Jammern

Ich bin krank, ganz schlimm krank, schon seit Freitagabend. Ganz plötzlich habe ich Bauchweh bekommen. Und alles, was ich jemals in meinem Leben gegessen oder getrunken habe, wollte wieder raus. Und jetzt habe ich immer noch Bauchschmerzen. Nicht einmal eine Zigarette habe ich seit Freitag geraucht. Das heißt schon was. Und keiner da, der sich zu mir ans Bett setzt, meine Hand hält, über meinen Kopf streichelt und mir Geschichten erzählt. Ich muss wieder ins Bett, mir ist schwindelig.

Später am Abend schaut Älis vorbei (rein virtuell, versteht sich) und liest mir eine Geschichte vor:

Es war einmal ein kleines Knorz. Hm, was ein Knorz ist? Ein Knorz ist unbeschreiblich, aber Du kannst es Dir ungefähr vorstellen wie die Mischung aus einem kleinen Mädchen, einer Erdbeersahnetorte und einem verdorrten Rosenstrauch. Wie bitte? Ja, es lebt, selbstverständlich lebt es. Alle Knorze leben. Das kleine Knorz wollte nun – wo sie leben? Hier, mitten unter uns. Nein, natürlich können wir sie nicht sehen. Darf ich weitererzählen? Danke… Es machte sich auf, um sein Glück zu suchen. Es war nämlich sehr unzufrieden in seinem Heimatdorf, die Menschen dort waren ihm zu langweilig. Was das mit Menschen zu tun hat? Der Knorze Lebensinhalt ist das Beobachten der Menschen. Sie beobachten, amüsieren oder wundern sich und schließen untereinander oft Wetten ab, wie das Leben eines bestimmten Menschen weitergeht. Hin und wieder kommt es vor, daß ein Knorz einen Menschen besonders ins Herz schließt – nein, ich weiß nicht ob sie ein Herz haben so wie wir, das ist eine Redewendung, na gut.. Hin und wieder kommt es vor, daß ein Knorz einen Menschen besonders gern mag und ihn begleitet. Er teilt die Gefühle des Menschen, als wären es seine eigenen. Das ist nicht immer gut für das Knorz, da dessen eigene Gefühle noch dazu kommen. Oft ist das Ärger und Fassungslosigkeit über die Dummheit des Menschen, Knorze wissen nämlich alles besser, sie sind sehr gescheit und weise. Was nun mit dem Kleinen ist, der weggehen wollte? Ach ja, der… ihm war langweilig in dem Dorf. Tagaus tagein sah er das gleiche, Menschen, die zur Arbeit gingen, Kinder, die zur Schule gingen, Tiere, die auf die Weide gingen. Und abends gingen alle wieder nach Hause. Das Knorz konnte nicht verstehen, daß es seinen Kameraden prächtig ging, ihm war langweilig und er wollte weg, er wollte nach New York. Warum er nach New York wollte? Nun, er sah mal eine Fernsehsendung über diese Stadt und – Du glaubst das nicht? Das ist aber so. Knorze sehen gern fern. Na, bei den Menschen in den Häusern natürlich. Was? Die Geschichte ist blöd? Ich glaube Du hast recht… Soll ich Dir die vom Blumenkohlkönig erzählen? Auch nicht… Hmmmm… oh, eingeschlafen…. gut, sehr gut…..
*aufZehenspitzenhinausschleich*

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