Jahresarchive: 2002

tja…

Eigentlich sollte es hier noch weiter gehen. Aber dummerweise ist heute, am 15. Dezember 2002, als ich endlich nach Stress und Internetlosigkeit alles hochladen wollte, was ich in den vergangenen Monaten geschrieben habe, meine Festplatte kaputt gegangen und mein Geschreibsel ist wahrscheinlich auf ewig verloren. Es sei denn, es geschieht ein Wunder, aber Wunder kommen bei mir ja meist eher im negativen Gewand daher. Momentan bin ich jedenfalls reichlich demoralisiert.

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Unwetter

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Angekommen

Es ist 7:30 h – Bernhard ist noch nicht da. 30 Minuten Zeit für Paranoia übelster Sorte! Meine Habseligkeiten: 2 Taschen mit Klamotten, 1 Karton mit Papierkram, 1 Kiste mit Computerkram, 1 Kiste mit Lebensmitteln (inkl. Flasche Champagner), TV + Stereoanlage, compi und schleppi und natürlich meine Fische samt Aquarium sowie mein Stoff-Elch (ich nehme nur das nötigste mit) stehen am Straßenrand und mittlerweile bin ich felsenfest davon überzeugt, verarscht worden zu sein. Diese Art von Humor kann ich insbesondere um 7:00 h morgens gar nicht leiden. Ich ziehe gerade in Erwägung, Bernhard die Russen-Mafia auf den Hals zu hetzen, als der Golf Variant um die Ecke biegt. Ich pfeife meine Phantasie-Russen in letzter Sekunde zurück und Codo ran, der im Hauseingang gewartet hat. Die Sachen ins Auto, der Abschied kurz: “Mach’s gut, ich ruf nachher mal an…” Wir haben gestern abgesprochen, uns eine Schnulz-Szene zu ersparen.

Jetzt sitze ich im Auto neben einem wildfremden Mann auf dem Weg … tja, hier fehlen mir die passenden Worte für einen pathetischen Abgang. Jedenfalls sind wir erstmal auf dem falschen Weg auf der Autobahn und müssen bei der nächsten Ausfahrt wenden. Das ist aber nicht meine Schuld, sondern liegt am Amt, das für den Autobahnbau zuständig ist, weil’s hier nur für eine Richtung eine Auffahrt gibt.

Naja, man labert über dies und das, Small-Talk eben, Nichtraucher übrigens. Man redet übers www. Bernhard meint, dass es ja so Leute geben soll, die fast nur vor dem Rechner hängen und nächtelang chatten. Ähm ja, von denen habe ich auch schon gehört…

Was mich denn nach Berlin verschlägt, will er wissen. Freundeskreis, Sozialkontakte, blabla… Ich erzähle irgendwas. Er muss dorthin, da er in der Familie einen Trauerfall hatte und nun die Wohnung des Verstorbenen an den Vermieter übergeben muss. Die Freisprecheinrichtung des Handys erteilt quäkend nähere Auskünfte, als die Vermieterin später anruft und ich unfreiwillige Zeugin des Gesprächs werde. Nachdem die Termin-Frage geklärt ist, erkundigt sich besagte Vermieterin ganz einfühlsam: “Was hat ihn denn zu dieser Verzweiflungstat getrieben?”

Ich kann nicht mehr, gucke angestrengt aus dem Fenster … bloß nicht laut loslachen … Er hat getrunken, war nun auch noch pleite … reiß dich bloß zusammen … Ich starre angestrengt aus dem Fenster. “Aber man kann doch trotzdem weiterleben”, quäkt es aufdringlich aus dem Lautsprecher. Ich verzichte auf mein Plädoyer, ich brauche dringend eine Zigarette, täusche Blasenschwäche vor, ich brauche frische Luft, sonst platze ich.

Der Rest der Fahrt verläuft fast schweigend. Ich bin müde. Der Akku von meinem Handy ist leer, ausgerechnet jetzt! Das Scheiß-Ding funzt auch nie, wenn man es wirklich braucht. Für die letzte SMS an Sophie reicht es gerade noch.

