Geben und Nehmen

Wer keine Organe spendet, soll nach Meinung des Vorsitzenden der Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), Manfred Weber, im Notfall auch selbst keine bekommen. Die Haltung zur Organspende sollte regelmäßig verpflichtend bei der Verlängerung des Personalausweises abgefragt werden, schlug Weber am Mittwoch in Wiesbaden vor. „Wer dabei nein sagt, bekommt auch nichts.“

Kein Spenderausweis – kein Spendeorgan

Wie lässt sich das denn bitte mit der Berufsethik eines Arztes vereinbaren?

Im übrigen können wir uns dann auch weitere Euthanasie-Diskussionen sparen, wenn wir schon Menschen sterben lassen, die leben wollen.

4 Kommentare:

  1. Ein brandgefährliches Thema. Schon vor vielen Jahren fing eine gute Bekannte, Krankenschwester, das Weinen an, als sie von aussichtslosen Fällen auf der Intensivstation berichtete und ich sie daraufhin fragte, ob die nur noch für potentielle Organspenden am Leben gehalten würden.

    Ich schien voll ins Schwarze getroffen zu haben. Weil es tiefste Provinz ist, fragte auch von den Angehörigen keiner nach, ob dem dem Toten eventuell Organe fehlten. Wenn der ordentlich wieder zugemacht wurde, fiel es ohnehin kaum auf.

    • Ich selbst, das habe ich ganz vergessen zu erwähnen, trage einen Organspendeausweis mit mir rum, seit ich so ein Ding zum ersten Mal in die Finger bekam. Damals war ich – glaube ich – 17 Jahre alt. Mir ist es egal, ob ich „geschnitten oder am Stück“ verbrannt werde. Ich hätte auch kein Problem damit, wenn mein Leichnam der Wissenschaft zur Verfügung stünde. Der Körper ist für mich ein Gebrauchsgegenstand, den ich nach meinem Ableben nicht mehr benötige. Und ich freue mich immer, wenn ich etwas, das noch funktioniert, nicht mehr brauche aber jemand anderes Verwendung dafür hat. Im Falle der Organe ist es mehr, ist es Leben jenen, die es gerne führen, zu ermöglichen. Warum also nicht?

      Mein Verständnis für Leute, die eine Organentnahme bei verstorbenen Angehörigen ablehnen, ist eher gering. Damit will ich diese Menschen nicht verurteilen, ich kann nur ihre Motivation nicht einmal im Ansatz nachvollziehen. Dennoch ist dies noch lange kein Grund, diesen Leuten eine mögliche Hilfe zu verweigern, sollte sie irgendwann solch ein Schicksal treffen! Was sind das für Ärzte, die diese Forderung stellen?!

      Das Problem ist meiner Meinung nach die Aufklärung bzw. fehlende „Werbung“. Ich sehe Organspendeausweise und Aufklärungsbroschüren nur noch selten in Arztpraxen ausliegen. Früher waren die dort häufiger vertreten. Die Menschen haben 1000 andere Probleme im Kopf als ihren Tod zu planen – und kaum einer denkt zu Lebzeiten, insbesondere in jungen Jahren, gerne an den Tod, erst Recht nicht an einen frühzeitigen und plötzlichen, der meist die idealen Voraussetzungen für eine Organentnahme darstellt.

      Die Idee der Abfrage bei der Verlängerung eines Personalausweises ist gar nicht schlecht. Auf diese Weise könnte der ausdrückliche Wille des Betreffenden festgehalten werden. Aber doch bitte nicht mit den geforderten Konsequenzen!

      Es ist sicher nicht angenehm, auf der Intensivstation jene zu betreuen, die lediglich zum Zweck der Organentnahme am Leben gehalten werden. Noch grausamer stelle ich mir jedoch vor auf einer Station zu arbeiten, auf der die Menschen sterben, weil sie kein Organ bekommen …

      • Mmh, ja. Ich wollte da auf etwas anderes raus, das nicht deutlich geworden ist. Ich habe ebenfalls kaum Probleme mit dem, was mit meinem Körper nach dem Tod passiert.

        Das Problem ist ein anderes, das mich übrigens nicht mehr betreffen wird. Es gibt bereits jetzt einen schwunghaften Handel mit Organen (Dritte Welt), junge Menschen, die gezielt zu dem Zweck geschlachtet werden. Eine Vermutung von mir, sag‘ ich mal vorsichtig.

        Das was der Ärztevertreter da von sich gab, zeigt deutlich wie es um seine Moral und Ethik bestellt ist. Dazu gibt es jede Menge Menschen, die genügend Geld haben sich alles medizinisch Erdenkliche leisten zu können. Die Kombination meinte ich mit brandgefährlich. Ärzte die sich nicht um ihre Ethik scheren und Leute die dafür bezahlen können, dass es sich lohnt nicht um Ethik zu scheren.

        Das könnte dazu führen, dass man einen, der sich verpflichtete, nach seinem Tod als Organspender zur Verfügung zu stehen, in einer *ungünstigen*, für ihn ungünstigen Lage, nicht die Aufmerksamkeit zukommen lässt, die man ihm normalerweise gewährt.

        Im Klartext. Du wirst nach einem schweren Unfall ins Krankenhaus eingeliefert, in dem ein gut bezahlender Privatpatient dringend auf ein Organ wartet, dass bei dir unverletzt ist. Da könnte es sein, dass irgend jemand sich zu deinen Ungunsten entscheidet. Und ich vermute mal, genau deswegen hat die Krankenschwester auch losgeheult, als es damals um das Thema ging.

        Nebenbei bemerkt. Jemanden nur als Organspender am Leben zu erhalten, halte ich für unmenschlich. Es gibt ein Recht auf einen würdigen Tod.

        • Ich hatte es mir schon gedacht, dass es daraus hinauslaufen sollte. Diese Einkommensquelle würde allerdings versiegen, wenn die Ärzte ihre oben zitierte Forderung durchsetzen – und möglicherweise auch dann, wenn man die Bevölkerung endlich weitreichend auf die Notwendigkeit einer Organspende aufmerksam mache.

          Noch etwas anderes zum Thema Gesundheit und Geld, gerade eben im welt.de-newsTICKER gelesen (kann man nicht verlinken):

          Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen hat für ihren Aufruf, Patienten nur noch nach Zahlung der Praxisgebühr zu behandeln, Unterstützung von der Bundesregierung erhalten. Der Aufruf „decke sich mit dem Willen des Gesetzgebers“, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums der „Nordwest- Zeitung“.

          Ich schlage „sozial“ zum Unwort des Jahres vor, da es von Politikern, Meinungsgebern, Geld- und Machthabenden nur noch zur Schönfärberei missbraucht wird.

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