Fahrrad, Spatz, Vivarium und Hügel

Gestern waren wir in einer Autoselbstwaschanlage, um dort unsere Fahrräder zu waschen. Das vom Lebensabschnittsgefährten sah aus wie Sau, weil es in seinem ganzen Leben noch nie gewaschen wurde, und meines war voller Kaffeeflecken, die auf dem weißen Rahmen höchst unschön aussahen. Also bewaffneten wir uns mit Eimer, Putzlappen und Schwamm sowie ein wenig Kleingeld und fuhren zur Autolagune. Da es etwas gewittrig war, war dort nicht allzu viel los. Zuhause angekommen, brachte ich die Räder nochmal mit Lappen und Allzweckreiniger auf Hochglanz, während der Lebensabschnittsgefährte die Ketten fettete.

Plötzlich blieben ein Pkw und zwei Fahrradfahrer bei uns vor der Einfahrt stehen und diskutierten irgendetwas. Als der Pkw weg war, bekam ich mit, dass eine der beiden Fahrrad fahrenden Frauen einen Spatz in der Hand hatte und nicht so recht wusste, was sie nun tun sollte. Bekanntlich steht ja ein Sperlingsturm direkt vor unserem Haus.

Sperlingsturm

Ich ging zu ihnen hin und fragte, was passiert sei. Ein kleiner Spatz hatte wohl mitten auf der Fahrbahn gesessen und sie konnten gerade noch den Autofahrer stoppen, der das Tier beinahe überfahren hätte. Und nun standen sie da mit dem Spatz in der Hand. Ich wusste auch nicht so recht, was man jetzt mit dem kleinen Kerl machen sollte. Völlig hilflos wirkte der Spatz nicht mehr, eventuell hatte er sich bei einem seiner ersten Flugversuche ver- oder überschätzt. Ich bot an, ihn auf unseren Balkon zu setzen, damit seine Eltern ihn hoffentlich finden und sich dann um ihn kümmern würden. Gesagt, getan. Die junge Frau war heilfoh, das Tier los zu sein.

Ich brachte ihn nach oben und setzte ihn in den Topf mit meinen Sonnenblumen, damit er nicht ganz so auf dem Präsentierteller saß und im nächsten Elsternschlund landete. Ganz schön aufgeregt war er, als ich ihn mit der rechten Hand festhielt, während ich mit der linken die Wohnungstür aufschloss, das Küchenfenster frei räumte und öffnete und ihn dann in den Blumentopf fallen ließ. Unser Balkon ist nicht wirklich ein Balkon, eher unsicher und eine statische Katastrophe und daher für den Zutritt gesperrt, weswegen ich diesen umständlichen Weg nehmen musste. Als ich weiter an meinem Fahrrad herumpolierte, überlegte ich mir, was ich tun würde, wenn sich bis heute Abend keine Spatzeneltern blicken ließen. Immer wieder sah ich nach oben. Und irgendwann entdeckte ich endlich einen Spatzenmann auf dem Balkongeländer und ein Spatzenweibchen oben auf der Regenrinne. Beide schauten Richtung Blumentopf.

Spatzeneltern

Als wir mit unseren Fahrrädern fertig waren und in die Wohnung zurückkehrten, war der junge Spatz verschwunden. Das hatte also ein glückliches Ende genommen. Kurz darauf regnete es wie aus Eimern, natürlich auch auf unsere frisch geputzten Fahrräder.

Heute Morgen drehten wir eine kleine Runde mit den Fahrrädern. Erst ging es wieder einmal ins Vivarium. Jahreskarten im üblichen Sinn gibt es hier im Vivarium nicht. Man kann Mitglied des Kaupiana e. V., des Fördervereins des Vivariums, werden und hat als Mitglied kostenfreien Eintritt in den Zoo. Der Lebensabschnittsgefährte und ich sind seit April 2012 Mitglieder.

Die Gänsegeier trockneten ihr Gefieder in der Morgensonne. Und auch Pfauen waren noch mit der Morgentoilette beschäftigt. Vermutlich hatte der Regenguss zuvor die Herrschaften ein wenig aus dem Tagestrott gebracht. Meinen Hinweis: „Frau Pfau, sie haben da noch Federn in Unordnung“, fand sie allerdings nicht so lustig. ;)

Vivarium_Frau_Pfau

Die jungen Bennett-Kängurus haben mittlerweile den mütterlichen Beutel verlassen und hüpfen alleine auf der Anlage umher.

Bennet_Kangaroo

In der Watvogelanlage, in der es immer sehr gediegen und ruhig zugeht, haben sich Mitesser in Form von jungen Spatzen eingestellt.

Kleiner_Mitesser

Und die Steinzebras vom letzten Mal haben ihren Standort gewechselt.

Vivarium_Zebra

Sie stehen jetzt im neuen Streichelzoo, der mittlerweile fast fertig aussieht. Ich bin gespannt, wann der eröffnet wird und wie es dann dort aussehen wird.

Baustelle_Streichelzoo

Ganz erfreut war ich, dass in dem kleinen Teich vor der Aquarien-/Terrarien-Halle endlich Wasser ist. Seit ich das Vivarium kenne, habe ich diesen Teich noch nie mit Wasser gefüllt gesehen. Dabei sieht es echt hübsch aus.

Endlich_Wasser

Anschließend machten wir noch eine Tour durch den Wald. An sich ist das Radeln hier ja nicht schlecht, wenn nur nicht die ganzen Hügel wären …

Tourkarte_2015-07-19

Bergauf fahren macht mich echt fertig, weswegen ich ziemlich oft abgestiegen bin und geschoben habe. Gerade an den Wochenende nach den Infusionen bin ich nicht sonderlich belastbar, daher war die Idee der Tour eigentlich ein wenig idiotisch. Andererseits ist spazieren gehen ja auch gesund. Die ganze Tour war etwa 15 km lang, nach ungefähr 3 km hat der Lebensabschnittsgefährte den Tracker eingeschaltet, der die Höhen und Tiefen für mich archiviert hat.

Tourdiagramm_2015-07-19

Unterwegs kamen wir an einem Brunnen vorbei

Nach rechts geht es mit dem Wanderzeichen „roter Strich“ über eine Wiese zum Melitta­brunnen. Er wurde 1894 zu Ehren der Herzogin Victoria Melita, der Gemahlin von Großherzog Ernst-Ludwig von Hessen-Darmstadt, erschlossen wurde. Das Wasser ist trinkbar.
Quelle

Das Wasser ist tatsächlich trinkbar und erfrischend kalt. Ich füllte meine Trinkflasche auf und schob mein Fahrrad weiter, den Berg hinauf. Das letzte Stück bergab entschädigte dann wieder für die Anstrengung. Ein bisschen Zeit habe ich noch, um fit für den nächsten Kurzurlaub zu werden. Dieses Mal dürfen unsere Fahrräder mit in den Urlaub und sollen uns an der Nordseeküste entlang tragen. Dort ist es bekanntlich flach und dadurch weniger anstrengend. Und notfalls hänge ich mich an den Gepäckträger vom Lebensabschnittsgefährten und lasse mich ziehen … ;)

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