Monatsarchive: Dezember 2001

(-: Weihnachten :-)

Kurz nach 14:00 Uhr. Scheiße, verpennt! Und das am heiligen Abend. Aufgewacht, weil’s Handy geklingelt hat, Schatzi wollte wissen, wann sie und ihr Dad denn kommen sollen. “Jetzt nicht!”, knurre ich ins Telephon und nuschele noch ein: “So gegen vier”, hinterher. Ob dann auch das Essen fertig sei, will sie von mir wissen. “Du hast Nerven! Ich bin noch gar nicht wach und kann jetzt noch nicht kochen. Wir essen heute Abend.” Wie ich es hasse, nach dem Aufwachen so viel reden und auch noch denken zu müssen!

Aber heute ist (-: Weihnachten :-)

“Bis später, Schatzi!” Erstmal Kaffee trinken und online gehen … ich fühle mich elend … ‘ne SMS von 12.41 Uhr, ich soll mal anrufen. Jetzt ist es zu spät, leider, aber mag eh nicht telephonieren, mag gar nichts gerade.

Ich hinterlasse einen virtuellen Gruß, den einzigen, dann muss ich unter die Dusche, schon 14:30 Uhr. Ich hasse diese Hetze!

Aber heute ist (-: Weihnachten :-)

Nach dem Duschen muss ich in den Keller, meinen 60-cm-Plastikbaum samt Kugeln, Watte-Schnee und Lichterketten rauskramen. Der kleine Koffer mit diversen Briefen und Karten fällt mir auf und irgendetwas veranlasst mich, ihn aus dem Regal zu nehmen. Ich stöbere darin herum um etwas zu finden, von dem ich nicht einmal weiß, ob es überhaupt existiert. Unangenehmes überfliegen und schnell weglegen. Warum bewahre ich eigentlich jeden Scheiß auf? Bei seltenem Angenehmen kurz mit einem müden Lächeln (Ich fühle mich schließlich immer noch elend und bade im Selbstmitleid, da ist mehr als ein müdes Lächeln nicht drin!) verweilen. Da! Der Brief! Eigentlich mag ich ihn gar nicht lesen, aber vielleicht … Ja! Strike! Diese Schlacht vom Rosenkrieg habe ich gewonnen. Vielleicht sogar den ganzen Krieg.

Halleluja! (-: Heute ist Weihnachten :-)

Ich stehe im Keller und trällere Weihnachtslieder. Das ist das schönste Weihnachtsgeschenk, was mein Mann mir jemals gemacht hat. Und wieder einmal stellt er sich ohne es zu merken selbst ein Bein.

Mittlerweile ist es kurz nach vier und mein Plastikbäumchen will nicht so recht seine glanzvolle Form vergangener Jahre annehmen. Ich stöbere in dem Karton mit Kugeln und Figuren und noch mehr Dekokram herum, als Schatzi klingelt. Mit meiner Weihnachtsmütze auf dem Kopf präsentiere ich ihr das schiefe Häufchen Weihnachts-Elend. Wir überlegen, ob wir nicht doch die Vorjahres-Tanne aus dem Garten wieder ausbuddeln sollen, verwerfen diesen Gedanken jedoch wieder aus Mitleid mit dem grünen Kunststoff-Klumpen, der uns schon seit Jahren dekorative Dienste leistet (naja und aus Faulheit). Der arme, kleine Kerl wird mit einer 20er-Lichterkette, Mini-Kugeln und -Glocken, diversen Holz-Bärchen, Keramik-Schlitten und Watte-Schnee überladen; die rote Spitze obendrauf – Fertig ist unser Meisterwerk.

Anschließend werden das Aquarium samt Unterschrank und Elch, der Kerzenständer und der Türrahmen mit Watte eingeschneit. Schatzi hat Spaß und ich mag Kitsch; obwohl es eigentlich gar nicht kitschig wirkt. Codo und Katerchen kommen, wir trinken Kaffee, mampfen selbstgebackene Plätzchen und das nervige Kind kann endlich die Geschenke auspacken.
Abends nach dem Essen kommt J. zu Besuch. Eigentlich wollte sie heute gar nicht vorbeikommen, weil sie meinte, dass sie ja schließlich nicht zur Familie gehören würde. Aber Schatzi und ich sagten wie aus einem Mund: “Doch!”.

