Archiv der Kategorie: Tagesparanoia

Die Farbe der Eier

Jedes Jahr dasselbe:

11 Monate im Jahr ist es kein Problem, weiße Eier zu kaufen. Bis Ostern vor der Tür steht. Sobald das Osterfest in greifbare Nähe rückt, gibt es in der ganzen Stadt nur noch braune Eier. Und braune Eier sehen gefärbt einfach scheiße aus, da gibt es gar keine Diskussion.

Dieses Jahr hatte ich Glück und habe gerade noch rechtzeitig weiße Eier auftreiben können. Ostern kann kommen.

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Fallout oder Chemtrail?

Der Himmel ist den ganzen Tag undurchdringlich hellgrau, die Luft diesig und es ist lausig kalt. Mittags beginnt es zu schneien, winzig kleine, glitzernde Schneeflöckchen. Mich erinnert die Wetterlage stets an den atomaren Winter in The Day After. Im dritten Jahrtausend, nachdem man das Leben im Kalten Krieg zwischen Pershings und Cruise Missiles hinter sich gelassen hat, vermutet man hinter diffusen Wetterbedingungen nicht mehr das sofortige Ende der Welt. Heutzutage geht das subtiler und langsamer mit Hilfe von Chemtrails vonstatten.

In den Nachrichten bezeichnen sie das als Industrieschnee. Aber egal, wir werden sowieso alle sterben.

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Wo ist mein Paket?

Seit Tagen warte ich schon auf DHL, damit der Zusteller mir den niegelnagelneuen Kratzbaum für das Katertier aushändigt. Gerade bekomme ich von Gerald einen Link, der den Verbleib des Pakets erklärt: Super-Secret Delivery Procedures Document Revealed

Vermutlich schreibt mein DHL-Zusteller seine unleserliche Nachricht auf einen der gefühlten 100 Pizza-Heimservice-Flyer, die hier wöchentlich im Briefkasten und ungelesen achtlos im Altpapier landen …

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Die Feder am Ei

Seit geraumer Zeit keimt ein Verdacht in mir. Erweckt wurde er durch eine Hühnerfeder bzw. erst durch die zweite und die dritte. Seit geraumer Zeit nämlich ist an jeweils einem Ei der Zehnerpackung Eier vom Discounter eine Hühnerfeder.

Angeblich stammen die Eier aus kontrollierter Bodenhaltung. Die Feder dient vermutlich nur dazu, den Konsumenten von der frische und den glücklichen Hühnern zu überzeugen. Daher ist auch exakt ein Ei pro Packung mit Feder ausgestattet, vermutlich aufgeklebt durch zarte asiatische Kinderhände.

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Sophie war auch da

So lautet der Betreff einer E-Mail von Franziska an Paola, die heute in meinem Posteingangsordner gelandet ist. Zunächst dache ich an Spam, aber nachdem ich mir – was ich gelegentlich tue ohne zu wissen warum – die vermeintliche Spam-Mail durchgelesen habe, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es sich um einen Irrläufer der Korrespondenz irgendeines Geheimdienstes handelt. Für den üblichen Spam von FSK-18-Seiten ist der Text zu kryptisch:

gut Franziska Boehm mehrere erklimmen Paola gabeln mit,
wer er/sie irrte fest eingeschlafen sein mit an Balanciersegment
Paola auf Entladungslampe Ihre Aquädukt geschränkt
Angestellte wer bewegt.

Irgendwelche Entschlüsselungsideen?

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Paranoid

Was will denn das US-Militär von mir?

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Stalker

Jede Nacht das gleiche: Ich liege im Bett, will schlafen und die Kaninchen beginnen zu streiten, jagen sich gegenseitig durch den Käfig. Die machen mich wahnsinnig damit. Also gebe ich den Schlafversuch auf und schreibe etwas.

Als ich heute Nachmittag bei der Sparkasse ankam, traf mich fast der Schlag: Mein Mann verließ gerade das Gebäude. Er hatte mich wohl nicht sofort erkannt, kennt mich ja nur mit langen, schwarzen Haaren. Mir wurde flau im Magen, auf eine derartige Konfrontation war ich natürlich überhaupt nicht vorbereitet. Nach nur drei Stunden Schlaf ging es mir auch gar nicht gut. Den ganzen Tag war ich missmutig, hatte Kopfschmerzen und mir außerdem eine leichte Erkältung zugezogen. Ich brauchte drei Stunden, bis ich mich aufraffen konnte duschen zu gehen und empfand es als ausschließlich lästig, irgendetwas tun zu müssen. Und dann auch noch diese Begegnung.

Mir war nach Heulen zumute, ich wäre am liebsten umgekehrt und nach Hause gelaufen, musste jedoch hineingehen, musste endlich die Miete zahlen. Am Freitag sah ich zum ersten Mal nach dem Urlaub in den Briefkasten, der unter anderem einen Brief meines Vermieters enthielt. Mein erster Gedanke war “Kündigung”, aber es war eine Mahnung, eine Woche alt, Fristablauf Freitag. Ich ging rüber zu ihm und entschuldigte mich mit Ausflüchten und versprach, die Miete am Montag bar zu bezahlen.

Also riss ich mich zusammen und betrat die Sparkasse. An der Kasse das Geld vom Sparbuch abheben, Kontoauszug drucken, noch schnell am Geldautomaten vergleichen, ob der Kontostand stimmt und dann schnell wieder heim. Dachte ich. Der Kontostand stimmte nicht, ich musste auch noch zum Service-Schalter, mir bleibt wirklich nichts erspart.

