Diese Seite sieht mit aktiviertem JavaScript am Besten aus

Stalker

 ·  ÔśĽ 6 Minuten zum Lesen  ·  ÔťŹ´ŞĆ dark*

Jede Nacht das gleiche: Ich liege im Bett, will schlafen und die Kaninchen beginnen zu streiten, jagen sich gegenseitig durch den K├Ąfig. Die machen mich wahnsinnig damit. Also gebe ich den Schlafversuch auf und schreibe etwas.

Als ich heute Nachmittag bei der Sparkasse ankam, traf mich fast der Schlag: Mein Mann verlie├č gerade das Geb├Ąude. Er hatte mich wohl nicht sofort erkannt, kennt mich ja nur mit langen, schwarzen Haaren. Mir wurde flau im Magen, auf eine derartige Konfrontation war ich nat├╝rlich ├╝berhaupt nicht vorbereitet. Nach nur drei Stunden Schlaf ging es mir auch gar nicht gut. Den ganzen Tag war ich missmutig, hatte Kopfschmerzen und mir au├čerdem eine leichte Erk├Ąltung zugezogen. Ich brauchte drei Stunden, bis ich mich aufraffen konnte duschen zu gehen und empfand es als ausschlie├člich l├Ąstig, irgendetwas tun zu m├╝ssen. Und dann auch noch diese Begegnung.

Mir war nach Heulen zumute, ich w├Ąre am liebsten umgekehrt und nach Hause gelaufen, musste jedoch hineingehen, musste endlich die Miete zahlen. Am Freitag sah ich zum ersten Mal nach dem Urlaub in den Briefkasten, der unter anderem einen Brief meines Vermieters enthielt. Mein erster Gedanke war ÔÇ×K├╝ndigungÔÇť, aber es war eine Mahnung, eine Woche alt, Fristablauf Freitag. Ich ging r├╝ber zu ihm und entschuldigte mich mit Ausfl├╝chten und versprach, die Miete am Montag bar zu bezahlen.

Also riss ich mich zusammen und betrat die Sparkasse. An der Kasse das Geld vom Sparbuch abheben, Kontoauszug drucken, noch schnell am Geldautomaten vergleichen, ob der Kontostand stimmt und dann schnell wieder heim. Dachte ich. Der Kontostand stimmte nicht, ich musste auch noch zum Service-Schalter, mir bleibt wirklich nichts erspart.

Ich bat die Angestellte zu ├╝berpr├╝fen, wie die Differenz zwischen dem Kontoauszug und dem Kontostand im Geldautomaten zustande k├Ąme. Da ich die ganze Woche nicht das Haus verlassen hatte, konnte ich schlie├člich auch kein Geld abgehoben haben. Es fehlten mehrere Hundert Mark. W├Ąhrend ich am Schalter stand, sah ich, dass mein Mann drau├čen auf mich wartete. Ich verzweifelte innerlich - hier die Probleme mit dem Konto, drau├čen er. Aber ich bewahrte die Fassung, obwohl es schwer fiel. Die Angestellte tippte im Computer rum und meinte, es w├Ąre noch eine Abbuchung aus Helgoland unterwegs. Meine Hoffnung auf schnelle Kl├Ąrung der Angelegenheit konnte ich mit diesem Satz begraben. Ein Blick auf den Kontoauszug best├Ątigte mir, dass s├Ąmtliche Kartenzahlungen und Barabhebungen bereits gebucht waren. Ich musste mich noch mehr zusammenrei├čen; meine Nerven lagen blank und w├╝tend war ich au├čerdem. Ich sagte der Frau, dass dies nicht sein kann, da bereits alles abgebucht sei und zeigte ihr den Kontoauszug. Sie war verwirrt und kontrollierte alles erneut im Computer, dann bat sie eine Kollegin um Hilfe.

Es war zwischenzeitlich voll geworden in der Sparkasse, mehrere Leute standen hinter mir und h├Ârten interessiert zu. Mein Mann betrat die Sparkasse erneut, ging an den anderen Service-Schalter und stellte eine belanglose Frage. Ich konzentrierte meinen Blick auf den Kontoauszug, der vor mir lag, wollte keinesfalls in seine Richtung schauen, wollte ihm nicht in die Augen sehen und erst recht nicht mit ihm reden. Ich konnte seine Blicke sp├╝ren, merkte, wie er mich musterte und beobachtete. Ich f├╝hlte mich extrem unwohl und mir ging es immer schlechter. Seine Frage wurde schnell beantwortet und er ging wieder. Ich sah, dass er wieder drau├čen vor der T├╝r wartete. Wieso konnte mich jetzt nicht ein Blitz treffen und t├Âten ÔÇŽ oder ihn? Ich war der Verzweiflung nahe, rang um meine Fassung.