(-: Ich mag Weihnachten :-)

Ich weiß gar nicht, warum so viele Leute Probleme mit diesem Fest haben. Endlich ist der Tag da, an dem die konsumgesteuerte Hektik und der kommerzielle Stress, den die Menschen sich in der Vorweihnachtszeit machen, vorbei sind. Es ist so wunderbar ruhig draußen, dass man den Eindruck bekommen kann, die ganze Welt steht still. Es sind Tage, an dem ganz sicher keine unerwünschten Besucher oder Anrufer nerven, an denen man die Füße hochlegen und die Seele baumeln lassen kann ohne komisch oder lustlos oder was auch immer zu wirken, an denen man sich ausschließlich mit Dingen beschäftigen kann, die man gern macht und an denen man sich nur mit Menschen abgeben muss, die man gern hat.
Wir sitzen zusammen, quatschen, Internet läuft nebenbei, wir machen Spiele, trinken Tee und futtern Plätzchen. Der Abend ist wie er sein soll: ruhig und harmonisch. Probleme wurden heute mit der Jacke an der Garderobe abgegeben; man muss auch mal vergessen können, wenigstens für ein paar Stunden. Einmal im Jahr kann ich das ganz sicher und deswegen mag ich

(-: Weihnachten :-)

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Wenn zwei das gleiche tun …

… ist es noch lange nicht dasselbe.

sense’s Bruder – seines Zeichens beruflicher PC-Fachmann – hat einmal an der Graphik-Karte gerappelt (Ich habe das mindestens 50-mal getan!). Nun geht sie wieder.

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PC-Probleme

Meine Wolke ist wirklich treu. J. und ich waren mit Schatzi bei der Advents-Feier in der Schule und haben zwischendurch eine Zigarettenpause eingelegt. J. ging zuerst raus, ich folgte ca. zwei Minuten später, trat vor das Schulgebäude und … *tropf* In diesem Moment wurde auch J. restlos davon überzeugt, dass Der Liebe Gott diese Wolke auf mich abgerichtet hat.

Der Besuch mit Ofen ist wieder da. Allerdings diesmal nicht mit Ofen sondern mit PC. Diesen möchte sie von übermäßigem Datenmüll befreit haben, den wir bei mir auf CD brennen wollen. Also baue ich ihre Festplatte aus und hänge sie als Primary Slave an meinen Rechner. Das ist auch alles soweit kein Problem, wenn man davon absieht, dass ich einige Fingernägel opfern musste und außerdem meine Hand seither eine leicht unnatürliche Kruemmung aufweist, weil die Festplatte nicht ganz leicht auszubauen war. Die CD ist schnell gebrannt und die Festplatte etwas weniger schnell wieder eingebaut. Ich habe in den letzten 15 Monaten gelernt, dass es arbeitssparend ist, den PC erst zu testen und dann wieder zusammenzuschrauben, also wende ich dieses erlernte Wissen an. Knopf drücken und … wieso bricht der den Bootvorgang ab? Und warum bleibt der Monitor schwarz? Ein liebgewonnenes Ritual beginnt. Zunächst wird der korrekte Sitz aller Kabel überprüft. Erfolglos. Als nächstes baue ich das zuletzt implantierte Teil wieder aus, schaue es mir von allen Seiten an und baue es wieder ein. Ebenfalls ohne Erfolg. Hm … scheint doch was Ernstes zu sein. Festplatte also nochmal raus und in meinen Rechner rein (doch doch, richtig gejumpert war sie) um zu sehen, ob ich sie kaputt gemacht habe. Aber bei mir funktioniert sie, also wieder in den Rechner von sense einbauen. Als nächstes folgt eine 5-minuetige Pause für dümmlich grinsen, Kopf kratzen und ratlos gucken, das alles und sogar noch eine Zigarette dabei rauchen kann ich gleichzeitig. “Wenn der Monitor nicht funktioniert, könnte es eventuell an der Graphik-Karte liegen.”, suggeriert mir ein Geistesblitz. Ein wenig dran rumrappeln, rausziehen, wieder reinstecken, nochmal rappeln – auch kein Erfolg. Ich gebe auf und ihr mein Schlepptop.