Ich bat die Angestellte zu überprüfen, wie die Differenz zwischen dem Kontoauszug und dem Kontostand im Geldautomaten zustande käme. Da ich die ganze Woche nicht das Haus verlassen hatte, konnte ich schließlich auch kein Geld abgehoben haben. Es fehlten mehrere Hundert Mark. Während ich am Schalter stand, sah ich, dass mein Mann draußen auf mich wartete. Ich verzweifelte innerlich – hier die Probleme mit dem Konto, draußen er. Aber ich bewahrte die Fassung, obwohl es schwer fiel. Die Angestellte tippte im Computer rum und meinte, es wäre noch eine Abbuchung aus Helgoland unterwegs. Meine Hoffnung auf schnelle Klärung der Angelegenheit konnte ich mit diesem Satz begraben. Ein Blick auf den Kontoauszug bestätigte mir, dass sämtliche Kartenzahlungen und Barabhebungen bereits gebucht waren. Ich musste mich noch mehr zusammenreißen; meine Nerven lagen blank und wütend war ich außerdem. Ich sagte der Frau, dass dies nicht sein kann, da bereits alles abgebucht sei und zeigte ihr den Kontoauszug. Sie war verwirrt und kontrollierte alles erneut im Computer, dann bat sie eine Kollegin um Hilfe.

Es war zwischenzeitlich voll geworden in der Sparkasse, mehrere Leute standen hinter mir und hörten interessiert zu. Mein Mann betrat die Sparkasse erneut, ging an den anderen Service-Schalter und stellte eine belanglose Frage. Ich konzentrierte meinen Blick auf den Kontoauszug, der vor mir lag, wollte keinesfalls in seine Richtung schauen, wollte ihm nicht in die Augen sehen und erst recht nicht mit ihm reden. Ich konnte seine Blicke spüren, merkte, wie er mich musterte und beobachtete. Ich fühlte mich extrem unwohl und mir ging es immer schlechter. Seine Frage wurde schnell beantwortet und er ging wieder. Ich sah, dass er wieder draußen vor der Tür wartete. Wieso konnte mich jetzt nicht ein Blitz treffen und töten … oder ihn? Ich war der Verzweiflung nahe, rang um meine Fassung.
Als der Fehler endlich gefunden war, verwickelte die Angestellt mich in ein Gespräch über die Volksbank, die den Fehler verursacht hatte, was ich über mich ergehen ließ, bis ich sah, dass mein Mann endlich weg war. Ich beendete das Gespräch und verließ nach ungefähr 30 Minuten endlich die Sparkasse.

Tagsüber nutze ich lieber die kleinen Seitenstraßen, auf denen nicht viel los ist, für den Heimweg. Ich kontrollierte mehrmals, ob er mir folgte, was nicht der Fall war. Plötzlich kam er aus einer Seitenstraße auf mich zu, ich erschrak fürchterlich, mein Gang wurde schneller, krampfhaft bemüht, ihn nicht zu sehen. Ich weiß nicht, warum, aber ich wurde völlig panisch, lief gehetzt die Straße entlang, als wäre der Teufel hinter mir her. Völlig unbegründet, zum einen war kein Mensch hinter mir her, zum anderen hat mein Mann mir noch nie etwas angetan. Ich ging noch Zigaretten kaufen und zum Bäcker, beides lag auf dem Weg. Ich ließ mir Zeit, im Kiosk stöberte ich scheinbar interessiert in den Zeitschriften rum, beim Bäcker tat ich so, als müsste ich überlegen, was ich nehme und ließ einer älteren Dame den Vortritt. Ich befürchtete, er würde vor der Haustür auf mich warten. Anschließend ging ich zum Vermieter, wollte die Miete zahlen. Dessen Schwester sagte mir, er sei erst in etwa einer Stunde wieder da und ich ging heim. Vor der Tür wartete er nicht.

Ich saß am Rechner, als es an der Tür klingelte. Ich öffnete nicht. J. konnte es der Uhrzeit wegen nicht sein, außerdem haben wir ein Klingelzeichen vereinbart. Schatzi oder ihr Vater waren es auch nicht, sie klingeln nicht an der Haustuer sondern oben an der Wohnungstür. Ich vermutete, dass mein Mann es sei.

Nachdem eine Stunde vergangen war, verließ ich wieder das Haus, um zu meinem Vermieter zu gehen, der im Haus nebenan wohnt. Mein Mann stand an einer Straßenecke und beobachtete wohl das Haus. Glücklicherweise drehte er sich in dem Moment, als ich aus der Haustür trat, um, sodass er mich nicht sah. Ich beeilte mich, ins Nebenhaus zu kommen. Als ich wieder aus dem Haus kam, war er verschwunden. Ich ging noch schnell einkaufen und dann durch den Garten zurück ins Haus.
Das Handy klingelte, eine SMS: Ein neuer Anruf auf der Mobil-Box. Ich stellte fest, dass bereits während meiner Abwesenheit ein Anruf auf der Mobil-Box eingegangen war und hörte beide ab. Sie waren von ihm. Er wollte mich besuchen, aber ich würde die Tür nicht öffnen. Ich sollte ihm eine SMS schicken, wann er mich besuchen könne. Im zweiten Anruf meinte, es wäre ja auch möglich, dass ich ihn besuchen wolle und er gab seine Adresse durch.

Ich will ihn nicht, nicht sehen, nicht mit ihm reden. Ich möchte nichts mehr mit ihm zu tun haben. Seit ich ihm Ende Oktober letzten Jahres unmissverständlich sagte, dass ich nichts mehr mit ihm zu tun haben möchte, belästigt er mich ständig, schreibt SMS, ruft an und legt wieder auf, beobachtet das Haus, schreibt Postkarten an meine Tochter und lauert ihr sogar vor der Schule auf. Hört das nie auf? Ich will hier weg, aus diesem Haus, aus dieser Stadt.

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