genau genommen den Wecker im Halbschlaf ausgemacht und weiter geschlafen. Blöde Zeitumstellung, ich glaube, ich bin zu alt für so’n Mist.
Zwei Zeichen des älter Werdens: die Flexibilität lässt nach und die Zeit rinnt davon wie Sand zwischen den Fingern – ob zwischen beiden ein Zusammenhang besteht?

Eines meiner Lieblings-Alben läuft gerade: schweisser – heiland

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