Wir sind da. :-)

Soul und smu natürlich noch nicht. Also schleppe ich meinen Scheiß wiedermal fast alleine, Sophie hilft mir dabei. Pünktlich als wir fertig sind, kommen die Herren endlich und haben eine Überraschung für mich: Anstatt mich gleich geduscht, erschöpft und müde auf die Couch schmeißen zu können, machen wir heute Nacht einen Museumstrip. Verhaltener Jubel. Ich bin seit heute Morgen 6:00 h (!) wach, habe außer ein paar Kirschbonbons noch nichts gegessen und würde gerne duschen. Wir fahren mit dem allernötigsten (Klamotten, Bettzeug, schleppi und Stoff-Elch) in smus Wohnung. Ich habe 15 Minuten Zeit, meine Sache auszubreiten, mich hier einzuleben und zu duschen.

Dann geht’s auch schon wieder weg von der gemütlichen Couch und hinein ins Nachtleben. Ich glaube, wir haben die halbe Stadt zu Fuß erkundet. Wir waren im Dom – Was kann es Wichtigeres geben als einen Kirchenbesuch am Tag des Umzugs?! Außerdem kenne ich jetzt einen weiteren McDonald’s, ein paar Nutten und endlich die Mutanten-Sammlung, die ich im Sommer schon sehen wollte.

Irgendwann nachts sind wir endlich daheim – und während ich das hier schreibe, ist sie wieder da, diese Fassungslosigkeit; weiß nicht, wie lange es dauert, bis ich hier wirklich daheim bin, das Urlaubs-Feeling vorbei ist und ich endlich fassen kann, hier jetzt zu wohnen – Ich bin todmüde und kaputt. Diesmal ohne jede Morbidität, ich bin einfach nur noch müde, meine Füße sind taub, die Beine erholen sich vermutlich nie wieder, mein Rücken bricht gleich durch und ich fühle mich erstaunlich gut. :-)

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Die letzten Tage

Das Wochenende war hardcore Stress pur: J. und ich haben mit dem Corsa fast alle meine Sachen in Codos Keller gebracht. Lediglich Kühlschrank, Waschmaschine und das Bett sind noch in meiner Wohnung. Den Rest haben wir zwei armen Frauen ganz alleine geschleppt. Codo hatte sich geschickt aus der Affäre gezogen. Einmal baten wir ihn zu helfen, die Bretter vom Bauernschrank waren brutal schwer. Beim zweiten Brett, das er vom Auto zum Aufzug trug, rammte er sich einen etwa 2 cm langen Holzsplitter in den kleinen Finger der rechten Hand. Auf der einen Seite ging der Splitter in den Finger rein und auf der anderen Seite kam er wieder raus. Wir lachten uns kaputt, das sah zu genial aus… Leider ist mein Photoapparat nicht zur Hand gewesen, sonst hätte ich ein Bild davon gemacht. Nun ja, wir haben es auch ohne ihn geschafft, sind aber fertig wie sonstwas.

Heute war zu allem Überfluss auch noch Elternsprechtag. Über Schatzi gibt es wie gewohnt nur Gutes zu berichten. Jetzt muss ich “nur noch” Schatzi am Gymnasium anmelden, ein Bus-Ticket für sie abonnieren, ihren Kinderausweis endlich mal verlängern (ist schon seit August fällig), zum Arbeitsamt, zur Telekom und zur Post, die Keller der alten Wohnungen müssen wir noch ausräumen und meine restlichen Sachen holen. Außerdem habe ich Codo versprochen, sein Chaos hier ein wenig aufzuräumen und zu putzen. Die Woche wird hart.

Ach ja, bei Richterin Dr. Ruth Herz wurde heute ein junger Mann wegen Nötigung zu einer Geldstrafe verurteilt. Er hatte seiner Freundin gedroht, sich umzubringen, wenn sie mit ihm Schluss macht. Ruth ist gut. :-)

Ich fühle mich hier so’n bisschen wie die Nanny. Codo und Micky sind unterwegs und ich passe hier auf meine Fische, Hund und Katze, Schatzi und Freundin auf. Außerdem habe ich mich durch Werkzeug, Schrauben und Farben gegraben und einen Raum freigelegt, aus dem das Surren einer Maschine zu hören war. Die Maschine entpuppte sich als Kühlschrank und der Raum kann jetzt problemlos als Küche bezeichnet werden.

Nur am Rande sei erwähnt, dass meine Knie und die Hüfte von der Schlepperei noch schmerzen. Über den Zustand meiner Hände kann ich nicht viel sagen, ich spüre sie nicht mehr. Und deswegen muss ich jammern, es geht nicht mehr anders, ich kann nicht mehr.