Übrigens meinte mein PC-Händler, dass ich mein angeblich unkaputtbares Modem mit der 5-Jahres-Garantie direkt zu ELSA schicken muss, weil seine sechsmonatige Händlergarantie bereits abgelaufen ist.

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darki und J. beim Weihnachtsbummel :-)

Um 15:00 Uhr kommt J. mich abholen, ich sitze im Schlafanzug am Rechner und chatte. Kaffee ist eh obligatorisch, ein bisschen Blabla, was wir kaufen und wo wir hingehen und dann scheucht sie mich unter Gewaltandrohung ins Bad.

Unsere vorweihnachtliche Fresssucht hat meinen Plätzchen-Bestand stark dezimiert, also zuerst in den Supermarkt, Zutaten kaufen, damit wir morgen neue backen können. Und da sehen wir ihn, in der Nonfood-Abteilung sitzt er, ganz allein im Regal: Ein Plüsch-Elch. Und mit einem: “Oh ist der süüüß!”, stürzen wir uns beide gleichzeitig auf ihn, belächelt von dem etwa 10 Jahre alten Jungen, der gerade den Einkaufswagen an uns vorbei schiebt. Elche gehören zu meinen Lieblingstieren und J. drückt ihn mir kurz entschlossen in den Arm, damit ich was habe, zu Weihnachten und überhaupt. Naja, eigentlich eher damit ich, wenn ich nach Berlin gezogen bin, etwas habe, was mich an sie erinnert und so. Um nicht der Sentimentalität zu verfallen, geht J. zielstrebig Richtung Kasse. Geldausgeben tötet jede Gefühlsduselei. “Schatz wir haben keine Kerzen mehr, wir brauchen neue!”, ruf ich hinterher.

In der Stadt gehen wir in einen Teeladen, J. braucht ein Wichtelgeschenk. Wer die Scheiße erfunden hat, hat meines Erachtens überhaupt keine Geschenke mehr verdient. Nun ja, J. hat jedenfalls eine Teetrinkerin gezogen, was die Sache doch etwas vereinfacht. Ein Päckchen guten Tee, Kandis und trockene Kekse dazu – fertig. Noch ein weinig aromatisierte Scheiße in Form von Marzipantee (den haben wir noch nie getrunken und müssen ihn einfach probieren) und dann geht’s los: J. braucht Klamotten und darki spielt Einkaufsberater.

Im ersten Laden haben sie nur diese zu kurz geratenen Teenie-Fummel, für die J.’s Figur noch nicht ganz angepasst ist; im nächsten Geschäft probiert sie einen Wollpullover an und rennt schmollend in die Kabine zurück nachdem ich sie darauf hinwies, dass es Figuren gibt, die besser nicht betont werden sollten. Ich stehe vor der Kabine, wir diskutieren rum, ich mache ihr eine Szene, die Leute gucken schon. Raus hier. Ich zerre sie in einen Laden, in dem ich bisher noch immer etwas gefunden habe und natürlich finden wir auch heute etwas Passendes. Außerdem kann darki noch einen Rabatt rausschlagen, den wir anschließend sofort in Kaffee investieren.

Und dann folgt das absolute Highlight: Wir gehen über den Weihnachtsmarkt. Und gerade als ich depressiv werden wollte, weil mir das Geld für Waffeln mit Puderzucker fehlt, ist meine Wolke wieder da, aber diesmal mit Schnee. Ich kann’s mir nicht verkneifen, recke meine Nase bis zur Genickstarre gen Himmel und tapse – die “Ode an die Freude” singend – hinter J. her.

