Rosenmontag

Der Rosenmontagszug ist vorbei, die meisten Gäste sind gegangen. Außer dem Gastgeber und der Gastgeberin sind noch drei weitere Männer und eine Frau anwesend. Man sinniert – alkoholseelig – über frühere Zeiten, vergangene Rosenmontagszüge und überhaupt.

Nä, wat wor dat dann fröher en superjeile Zick
Mit Träne in d’r Auge loor ich manchmol zurück.
Bin ich hück op d’r Roll nur noch half su doll.
Doch hück Naach weiß ich nit wo dat enden soll.

Der Hausherr mit zwei anderen der betrunkenen Resttruppe hängt immer noch am Fenster und beobachtet die Putzkolonne, die traditionell alle Hände voll zu tun hat. Plötzlich laute Stimmen, rüde Töne, wüste Schimpfworte, gedämpft von unten und lautstark aus dem Wohnzimmer. Die Gastgeberin sitzt mit dem Rest in der Küche, sammelt Gläser und Müll ein, spült schon usw. Ein Knall, Scherben fliegen, die drei vom Fenster stürmen nach unten. Frust entlädt sich offensichtlich. Eine Frau kreischt ständig: „Lasst uns in Ruhe!“, russisches Geschrei dazwischen, die drei oben geblieben gehen neugierig zum Fenster.

Alle stehen nur rum. Die drei aus der Wohnung stehen auf dem Gehweg, fünf oder sechs Russen mit einer weiblichen Begleitung stehen auf der Straße. Ein Russe im Blaumann wird von seinen Kumpeln festgehalten ebenso wie die kreischende Frau, die trotz aller Bewegungslosigkeit im halbminütigen Abständen immer wieder obigen Satz plärrt. Plötzlich reisst sie sich los und schlägt auf den Gastgeber und einen seiner Gäste mit einem weißen Plastikhelm ein, immer wieder „Lasst uns in Ruhe!“ brüllend. Der Typ im Blaumann hat sich losgerissen, man sieht nur noch, wie der zweite Gast von drei Männern hinter einen parkenden VW-Bus gezerrt wird. Der Gastgeber wimmelt die hysterische Tussi ab und packt einen der drei Typen am Kragen um seinen Gast zu befreien.

Die Hausherrin putzt die Wohnung weiter. Der tut nix, der will nur spielen, denkt sie sich grinsend. Es wird immer lauter draußen, und als sie wenige Minuten später aus dem Fenster sieht, weil einer der Gäste wieder allein in die Wohnung kommt, ist die ganze Straße von Polizeiwagen zugestellt. Eine etwa 15 Mann starke Deeskalationstruppe ist angerückt und versucht die frustrierten Kampfhähne auseinander zu bekommen. Plötzlich sind da nur noch zwei Russen, die hysterische Tussi ist verschwunden.

Eigentlich wäre nun alles gut gewesen, wenn der Gastgeber nicht bockig geworden wäre. Er wollte seinen Ausweis nicht vorzeigen, behauptete, er hätte ihn nicht dabei, der wäre oben in der Wohnung. Die Gastgeberin fand das merkwürdig, trägt er den doch sonst immer in der Hosentasche mit sich herum. (Als er wieder nüchtern war, gab der Hausherr zu, des Denkens unfähig gewesen zu sein.) Begleitet von fünf oder sechs Polizisten wankte er nach oben. In der Wohnung angekommen, gab ihm der Alkohol dann den Rest. Er dreht sich plötzlich um, packte einen der Polizisten am Kragen und erklärte ihm, dass er in der Wohnung überhaupt gar nichts zu suchen hätte und deswegen auch nicht reinkäme. Als er die Faust drohend hob, hatten die Polizisten dann endgültig genug.

Sie überwältigten ihn im Flur, drückten ihn zu Boden und legten ihm die Handschellen an: Ausnüchterungszelle. Die Hausherrin stand in der Wohnzimmertür gelehnt, sah sich das Schauspiel an und gab anschließend seine Personalien zu Protokoll. Nachdem die Herrschaften weg waren und die Party so abrupt beendet wurde, genehmigte sie sich in der Küche noch ein Pils aus dem 30-Liter-Fass, schenkte den Übriggebliebenen auch noch ein und stimmte ein Liedchen an:

Da simmer dabei! Dat is prima!

Ein Kommentar:

  1. Ja, die närrischen Tage…. bin ich immer froh, dass sowas (relativ) spurlos an mir vorübergeht. Ich verkrieche mich dann immer und lese anderntags in den Zeitungen, was ich denn wieder mal so alles verpasst habe. :-)

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