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Flashback I

 ·  ☕ 3 Minuten zum Lesen  ·  ✍ dark*

Eigentlich ganz harmlos, das GesprĂ€ch ĂŒber Musik, begonnen durch Rumblödeln und dann meine Frage nach dem Musikgeschmack, gestellt aus Neugier, seit langem zum ersten Mal wieder interessiert an einem Menschen und einem Blick hinter dessen Fassade. Trance/Dancefloor. Darunter kann ich mir alles und nichts vorstellen. Klar, die ungefĂ€hre Richtung ist bekannt, aber Musik nach ihren Stilrichtungen einzuordnen fĂ€llt mir ebenso schwer wie GemĂ€lde einem KĂŒnstler oder Bauwerke und Möbel bestimmten Epochen zuzuordnen. Ein Name, den ich nie zuvor gehört habe, wurde genannt. Mein Freund Google hilft bei der AufklĂ€rung und fĂŒhrt mich auf die Webseite des Interpreten, auf der wiederum Playlists veröffentlicht sind, in die ich reinhöre.

Das hÀtte ich besser nicht getan.

Jede Zeit in meinem Leben hat ihre eigene Musik. Ich habe fast ĂŒberall einmal reingeschnuppert, reingeschaut, ausprobiert und mitgemacht, Höhen erklommen und in AbgrĂŒnde gesprungen, aus Neugier und der ewigen Suche nach dem ultimativen Kick, der mir das GefĂŒhl gibt, eines Tages sagen zu können: „Das war“s, dafĂŒr hat es sich gelohnt.“ Dabei habe ich viel Elend gesehen und erlebt, Scheiße gefressen, Dinge getan, auf die ich nicht stolz bin, und Erinnerungen behalten, die heute noch stinken.

Irgendwann glaubt man, damit umgehen zu können, und oft ist es auch tatsĂ€chlich so. Bis sie zuschnappt, die Falle aus Erinnerungen und GefĂŒhlen gebaut, ausgelöst vielleicht nur durch eine scheinbar unbedeutende Kleinigkeit, wie zum Beispiel eine bestimmte Art von Musik. Plötzlich herrscht unertrĂ€glicher Gestank, Scheiße quillt aus allen Poren und will raus, der Boden wird einem unter den FĂŒĂŸen weggerissen.

Ich weiß gar nicht, wie ich die Zeit beschreiben soll, in die mich die Musik, nur kurz angespielt und doch zu lang, letzte Nacht entfĂŒhrt hat. Hauptakteure und Nabel der Welt, wenn auch vermutlich nur unserer eigenen, hinter irgendwelchen Nebelschleiern fĂŒr andere verborgenen, waren M. und ich. Isoliert von der Welt fĂŒhrten wir unsere wohltuende und schmerzhafte Inselexistenz in ungezĂ€hlten NĂ€chten auf dem Fußboden meines Wohnzimmers, zugedröhnt, nichts machend, einfach nur rumliegen, da sein, nebeneinander, miteinander, fĂŒreinander? Eher nicht, sonst hĂ€tte es nicht so mies geendet.

Jetzt ist sie plötzlich wieder da, diese Zeit. Ich fĂŒhle mich, als sei ich vom Rand der Erde gefallen, jeglicher Halt ist verloren gegangen. Heute Morgen wachte ich auf mit Muskelkater vom stetigen Mahlen der Kiefer aufeinander. Auch jetzt noch sind sie fest zusammen gepresst wie im Krampf. Das GefĂŒhl, stundenlang auf der Stelle zu sitzen, Tausende von Löchern in die Luft starren, der Oberkörper schaukelt vor und zurĂŒck, bis das GefĂŒhl als falsch und vermeintliche Stunden als Minuten erkannt werden. Sinnlos durch die Wohnung laufen, Herzrasen, dann wie erstarrt dasitzen, starren - so verlief fast der ganze Tag. Zwischendurch zusammenreißen, irgendetwas tun, ablenken, bloß nicht mit mir selbst beschĂ€ftigen.

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