Heute haben wir nun endlich die Keller ausgeräumt. Heilige Scheiße, was sich da alles angesammelt hat! Arschloch-Sascha hatte ja seinen Teil dazu beitragen, ich weiß nicht, wieviel wir allein von dem weggeschmissen haben. Und dann noch die Sammelleidenschaft von dem verhinderten Heimwerker, den ich mal geheiratet hatte. Was habe ich den heute wieder verflucht! Aber wir haben es geschafft. Und meine Küchenaktion von gestern wird auch belohnt: Micky hat gekocht. Aber ich wollte ja jammern. Ich bin zu schwach zum Schreiben, vielleicht morgen mehr…

Was für ein Tag!

Meine Beine tun weh, funktionieren kaum. Gestern war ich stundenlang mit Schatzi in der City, Klamotten kaufen, zum Amt, zur Post, McDonald’s natürlich, Stadtbummel halt. Abends fuhren wir erschöpft mit dem Taxi heim.

Heute Vormittag weckte mich mein Handy: Eine SMS von Sophie, ich kann doch nicht zu ihr, die Mitwohnschlampe zickt rum. Fuck! Und jetzt? Naja, erstmal Kaffee…

Etwa eine Stunde später klingelt mein Handy, unbekannte Nummer; egal, heute kann mich nichts mehr schocken, ich geh mal ran. Bernhard hat bei der Mitfahrzentrale meine Anzeige gelesen und fragt, ob das noch aktuell ist. Ich muss völlig wahnsinnig sein, ich sage ihm zu und sage ihm auch, dass ich momentan noch keinen Schimmer habe, wohin meine Sachen gebracht werden müssen, ich dies im Laufe des Tages aber noch rausfinden werde. Morgen früh um 7:00 h holt er mich ab. Cool! Jetzt muss ich nur noch wissen wohin.

Soul hat zwischenzeitlich mit smu geklärt, dass ihr Männerhaushalt dringend eine Frau braucht und Sophie und ich beschließen, dass ihre Mitwohnschlampe gegen meine Sachen und meine Fische nichts einzuwenden haben darf. Alles wird gut…

Ich räume Codos und Schatzis restliche Kartons aus, ihre Zimmer auf, putze die ganze Wohnung (Micky und Codo sind ja wiedermal unterwegs), packe meinen Kram (ich habe bestimmt die Hälfte und sowieso irgendwas ultra wichtiges vergessen) und falle um 2:00 h todmüde ins Bett. Um 6:00 h muss ich aufstehen.

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Und noch ein Anruf

Heute rief die Firma Fidion GmbH bei mir an und teilte mir mit, dass man sich aufgrund der miesen Publicity gezwungen sehe, den Chat zu löschen. Sehr freundlich von denen, finde ich, wurden in der Vergangenheit doch alle Foren ohne Vorwarnung, ohne die Möglichkeit eines Backups, gelöscht. Aber nun hat der Public Enemy ja einen Namen bekommen und man kann ihn anrufen. Ob noch mehr folgen werden? Mein Telephon klingelt auffällig oft und es wird aufgelegt. Irgendwann spare ich mir die Mühe, den Hörer in die Hand zu nehmen.

Natürlich ruft das in den Foren wieder diverse Profil-Neurotiker auf den Plan, die sich megaschlau vorkommen, wenn sie meinen Namen posten. Dabei kann doch bei Denic jeder nach Lust und Laune im “who is who” der de.-Domains rumühlen.

Tja, so wie es aussieht, ändert sich in dieser Woche nicht nur mein reales, sondern nun auch noch mein virtuelles Leben. Der Chat ist umgezogen, das Forum stillgelegt (wie es weitergeht, ist derzeit noch unklar) und ich muss langsam meine Sachen packen. Ein bisschen wehmütig wird mir da schon ums Herz. Im Chat habe ich zwar im Herbst schon gesagt, dass mir das alles nichts mehr geben kann und die Arbeit im Forum hat mich teilweise auch ganz schön genervt, aber dennoch. Ich bevorzuge es, Kapitel selbst zu beenden.

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Die Kripo ermittelt?