Als der Fehler endlich gefunden war, verwickelte die Angestellt mich in ein Gespr├Ąch ├╝ber die Volksbank, die den Fehler verursacht hatte, was ich ├╝ber mich ergehen lie├č, bis ich sah, dass mein Mann endlich weg war. Ich beendete das Gespr├Ąch und verlie├č nach ungef├Ąhr 30 Minuten endlich die Sparkasse.

Tags├╝ber nutze ich lieber die kleinen Seitenstra├čen, auf denen nicht viel los ist, f├╝r den Heimweg. Ich kontrollierte mehrmals, ob er mir folgte, was nicht der Fall war. Pl├Âtzlich kam er aus einer Seitenstra├če auf mich zu, ich erschrak f├╝rchterlich, mein Gang wurde schneller, krampfhaft bem├╝ht, ihn nicht zu sehen. Ich wei├č nicht, warum, aber ich wurde v├Âllig panisch, lief gehetzt die Stra├če entlang, als w├Ąre der Teufel hinter mir her. V├Âllig unbegr├╝ndet, zum einen war kein Mensch hinter mir her, zum anderen hat mein Mann mir noch nie etwas angetan. Ich ging noch Zigaretten kaufen und zum B├Ącker, beides lag auf dem Weg. Ich lie├č mir Zeit, im Kiosk st├Âberte ich scheinbar interessiert in den Zeitschriften rum, beim B├Ącker tat ich so, als m├╝sste ich ├╝berlegen, was ich nehme und lie├č einer ├Ąlteren Dame den Vortritt. Ich bef├╝rchtete, er w├╝rde vor der Haust├╝r auf mich warten. Anschlie├čend ging ich zum Vermieter, wollte die Miete zahlen. Dessen Schwester sagte mir, er sei erst in etwa einer Stunde wieder da und ich ging heim. Vor der T├╝r wartete er nicht.

Ich sa├č am Rechner, als es an der T├╝r klingelte. Ich ├Âffnete nicht. J. konnte es der Uhrzeit wegen nicht sein, au├čerdem haben wir ein Klingelzeichen vereinbart. Schatzi oder ihr Vater waren es auch nicht, sie klingeln nicht an der Haustuer sondern oben an der Wohnungst├╝r. Ich vermutete, dass mein Mann es sei.

Nachdem eine Stunde vergangen war, verlie├č ich wieder das Haus, um zu meinem Vermieter zu gehen, der im Haus nebenan wohnt. Mein Mann stand an einer Stra├čenecke und beobachtete wohl das Haus. Gl├╝cklicherweise drehte er sich in dem Moment, als ich aus der Haust├╝r trat, um, sodass er mich nicht sah. Ich beeilte mich, ins Nebenhaus zu kommen. Als ich wieder aus dem Haus kam, war er verschwunden. Ich ging noch schnell einkaufen und dann durch den Garten zur├╝ck ins Haus.

Das Handy klingelte, eine SMS: Ein neuer Anruf auf der Mobil-Box. Ich stellte fest, dass bereits w├Ąhrend meiner Abwesenheit ein Anruf auf der Mobil-Box eingegangen war und h├Ârte beide ab. Sie waren von ihm. Er wollte mich besuchen, aber ich w├╝rde die T├╝r nicht ├Âffnen. Ich sollte ihm eine SMS schicken, wann er mich besuchen k├Ânne. Im zweiten Anruf meinte, es w├Ąre ja auch m├Âglich, dass ich ihn besuchen wolle und er gab seine Adresse durch.

Ich will ihn nicht, nicht sehen, nicht mit ihm reden. Ich m├Âchte nichts mehr mit ihm zu tun haben. Seit ich ihm Ende Oktober letzten Jahres unmissverst├Ąndlich sagte, dass ich nichts mehr mit ihm zu tun haben m├Âchte, bel├Ąstigt er mich st├Ąndig, schreibt SMS, ruft an und legt wieder auf, beobachtet das Haus, schreibt Postkarten an meine Tochter und lauert ihr sogar vor der Schule auf. H├Ârt das nie auf? Ich will hier weg, aus diesem Haus, aus dieser Stadt.

Teile auf

dark*
geschrieben von
dark*
...