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Zettelkrieg

“Der Müll darf auch in die Mülltonne gebracht werden!” Ein Zettel mit dieser Aufschrift klebte an meiner Mülltüte, die ich – wie es alle hier im Haus machen – vor die Wohnungstür stellte, um sie bei nächster Gelegenheit mit runter zu nehmen. Offensichtlich will mein Vermieter Krieg, weil ich jetzt gekündigt habe. Kann er haben. “Wird er auch – und wenn die Tonne montags schon voll ist eben erst freitags. Übrigens wäre es angenehmer, wenn das Hoflicht funktionieren würde.”, schreibe ich drunter. So leicht lasse ich mich ja nun nicht beeindrucken.

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Ich liebe Naddl

Ich gucke – aufgrund meiner Stimmung leicht pervertiert – “life! die lust zu leben” im Fernsehen. Es ist nicht zu fassen, was Reichs und Geldig für unlösbare Probleme im Leben haben.

So wie der Typ mit einer Frisur, bei der jeder Afghane vor Neid ‘ne trockene Schnauze kriegen würde, dem seine 35-Meter-Yacht zu klein geworden ist. Und sein kleineres Zweitboot, das vor längerer Zeit schon zu klein wurde, hat er auch noch nicht verkauft.

Ich kaue auf meinem 79-Pfennig-Toast rum und gucke weiter, “explosiv” oder sowas. Es geht um Naddl, die Frau, die immer wieder mein Selbstbewusstsein aufpolieren kann. Neulich zeigten sie ja schon, dass die überhaupt keinen Hintern hat; dass ihre Zähne gebleicht sind, ist offensichtlich und die Silikon-Implantate sind auch kein Geheimnis, aber als sie die Perücke abnimmt, muss ich doch lachen. Ich glaube, die war beim gleichen Broiler-Friseur wie ich.

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Der Liebe Gott hat mir ‘ne Wolke geschenkt

Ich habe in den letzten zwei Wochen genau dreimal das Haus verlassen und jedesmal war sie da. Wir haben schon unser festes Ritual: Ich gucke aus dem Fenster und es ist trocken, keine Regenwolke zu sehen. Also ziehe ich meine Jacke an, suche meinen Schlüssel, finde ihn nach etwa 15 Minuten, kontrolliere noch ca. 20-mal, ob ich Sonnenbrille (meine Tageslicht-Gehhilfe), Labello (unbedingtes MUSS!), Handy (zum SOS-funken, falls ich mich verlaufe), Zigaretten + Feuerzeug und natürlich den Schlüssel eingesteckt habe, dann gehe ich los. Nach ca. 25 Metern ist sie wie auf Bestellung da, kündigt sich durch einen ersten Tropfen an, ich ignoriere sie lächelnd und sie öffnet ihre Schleusen. Sie ist treu, zuverlässig und funktioniert 1a, sach ich Euch…

Ich bin ja so glücklich, dass Der Liebe Gott mir sowas Tolles geschenkt hat, ja.

*twothumbsup*

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Blöde Kaninchen

Oh Mann, mein Kaninchen-Bock regt mich auf! Gerade habe ich die Käfige sauber gemacht. Zu diesem Zweck setze ich sie immer zusammen in einen Käfig, weil sie sämtliche Kabel und den Teppich anfressen, wenn ich sie frei rumlaufen lasse. Der Bock hat scheinbar nach einem Jahr immer noch nicht geschnallt, dass die Eier ab sind und er eigentlich nicht mehr können kann. Sobald sie zusammen sind, springt er auf das Weibchen drauf und dann… Und sie? Ist voll die Oberzicke, so zickig, wie ein weibliches Wesen nur sein kann. Sie will nicht, fängt an zu beißen, er beißt zurück, sie streiten, jagen sich durch den Käfig (wodurch das ganze Streu im Zimmer verteilt wird) und und und… Er gibt erst Ruhe, wenn er bekommen hat was er will und sie hockt dann in einer Ecke und schmollt vor sich hin.

Manchmal sind sie irgendwie menschlich.

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