The Absence of a Dosenöffner


Leider kommt der gute Mann mit seinen Tipps 25 Jahre zu spät. Seinerzeit, ich hatte mich von einigen Zwängen (Ausbildung, Familie, dominanter Lebensabschnittsgefährte) verabschiedet und war von München nach Hamburg umgezogen, spielten sich unschönen Szenen ab mit mir, einem Schraubendreher und einer Dose Ravioli als Hauptdarsteller. Die Ravioli überlebten nicht, der Schraubendreher war mit Blut … äh … Tomatensoße besudelt – wie Teile meiner Küche übrigens auch – und ich aß schlussendlich Pizza. Oder waren es doch Pommes?

In diesem Zusammenhang gab es noch ein Schlüsselerlebnis, als ich Montagmorgen S. aufsuchte und meinte, wir müssen shoppen gehen, einen Dosenöffner kaufen, sonst würde ich verhungern. Nicht nur die Preise für Dosenöffner schockten mich, billigen China-Scheiß gab es damals noch nicht, auch der Satz der, den die Verkäuferin mit hinterher warf: „Nehmen Sie Ihren Kassenzettel mit, Sie haben doch sechs Monate Garantie!“ Ich sah sie verwundert an, allgemeines Wissen um Garantie/Gewährleistung war ja auch noch nicht so verbreitet: „Das ist doch nur ein Dosenöffner.“ Ende der 80er Jahre stand es völlig außer Frage, dass so ein Gegenstand quasi ein Leben lang hielt.

So war das damals. Die Zeiten ändern sich. Heute wird man ja schon als Bittsteller und sowieso mit völlig veraltetem Equipment ausgestattet angesehen, wenn man darauf besteht, dass ein Gegenstand egal welcher Herkunft und Funktion zumindest die gesetzlichen zwei Jahre Gewährleistung überlebt. Aber wenigstens weiß ich jetzt, wie ich überlebe, wenn mal wieder kein Dosenöffner da ist.

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