Fuhrpark verkleinert

Als ich 2012 nach Darmstadt zog, brauchte ich ein neues Fahrrad, da mein altes wenige Wochen zuvor von einem Unfallflüchtigen vor dem Büro geschrottet worden war. Gabel und noch einiges mehr verzogen. Der Drahtesel fuhr zwar noch, war aber unter Sicherheitsaspekten eine Katastrophe und wirtschaftlicher Totalschaden. Vielen Dank an den unmündigen Fahrer, der sich aus dem Staub gemacht hat. Möge der Totalschaden mit dir sein! Wie dem auch sei, ich brauchte ein neues, hatte umzugsbedingt wenig Geld und beschaffte mir einen gutaussehenden fahrbaren Untersatz bei real,-.

Fahrrad_2012

Mit diesem hübschen Teil fuhr ich 2,5 Jahre lang durch Darmstadt, was nicht ganz leicht ist, da es hier so hügelig ist. Egal, wohin man fährt, man muss immer bergauf. Mit einem 7-Gang-Fahrrad kein einfaches unterfangen. Als das Radeln mehr wurde, beschloss ich, dass ein geeigneterer Drahtesel her muss. Da ich zu diesem Zeitpunkt noch vom bescheidenen Krankengeld lebte und meine berufliche Zukunft ungewiss war, musste wieder ein preisgünstiges Modell her, das ich ebenfalls im Supermarkt kaufte.

Fahrrad_2015

Mit dem Teil war ich immerhin in Ostfriesland, an der Eder, am Rhein, an der Kinzig und überhaupt und generell viel unterwegs. So dass ich in diesem Jahr beschloss, dass nun ein gescheiter Drahtesel her muss. Zumal der Rahmen des aktuellen Gefährts eigentlich viel zu klein für mich ist. Ich ging Probefahren und bestellte das Objekt der Begierde in der Wunschfarbe. Da der lokale Händler vor Ort mehrere Wochen Lieferzeit ankündigte und das Rad erst nach unserer geplanten Nordsee-Tour zur Verfügung stellen konnte, machte ich einen Händler in Frankfurt ausfindig, der mein Fahrrad in der Wunschfarbe und -größe vorrätig hatte und zudem auch noch kostenlos zu uns nach Hause lieferte. Hier macht es seine ersten Steh-Versuche bei uns im Hof:

Fahrrad_2016

Mittlerweile ist es etwas aufgepimpt mit stabilerem Seitenständer, Flaschenhalterung, Lenkertaschenhalterung und einer Lampe mit USB-Anschluss (man gönnt sich ja sonst nix). Wir waren schon zusammen an der Nordsee in Schleswig-Holstein, haben die nähere Umgebung erfahren und reisen demnächst gemeinsam in die Niederlande. Wir verstehen uns gut und diese Zweiradbeziehung wird definitiv länger halten als die vorherige. Da bin ich sicher.

Ungelöst war bisher das Problem der Ex-Fahrräder, die im Keller ihr lichtloses Dasein fristeten. Bei jeder Neuanschaffung beschloss ich, das Vorgänger-Modell zu verkaufen. Aber wie es dann so ist: Aus den Augen, aus dem Sinn – oder auch: Mach ich „demnächst“. Vor ein paar Tagen sprach uns die Vermieterin darauf an, was denn mit den Fahrrädern geschehen sollte, es wäre ja doch etwas eng im Fahrradkeller, wenn da alleine von uns vier Fahrräder stehen, womit sie zweifelsfrei Recht hat. Ich erklärte ihr, dass die eigentlich zum Verkauf stehen, ich sie „nur noch“ ein wenig sauber machen und photographieren muss. Wir nahmen uns das fest für das vergangene Wochenende vor und schritten auch tatsächlich am Sonntagvormittag zur Tat.

Der Lebensabschnittsgefährte schleppte die Teile aus dem Keller ans Licht, ich bewaffnete mich mit Putzeimer und Lappen, gemeinsam machten wir uns ans Werk: Reifen aufpumpen, Bremsen und Schaltung überprüfen, Staub und Spinnweben entfernen. Die Vermieterin hatte bereits am Freitag den Lebensabschnittsgefährten im Treppenhaus abgefangen und ihm mitgeteilt, dass sie Interessenten dafür hätte, außerdem hätte einer der Leute aus dem Restaurant unten Interesse angemeldet, wieviel wir denn dafür würden haben wollen. Am Sonntag nannten wir ihr unseren Preis, was sie sofort weitergab.

Der erste Italiener kam aus dem Restaurant, schlich wortlos um uns und die Fahrräder herum und guckte sich das alles an. Dann ging er wieder. Kurz darauf kam er wieder. Der zweite Italiener gesellte sich hinzu und sie guckten gemeinsam. Italiener Nr. 2 fand mein Fahrrad Nr. 2 schon letztes Jahr schön, als ich es mir kaufte. Wieviel wir denn für beide zusammen haben wollten, fragte er. Ich nannte meinen Preis und fügte noch an, dass wenn er beide nähme, ich ihm 50 Euro nachlassen würde. Der erste Italiener protestierte, er habe ja zuerst Interesse bekundet. Ich meinte, sie sollen es unter sich ausmachen und putze weiter. Die Italiener verschwanden in den Hof, wo sie lauthals diskutierten. Leider habe ich kein Wort verstanden. Kurz darauf kam Italiener Nr. 2 mit dem geforderten Geld und legte noch eine Tasse Cappuccino für mich und eine Cola für den Lebensabschnittsgefährten drauf. Die Fahrräder waren noch verkauft, bevor ich fertig war mit putzen. So mag ich das. ;)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.