Heute Morgen um 11:00 h klingelte mein Telephon recht hartnäckig, also ging ich dran. Es war ein Mann von RTL, der mich zu meiner Domain, mit der ich angeblich andere in den Tod treibe, befragt, ob sie tatsächlich mir gehört, wie im Kölner Express steht und ob ich etwas davon wüsste, dass die Kripo gegen mich ermittelt. Ich war wach … ohne Kaffee … wach … WAS?!? Woher hat der überhaupt meine Telephon-Nummer? Von der Auskunft, teilt er mir lapidar mit. scheiß Telekom. Eigentlich sollte ich dort nämlich gar nicht eingetragen sein. Des Weiteren wollte er wissen, warum das Forum und der Chat eingerichtet wurden, wer die Zielgruppe ist, welchen Nutzen wir davon haben, welche Gefahren ich darin sehe und ob es sich um eine kommerzielle Angelegenheit handeln würde. Er war sehr nett und ich habe nichts zu verbergen, also beantwortete ich ihm seine Fragen. Dann fragte er mich, ob ich bereit wäre, im Fernsehen noch einmal Stellung dazu zu beziehen. Ich erwähnte die bisher schlechten Erfahrungen, die die Foren damit gemacht haben und bat um Bedenkzeit.
Mittlerweile hab ich mich dazu entschlossen, nicht ins Fernsehen zu gehen. Der Gedanke, etwas richtig stellen zu können, ist vermutlich illusorisch und nicht das einzige, was mich davon abhält.

Ich habe heute Mittag die zuständige Kripo angerufen. So wie es aussieht, prüft man zurzeit, ob ein Ermittlungsverfahren gegen mich eingeleitet wird.

Ich will die pseudo-journalistische Meinungsmache der privaten Sendeanstalten der letzten Monate nicht kommentieren, das überlasse ich Franz, der das besser drauf hat und mir freundlicherweise die Genehmigung erteilt hat, sein Statement hier zu veröffentlichen:

Auffällig für mich (und auch signifikant) das Verwechseln von Ursache und Wirkung bei Leuten, deren Kindererziehung mit Schwerverbrechen gleichzusetzen ist. Da kommt so ein glücklicher, zufriedener Wonneproppen durch unglückseligen Zufall auf eine Selbstmordseite – und flugs ist es vorbei mit der Glückseligkeit, das schönste, harmonischste Familienleben fällt der Vergessenheit anheim, der ehemals lachende Unschuldsengel denkt bloß noch an Fallhöhen, beginnt bei “toxi” euphorisch zu zucken und eine gediegene Schrotflinte zaubert das Lächeln von ehemals auf das Gesicht des Sprößlings. Orgasmusfähig nur noch bei Lebensgefahr endet er sein ehemals so vielversprechendes Dasein auf dem ICE-Gleis bei einem flotten Dreier mit Gleichgesinnten.
Und wenn sie nicht gestorben sind vertrotteln sie heute noch – obwohl man mir in der Schule was erzählt hat, dass das mit der Steigerung eines Superlativs nicht funktionieren würd – hm – oder doch? vielleicht kann man ja noch Redakteur bei nem Onlineschmierblatt werden.
und nun gute Nacht …
franz

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Unglaublich

Ich war gerade im Keller, wo unter anderem auch meine ganzen Bücher aus der abgebrannten Wohnung eingelagert waren. Diese wollte ich bei Gelegenheit vom Russ befreien, lesbar waren sie ja noch. Aber irgendein Idiot hat meine ganzen Bücher geklaut. Die Welt ist schlecht.

Mein so gut wie sicheres WG-Zimmer wurde mir heute auch abgesagt, was meinen Umzug etwas verkompliziert. Die Lage ist hoffnungslos aber noch lange nicht ernst, denn glücklicherweise ist da noch Sophie, die mir anbietet, vorübergehend bei ihr zu asylisieren.

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Großkampftag

Die ganze Nacht habe ich geschuftet um aus dem Chaos wieder ein halbwegs bewohnbares Zimmer zu machen, meinen Schreibtisch freizuschaufeln, compi zu aktivieren und einen Text anderweitig aufzuschreiben, der meines Erachtens nicht so recht in einen Reisebericht passen will. Mein Handy funzt auch wieder, weil der Entsperr-Code noch der werksmäßige war und aus der Gebrauchsanweisung hervorgeht. Langsam kehrt wieder Normalität ein, wenn man davon absieht, dass meine Tochter vorübergehend wieder bei mir wohnt und Codo die obdachlose Zeit bei einem Freund verbringt.

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